Interview mit Nina George

Liebe Frau George, Sie arbeiten für Zeitungen, Zeitschriften und schreiben selber Bücher. Was begeistert Sie mehr und worin unterscheidet sich diese Arbeit voneinander?

Ich mag das Kurze, Schnelle der journalistischen Arbeit sehr gern – es wird besser bezahlt, ich bin schneller fertig und benötige mehr Handwerk als Herzblut. Ich kann die Arbeitszeit in Tagen, sogar Stunden bemessen und weiß: Jut, heute die JOY, danach schön „Mistresses“ auf WDR gucken. Und: ich kann noch so traurig oder schlechter Laune sein, ich stelle trotzdem ordentliche Arbeit hin.

Jetzt kommt das Aber: Aber es sind Texte auf Bestellung. Eine Ware, wie Call-a-Pizza. Die weniger mit mir und den Dingen und Gedanken, die ich wichtig finde und erzählen will, zu tun hat, als mit Auflage, Verkaufszielen und Informations­vermittlung. Doch so lecker eine Hawaiipizza ist und so gefragt – immer nur Schinken-Ananas-Käse macht mich zutiefst unruhig, zornig und hungrig nach mehr. Um in dem kulinarischem Bild zu bleiben: Ich will mal ne knackige orientalische Frikadelle schreiben. Oder ein französisches Edel-Menü mit Hochkant-Gemüse. Oder Experimente, wie Forelle an Schokoschaum.

Literarisches Schreiben ist freier, obgleich es ohne Handwerk nie geht; es ist frustanfälliger, macht aber auch glücklicher. Es dauert lang, es ist kaum zu bemessen in Tagen oder Stunden – denn das Nachdenken und das Überarbeiten nimmt unzählbare Zeit ein. In den sechs, sieben, zwölf Monaten, in denen ich mit Unterbrechungen an einem Roman schreibe, bildet sich die ganze Skala menschlichen Seins ab: Abgründe, Zweifel, Tobsucht. Lust, Angst, Einsamkeit. Überarbeitung, krummer Rücken, Höhenflüge, asoziales Verhalten und Menschenscheuheit.

Kein Autor schreibt übrigens nur 300 Seiten, wenn ein Roman mit 300 Seiten gedruckt wird. Er schreibt 600, 900; kürzt, stellt um, schreibt neu, schmeißt über den Haufen, verheddert sich. Wie Monika Maron mal sagte: Das Schreiben ist nicht das Problem. Aber das Stehenlassen!

Wie kommt es eigentlich, dass Sie auch unter einem Pseudonym schreiben d.h. was steckt dahinter?

Mein erstes Pseudonym Anne West (Das zweite ist Nina Kramer, es gibt aber auch noch andere, die ich geschlossen halten möchte; ich verwende sie für Ratgeber oder Zeitschriften) war auch meine erste Veröffentlichung. Ich arbeitete damals beim Axel-Springer-Verlag für die Zeitschrift Familie&Co. Als der damalige Chefredakteur von mir erfuhr, welches Thema mein Debüt hatte (Weibliche Sexualität, unter anderem), versprach er mir nicht gerade subtil die Kündigung, falls ich unter meinem Namen, unter dem ich in der Zeitschrift über Kinderernährung und -erziehung schrieb, veröffentlichte. Also erdachte ich mir mithilfe von russischem Alkohol (Liebe Kinder, bitte nicht nach machen!) den Pen-Name Anne West. Und weil ich partout nicht vorzeitig entlassen werden wollte, schloss ich das Pseudonym. Etwa vier Jahre lang wusste niemand, dass ich Frau West bin; es gab keine Lesungen, keine Interviews, nur die Auflage kletterte hoch. Ich wurde auf mich selbst eifersüchtig! Als ich Anne West enttarnte, passierte etwas, womit ich nicht rechnete: Ich wurde fortan mehr über das Erotika-Pseudonym definiert als über das, was ich sonst auch noch – und mehr – bin; Krimiautorin, Frauenrechtlerin, Wissenschafts-Reporterin, Lokaljournalistin. Das hat mich damals irritiert, diese Reduktion auf das Eine. Heute nicht mehr; wer auf die 40 zugeht, der hat nahezu jeden Typus Mensch und seine Bereitschaft zum Vorurteil getroffen, und ist nicht mehr allzu leicht zu irriteren.

Haben Sie selbst einmal einen Menschen gekannt, der so verzweifelt war wie Ihre Protagonistin in “Die Mondspielerin” und sich das Leben nehmen wollte?

Ja. Mich. Und alle anderen, die schon einmal so sehr fest geschmiedet waren in unerträglichen Situationen, dass sie sich nur selbst zerstören konnten, um zu fliehen. (Meinen sie, zumindest. Dabei gibt es immer noch einen Weg, mindestens). Dazu gehören Frauen in unerträglichen Ehen, die von gemeinsamen Besitz oder Kindern oder Schulden festgezurrt sind; Frauen, die in Gesellschaften leben, in denen sie zurecht gestutzt und über-angepasst leben müssen, um zu über-leben; und jeder Mensch, dem bewusst wird, dass er zu wenig von dem im Leben getan hat, was er „eigentlich“ tun und erleben wollte. Aber die Zeit aus biologischen Gründen immer knapper wird, das zu ändern. Diese tiefe Lebensverzweiflung erkenne ich an vielen Menschen wieder, selbst an denen, die auf den ersten Blick viel mutiger und erfolgreicher als Marianne erscheinen.

Haben Sie schon selbst in der Bretagne gelebt, oder haben Sie eine besondere Beziehung zu dieser Region?

Mein Mann hat dort eine Weile in seinen jüngeren Jahren gelebt, er wollte mir „seine“ Bretagne und damit auch seine Jugend zeigen. Wir eroberten uns so um 2007 gemeinsam unbekannte Orte, unter anderem, weil wir uns nach Kerdruc und Pont Aven verfuhren – und ich verliebte mich sehr in diese Landschaft. Zweimal waren wir noch da, einmal einen Monat, damit ich für die Mondspielerin recherchieren und vor Ort schreiben kann. Eine „besondere“ Beziehung entstand durch die Weite der Landschaft; ich reagiere körperlich stark auf den Anblick von Wasser, auf Steine, Erde, Himmel, Gezeiten – ich bin keine reine Kopfarbeiterin, ich fühle im Prinzip mehr als dass ich denke. Ich begreife mit meinem Körper Landschaften und Stimmungen; es fällt mir oft sogar leichter, Menschen zu verstehen und zu durchschauen, wenn ich sie berühre. Im Finistère fühlte ich mich komplett, stark; es war, als ob ich in eine Lücke hinein glitt, die für mich frei gehalten war.

Für „Die Mondspielerin“ sind Sie nun mit dem „DeLiA-Preis 2011“ ausgezeichnet worden. Wie fühlt man sich danach?

Erst ungläubig. Dann stolz wie tausend Amazonen.

Welche Auswirkungen hat dieser Preis auf Sie bzw. auf Ihren Roman?

Ich war so erleichtert: Ich kann doch was! (Die ewigen Leistungs-Zweifel der Frauen… und der Schriftsteller überhaupt). Auch der Knaurverlag war aus dem Papierhäuschen: Riesenblumenstrauß und großes Hallo vom Verleger Herrn Übleis höchstselbst. Was es auf den Verkauf für Auswirkungen hat? Nun, ja. Die DeLiA ist noch nicht so bekannt, wie sie es verdiente: Die Jury, alles gestandene, kritische Schriftstellerinnen, haben aus fast 100 Bewerbungen den subjektiv (Denn letztlich ist nach der Bewertung des Handwerks der Rest alles Gefühl…) besten Liebesroman gekürt, bzw. die besten drei – Silke Schützes „Kleine Schiffe“, Michel Birbaeks „Die Beste zum Schluss“, und meine Mondspielerin. Im Prinzip ist das Bewerten von 100 Romanen von Autoren – und nicht von Kritikern, Moderatoren oder sonstigen „Experten“, die wenig mit dem Romanschreiben am Hut haben – eine Arbeitsweise, wie es nur ganz wenige Literaturpreise Deutschlands halten (der Glauser, etwa, wo 300 Krimis miteinander verglichen werden. Im Vergleich: Beim Deutschen Buchpreis sind es weit weniger). So gesehen wünsche ich der DeLiA, dass sie bald anerkannter und bedeutsamer für Buchhändler wird. Für Lesende ist sie es, so meine ich, schon – dank des Internets!

 

 

Gibt es ein Buch, was Sie gerne selbst geschrieben hätten?

Wie sagte mal mein großartiger, herrlich seltsamer Kollege Gunter Gerlach auf diese Frage: „Die Bibel. Dann wäre ich Gott“. Ich halte mich da raus; ich möchte am liebsten immer das Buch schon geschrieben haben, was gerade erst angefangen ist.

Welches Buch gehört unbedingt noch geschrieben?

Ich hätte bei der Bibel gern die bisher fehlenden Kapitel geschrieben, die der Frau eine weniger devote Stellung zuweisen. Ja, die Bibel und die ganze Jesus-Story aus weiblicher Sicht… doch, das wäre was. Als erstes würde ich mit der jungfräulichen Empfängnis aufräumen, die soviel Unheil bis heute angerichtet hat, und als nächstes offenbaren, dass Jesus eine Frau war


Wie lange schreiben Sie schon und wie und wann kam es zur Veröffentlichung Ihres ersten Buches?

Im November 2011 werden es 19 Jahre „offiziell“ in diesem Beruf; ich kam Ende 1992 in die Redaktion des Männermagazins Penthouse, und lernte dort das Handwerk des Journalisten. Zuvor schrieb ich bereits für für mich, für meine alleinige Schreiblust, Kurzgeschichten. Und hatte mich an ein Theaterstück und einen Roman gewagt, und sie aber niemandem gezeigt. Kurz: Seit ich ein nicht mehr ganz junger Teenager war, so mit 15, 16, seither schreibe ich. Und lerne es immer noch – mit jedem Tag, den ich lebe, mit jedem Buch, das ich lese, mit jedem Gefühl, das ich an mir oder anderen kennen lerne –, übt sich auch mein Schreiben.

Das erste Buch war eine rasante Sammlung aus Einsprüchen. Durch meine Arbeit bei Penthouse war ich täglich mit erotischen Klischees über Männer und Frauen konfrontiert. Abends und am Wochenende verfasste ich meine Einsprüche (Ich wollte auch mal Rechtsanwältin werden; so empfand ich mich mit zornigen Zwanzig also als Anwältin der ungehörten Frauen). Nach zwei Jahren waren 300 Seiten fertig. Und nun, wohin mit meinen sexuell orientierten Prozessakten? Es gab sowas wie Sex and The City noch nicht, auch keine Sexratgeber, die heute die Läden überschwemmen. Ich erhielt den Tipp, mich an einen Agenten zu wenden; die waren 1995 noch sehr rar. Der Frankfurter Literaturagent Albert Sellner schließlich verkaufte das Manuskript „Gute Mädchen tun’s im Bett, böse überall – wer sich traut, hat mehr vom Lieben“ an den Knaurverlag. Das war 1997 meine erste Veröffentlichung und schubste auch ein wenig die Sexbücherkultur an; der erste Roman, der Medienkrimi „Kein Sex, kein Bier und jede Menge Tote“, folgte 1999. Ui, da hatte ich ja sowas von keine Ahnung, wie man dramaturgisch gekonnt plottet (strukturiert)! Wenn ich den heute lese, sehe ich zwar das Talent, aber auch das Holterdipolter der Sprache und den Mangel an Überarbeitung. Ich wollte ganz viel ganz schnell erzählen! Lustig.

Wann und wo schreiben Sie am liebsten?

Hmm… ein Paradox des Schreibens ist: Schreiben ist toll, wenn nur das Schreiben nicht wäre! Es gibt diesen fiesen Moment im schöpferischen Prozess, da wandelt sich die Schreiblust in Schreib-Sklaverei. Heftige, säuisch mühsame, frustrierende Arbeit. Eben war ich noch Göttin, jetzt bin ich nur noch Gehilfin fünfter Unterklasse. Und da ist es mir selbst auf dem Sofa, auf dem ich gerade halb sitze, halb liege, zu doof. Ansonsten ist das meine Lieblingsstellung: Rücken gerade, Füße hoch.

Gibt es Autoren die Sie inspirieren bzw. beeindrucken?

Ja. Inspiriert und beeindruckt hat mich immer wieder Anaïs Nin. Diese Kraft, dieser Mut, diese Lebensleidenschaft! Es ist ein bösartiges Gerücht, dass die Nin „nur“ eine Erotika-Autorin war. Sie ist eine streng egoistische, aber dennoch kämpferische Frauenrechtlerin gewesen, mit einer Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, die ich nie wieder bei einem Menschen gesehen habe… sehr beeindruckend, auch als Künstlerin, sie benahm sich so narzisstisch wie es sonst nur männliche Künstler sich heraus nahmen. Ansonsten inspiriert mich ein Kollege wenn dann auf spezifische, eher handwerkliche Art: Von Mark Helprin lernte ich erzählerische Schleifen und Geschichten in Geschichten zu erzählen (was deutsche Verlage nicht so gern haben), von Hemingway die Schärfe der Klarheit. Michael Crichton und Frank Schätzing weckten bei mir die Lust an bunt verpackter Wissenschaft. Stephen King traut sich alles (merke: Ein Schriftsteller darf alles. Auch Gott töten). Else Lasker-Schüler hat Mut zum Gefühl, soviel, soviel davon, in so unverbrauchten, herrlichen Wörtern. Lateinamerikanische Autoren sind großartig politisch, kitschig und zornig zugleich; sie scheren sich nicht um Genreregeln, wunderbar. Französische Autoren sind gesellschaftskritisch, egozentrisch, und haben einen völlig anderen Blick auf diese Mann-Frau-Sache, sehr viel weniger religiös. Das mag ich alles, davon lerne ich.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen zum Schreiben?

Aus der Zeitung, aus dem Gespräch am Nachbartisch, aus meinen Träumen, meinem Leben, meinen Sehnsüchten und Ängsten; aus dem Leben anderer Völker und dem Leben Fremder auf der Straße, aus Situationen im Zug, im Wald, im Museum; aus meiner Fantasie und meinen Widersprüchen zwischen Gut und Böse, aus meiner Wut und meiner Liebe, aus dem Grübeln und aus der Trauer und dem Schmerz. Aus dem Kino, aus Büchern, aus Musik und blöden Witzen; aus Reisen und Essen und Vergangenheit, aus jedem Menschen, Tier und Dingsda, die ich treffe, und auch aus der Tagesschau. Anders gesagt: Es ist schwierig für mich, nicht auf Ideen zu kommen. Schwierig ist es heraus zu finden: Welche hält länger als eine halbe Seite, welche ist Schrott, welche gut? Schreiben ist die Summe dessen, was ein Schreibender erlebt hat, wer er ist, wie er die Welt und die Menschen sieht und begreift; wie empathisch er ist, und wie groß oder klein er denkt. Und wie fähig er ist, sich zu entscheiden, was davon er anderen erzählen will.

 

Haben Sie Kontakt zu Ihren Lesern?

Auf eine sehr angenehme, liebe Art, ja: ich bekomme (digitale) Post über meine Website, und schreibe zurück, sofern es keine Vorwürfe oder Pöbelein sind (Und das sind auch nur einer von 30). Nicht immer gleich sofort, aber immer. Und seit es Facebook gibt, kann ich auch von mir aus auf Lesende zugeh… pardon, zu-schreiben. Und ein bisschen was erzählen, was gerade so los ist rund ums Schreibsofa; Fotos von Schauplätzen zeigen, Termine kurzfristig ergänzen, auch mal eine Frage an Lesende stellen. Ich probiere zwar gerade noch aus, was bei dieser Schreibender-Lesender-Kommunikation das beste Maß ist, aber wer mal selber schauen will: https://www.facebook.com/NinaGeorge.Schriftstellerin

Oder, oder auf Lesungen, natürlich: Die halbe Stunde bis Stunde, nach einer Lesung, die Plaudereien mit Menschen – das ist Motivationstanken.

Was lesen Sie selbst am liebsten?

Ich lese unglaublich gern – Lesen an sich ist bereits der mir liebste Genuss: Die Zeit und Pflichtfreiheit, die kleine Flucht aus dem Bräsigen, der Wissensdurst, der befriedigt wird, die Neugier, die Entspannung… es ist fast zu schwer zu reduzieren, WAS oder welches Genre ich mir am liebsten reinziehe. Zeitung im Zug (Ich schreibe oft Notizen an die Seite, das ist meine Art, mich mit Texten zu unterhalten. Vor allem, wenn ich wütend bin oder empört. Immer noch die heimliche Einspruchs-Anwältin…), da am liebsten die FAS oder den Cicero oder, ähem, die Brigitte Women. An Büchern das, was mir gerade etwas Bestimmtes gibt, was ich jetzt brauche – Wissen, Trost, Spannung, Ablenkung durch Üppigkeit, Philosophisches; auch Sachbücher, Biografien von tollen Frauen, immer wieder Krimis und Thriller (da sind mir die deutschen Autoren recht nah, wie Marcel Feige oder Jan Costin Wagner, Anne Chaplet oder Zoran Drvenkar), Horror ebenfalls gerne, ein bisschen Fantasy, sehr wenig Historisches. Ich bin auch eine Freundin der Bubblegum-Literatur – atemlos-amüsante Chick-lit, gern von britischen Schriftstellerinnen oder von Frau Gier, sie hat so eine herrliche Chuzpe (ungern Amerikanerinnen, das ist so vorhersehbar und so „ich mein, hallooo!-hysterisch“ in der Mann-Frau-Sache).

Welches Buch würden Sie jedenfalls weiter empfehlen?

Keines. Jedenfalls nicht ohne Vorwarnung: Ich bin überzeugt, Bücher sind Lebewesen. Wie Menschen. Sie wollen mit einem reden. Mit manchen kommt man sofort zurecht, kann die Macken und Schwächen ignorieren, und versteht sich großartig. Mit anderen hakt es, man quatscht aneinander vorbei, die Persönlichkeiten passen einfach nicht zusammen. Genauso ist es mit Büchern: „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery etwa hat mich so dermaßen zum Weinen gebracht, es war wie eine Seelenreinigung. Ich habe es immer langsamer und langsamer gelesen, um bloß keine Anspielung, keine Tiefgängigkeit zu verpassen. Es hat in mir Echos ausgelöst, ich habe angefangen, ungekannte Dinge zu denken. Aber kann ich das jetzt jedem empfehlen? Ich kenne Leute, die finden dieses Buch unverschämt, unglaubwürdig, anstrengend; als ob sie ein völlig anderes Buch als ich gelesen haben! Kurz: Eine Empfhelung dessen, was ich liebe, wäre wie ein Verkupplungsversuch, ein Blind Date – und die gehen auch oft genug schief. Lesender und Roman sind zwei unberechenbare Persönlichkeiten die sich nicht immer was zu sagen haben.

Okay… nach dieser Vorwarnung meine aktuellen und ständigen Lieblinge, aus einer Bibliothek von 2500 Büchern, die ich nahezu alle auf eine Weise mag, weil sie meine Lese-(und damit Lebens-)Bedürfnisse der letzten 25 Jahre abbilden: Der Fisch ohne Fahrrad von Elizabeth Dunkel, ES von Stephen King, Der Soldat aus dem Großen Krieg von Mark Helprin, alle Alan-Bennett-Bücher und Kurzgeschichten, alle Irene Nemirowsky-Romane, alle Tagebücher der Anais Nin. Ganz aktuell: Jo Kramer, „Der Mann danach“ – es hat selten ein deutscher Autor so schön und liebevoll über die Sehnsucht eines Mannes nach einer Frau geschrieben.

Arbeiten Sie an einem neuen Buchprojekt und können Sie dazu schon etwas verraten?

Vor wenigen Monaten starb mein zutiefst geliebter Vater, zur selben Zeit kam ich mit einem bösartigem Bandscheibenvorfall in die Klinik, wurde an der Halswirbelsäule operiert und mit Titan-Ersatzteilen ausgestattet. Ich bin noch weit weg vom Langlauf, den ein Roman stets bedeutet. Ich mache literarisch – wie mein neugestarteter Körper – kleine Schritte: Ein paar Krimikurzgeschichten, danach ein Anne-West-Sachbuch, und danach, wenn ich die Kondition und die Kraft wieder habe… ein Roman, der in der Provence spielen wird (obgleich: Mallorca hätte doch auch mal was, oder? Vielleicht der übernächste? Was meinen Sie? Schreiben Sie mir das doch mal). Es wird um einen Mann – einen Klavierstimmer – gehen, der aus Liebe verlassen wurde, und der gemeinsam mit einem jungen Schriftsteller…

Wie kommt man denn dazu Restauranttesterin zu werden? Gibt es eine nette “Geschichte” dazu? Für wen oder was testen Sie?

Ich test-esse unregelmäßig für das Hamburger Abendblatt, als auch einst für „Ausgehen in Hamburg“ vom Überblickverlag. Für den „Feinschmecker“ leider nicht – die wollen keine Profis, der ich im Prinzip bin: ich habe in der Küche gelernt, mein allererster Ausbildungsberuf (neben und nach der Schule) war, im elterlichen Betrieb Restaurantfachfrau zu lernen, und in der Küche die Kaltmamsell zu machen. Ich erkenne Convenience (Fertig/Halbfertigprodukte aus der Tiefkühltruhe oder dem Vakuum-Beutel) auf zehn Tellern gegen den Wind, weiß, wie welche Geschmacks­nuancen zu Stande kommen, und auch, ob ein Restaurant, eine Küche, von Profis oder Aushilfen geführt wird. Ich weiß, wie die Dessertteller so hübsch bunt werden und mit welchen Kunststoffen herum gepanscht wurde, bin Wein-Fest, und auch manchmal ein schwieriger Gast: Ich boykottiere bestimmte Lebensmittelfirmen, wie etwa Nestlé, Danone und besonders Cocacola. Versuchen Sie da mal, ein Wasser zu bekommen, was nicht von den dreien überteuert verkauft wird! Gute Restaurants erkennt man übrigens an der Kürze der Speisekarte. Je länger desto mehr Convenience: Tüte auf, Mikrowelle, pling, Mahlzeit.

Als das Abendblatt mal einen Engpass an freien Testern hatte (man wird da übrigens echt nicht reich von, nur mopsig), habe ich meine ersten Tests geschrieben – und gemerkt: Ich kann nicht nur gut essen, ich kann darüber sogar schreiben!

Für den Gault Millau oder den Michelin wäre ich allerdings nicht Profi genug: Da muss ein Tester ein ausgebildeter, erfahrener Koch sein und wird dann fest als Kritiker angestellt. Mit eigenem Dienstwagen (80.000 km pro Jahr auf der Genusstour!), Kreditkarten mit falschem Namen (Um nicht als Tester entlarvt zu werden) und festem Ablauf; mittags und abends testessen, sechs Tage die Woche. DAS geht auf die Galle.

Was bringt Sie zum Lachen?

Situationskomik, Wortspiele und mein Mann.

Bitte ergänzen Sie: Lachen ist….

Leben. Sexy. Das beste Anti-Aging-Mittel.

 

Liebe Tine Schweizer, liebe Lesende,

ich danke Dir und Ihnen für die Zeit, mir fragen zu stellen – hat Freude gemacht, Sie zu beantworten; ich habe auch mal wieder was über mich gelernt. Merci vielmals!

Herzlichen Dank Frau George, für dieses wirklich ausführliche und sehr interessante Interview!

Die Gewinnerin des signierten Exemplars von „Die Mondspielerin“ ist Gabriele V.

©Tine Schweizer

 

Homepage

Rezension zu “Die Mondspielerin”

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One response to this post.

  1. Hallo Tine,

    ein sehr gelungenes Interview! Tolle Fragen.

    Herzlichen Gruß
    Aveleen

    Antwort

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