Autoreninterviews

Interview mit Helene Henke

Frau Henke, eine Frage die natürlich immer interessiert, die aber auch in fast jedem Interview vorkommen dürfte ist: Wie sind sie zum Schreiben gekommen. Ist das eine Leidenschaft aus Kindertagen oder haben Sie erst später damit begonnen?

Spät. Sehr spät sogar. Das liegt vermutlich an meinem unsteten Wesen.
Beruflich wusste ich nie, was ich wollte.
Obwohl mir Worte in meiner Kindheit und Jugend stets mehr bedeuteten als
Zahlen, beschränkte sich das Schreiben weitgehend auf die Mitarbeit bei der
Schülerzeitung, dem Verfassen von seitenlangen Briefen an meine Freundinnen
(die man ohnehin täglich sah) und dem Dokumentieren niederschmetternder
Gefühlschwankungen einer pubertären Liebe in meinem Tagebuch. Wobei diese
Tagebücher letztlich der Schlüssel sein sollten.
Während ich die alten, zum Teil tränenverschmierten Schriften in den
Computer tippte, um sie zu archivieren, blieb es nicht beim schlichten
Abschreiben. Nach und nach wurden die alten Aufzeichnungen zu einer
Geschichte umgearbeitet, ohne dass ich mich davon abhalten konnte. Irgendwann war es dann fertig, mein erstes Manuskript. Allerdings in keinster Weise ausgereift oder gar publikationsfähig. Doch ich habe es
geliebt. Das Schreiben und die Zeit in der ich es tat, waren voller inneren Frieden.
Aber konnte ich auch ein fiktive Geschichte erfinden? Und vor allem, zu Ende bringen? Ich tastete mich vorsichtig heran und überredete eine Freundin, mit mir gemeinsam ein Buch zu schreiben. Schnell sprudelten die Ideen, es entstand eine umfangreiche Fantasiegeschichte. Allerdings von derart epochalen Charakter, dass sich die Verlagssuche bislang als schwierig erwies.
Obwohl die Zusammenarbeit grundsätzlich Spaß gemacht hatte, fand ich doch schnell heraus, dass ich meinen eigenen Weg gehen musste. Da meine Freundin nichts für Vampire übrig hatte, ich ihnen jedoch schon seit meiner Kindheit verfallen war, kam mir die Ausschreibung vom Sieben Verlag gerade recht. Noch während ich an unserem Gemeinschaftsprojekt mitarbeitete, fing ich an „Das Rote Palais“ zu schreiben.

Warum schreiben sie gerade im Fantasybereich und dann speziell über Vampire?

Weil man in diesem Genre bedenkenlos alle Grenzen sprengen kann, die Fantasie beflügeln. Vampire sind unter all den zahlreichen mystischen Wesen diejenigen mit dem größten Sexappeal. Zumindest in den meisten Darstellungsformen. Für mich sind sie das dunkle Abbild unserer selbst, die Abgründe der menschlichen Fantasie. Diese faszinierenden Gestalten beschäftigen die Menschheit schon eine Ewigkeit und immer wieder erleben Vampire ihr Comeback, ob in Filmen, Bücher oder meinetwegen indem man einen Staubsauger Vampyr nennt. *lach*

Wie kommen Sie immer auf diese außergewöhnlichen Geschichten?

Manche Szenen träume ich, doch meistens erfinde ich eine Parallelwelt wie ich sie gerne „erleben“ möchte. Deshalb ist die Figur Leyla eine Frau wie ich sie gerne wäre – in einem anderen Leben. Inspiriert werde ich überall, vor allem im Kino, hinter den Kulissen. Demnach liegt es nahe, dass das Aurodom eine sehr realitätsgetreue Abbildung der bekannten Multiplexkinos ist.

Wie sind Sie darauf gekommen ihre Vampirgeschichte gerade in Deutschland spielen zu lassen. Liegt der Grund nur darin, dass sie für ein altbekanntes Thema endlich einmal einen ganz anderen Schauplatz wählen wollten?

Sagen wir mal, ich wählte den Schauplatz Deutschland, um das altbekannte Thema zurückzuholen an seinen Ursprungsort. Der Mythos Vampir stammt aus Südosteuropa, ist aber weltweit in den verschiedensten Regionen wie Ghana, Griechenland, China oder Albanien vertreten. In Schottland nennt man Vampire übrigens Baobhan-Sith. Für mich lag es nahe, meine Vampirgeschichten in Deutschland spielen zu lassen, weil ich mich hier am besten auskenne. Gleichzeitig wollte ich unsere eigene Götter- und Sagenwelt mit einfließen lassen, weil diese m.M.n. recht stiefmütterlich behandelt werden. Der Gottvampir ist z.B. kein geringerer als Bragi, der altgermanische Gott der Dichtung und Musik. In meiner Geschichte „leiht“ er sich den Körper eines Vampirs und agiert als. Das er darin, dank göttlicher Eingebung, hervorragend ist,versteht sich von selbst.

Halten Sie sehr strenge Regeln beim Schreiben ein, d.h. haben Sie ein bestimmtes Schreibpensum pro Tag, pro Woche oder ähnliches? Gibt es eine bestimmte Tageszeit an der Sie am liebsten schreiben?

Absolut keine Regeln. Selbst eine Plotvorarbeit hat auf mich die Wirkung eines Korsetts. Regeln schränken mich ein, daran würde ich schnell die Lust verlieren. Allerdings muss ich gestehen, dass mich die Ideen zu den unmöglichsten Zeiten überfallen. Wenn ich an einer Geschichte arbeite, finden sich überall Notizzettel, im Bad, auf dem Nachttisch oder in der Handtasche, weil ich auf dem Weg zur Arbeit schnell eine Idee niederkritzeln muss. In „Die Totenwächterin“ gibt es sogar Szenen, die komplett während einer ruhigen Kassenschicht im Kino entstanden sind. Wenn das mein Chef
wüsste …
Ich schreibe, wann es mich überkommt, meistens in der Nacht, weil ich die Stille vorziehe.

Arbeiten Sie schon an einem weiteren Buch oder wie sehen ihre neuen Projekte aus?

Zur Zeit lasse ich die Sommerpause ausklingen. Nicht weil ich es besonders nötig hätte, doch der Sommer lähmt mich. Ich nutze diese kreative Pause für verschiedene Foren- und Leserkontakte. Beispielsweise erkläre ich mich gerne bereit, diverse Leserunden zu begleiten. Ich schaue alle Filme, die mir während intensiver Schreibphasen entgehen. Zwischendurch sammle ich Ideen für den dritten Teil des „Roten Palais“ und ein paar Kapitel sind schon ansatzweise geschrieben. Ein weiteres Projekt ist in Planung, doch darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn meine Vampirreihe abgeschlossen ist.

Wie haben Sie sich gefühlt als ihr erstes Buch erschienen ist und haben Sie dies gefeiert?

Ganz still habe ich mich gemeinsam mit meinem Mann gefreut, als das Päckchen mit den Büchern eintraf. Manchmal ist es schöner, einen Traum zu träumen als ihn in Erfüllung gehen zu sehen. Die Zeit der Vorfreude, nachdem das Lektorat beendet war, war eindeutig die schönste Zeit. Es war ein seltsames Gefühl, als ich zum ersten Mal mein Buch in Händen hielt. Selbst mein Name auf dem Buchdeckel, wirkte fremd. Und nicht jede Reaktion in meinem persönlichen Umfeld war positiv. Auf einmal lagen die Dinge anders. Sehr alte Freunde fremdelten mit einem Mal und gleichzeitig kristallisierten sich neue Freunde hervor. Eine Art privater Umschwung geschah, darin muss man sich erstmal zurechtfinden. Die Wichtigkeit der eigenen Familie, bekam erneut eine besondere Bedeutung. Ich fühlte deutlich, dass ein neues Kapitel in meinem Leben angefangen hat. Keine schlechte Sache mit 44 Jahren.

Wann können wir mit dem 3. Teil vom Roten Palais rechnen und gibt es hierfür schon einen Titel?

Der dritte Teil wird im Sommer 2010 erscheinen und einen Titel gibt es noch nicht, weil diese erst sehr kurzfristig ausgesucht, bzw. entschieden werden. Auf jeden Fall wird es im letzten Teil dramatisch zugehen und mein Traumpaar Leyla und Rudger, werden es mit einigen spektakulären, paranormalen Ereignissen zu tun bekommen. Natürlich sind die germanischen Gottheiten daran nicht ganz unbeteiligt.

Haben Sie noch weitere Bücher derzeit in Planung?

Ich bewundere Kollegen, die quasi gleichzeitig an mehreren Projekten arbeiten. Bei mir funktioniert das nicht, ich kann nur einmal 100% geben. Man kann eben nicht alles haben …

Welches Buch lesen Sie gerade?

„Die Lichtermagd“ von Lena Falkenhagen, ein historischer Roman aus deutscher Feder wie die zuvor gelesenen „Tage des Raben“ von Dagmar Trodler und „Die zwölfte Nacht“ von Charlotte Lyne. Wunderbare Bücher. Im Gegensatz zu meinem Schreibgenre, bevorzuge ich als Leserin generell historische Romane.

Vielen Dank das Sie sich die Zeit genommen haben um die Fragen zu beantworten und ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Ich bedanke mich herzlich bei den interessierten Leserinnen und hoffe Sie weiterhin unterhalten zu dürfen.
Herzlichst Ihre
Helene Henke

Die Gewinnerin des Buches ist Melanie S.
Allen Einsendern danke ich für die Beteiligung!
©Tine Schweizer

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