Autoreninterviews

Interview mit Alfred Bekker

Lieber Herr Bekker, vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit nehmen um die Fragen unserer Leser zu beantworten.

Herr Bekker, Sie schreiben ja Bücher für Erwachsene und Kinder. Macht Ihnen das Schreiben für beide Altersgruppen gleich viel Spaß oder bevorzugen Sie Kinder oder Erwachsene? Schließlich muss man sich dann ja beim Schreiben auf einen doch recht unterschiedlichen Leserkreis einlassen, oder?

Den Mails nach, die ich zu meinen Elbenkinder-Romanen bekomme bewegt sich das Gros der Leserschaft bei dieser Serie wohl zwischen 9 und 14 Jahren. Bei der Elben-Trilogie geht es wohl so bei 13 Jahren los bis zu den Erwachsenen, bei der Drachenerde genauso. Fantasy ist ja besonders ein Genre von jungen Lesern und jungen Erwachsenen. Da überschneidet sich vieles. Der Unterschied zwischen den Jüngeren und den Erwachsenen ist wohl hauptsächlich, dass es einem junge Leser viel weniger verzeihen, wenn man herumschwafelt, während es umgekehrt sicher auch ältere Leser zu schätzen wissen, wenn der Autor sich einfach und klar ausdrückt. Je jünger die Leser, desto kürzer die Texte und desto größer daher die Konzentration beim Autor. In einem seiner Briefe entschuldigt sich Cicero daher auch dafür, so viel geschrieben zu haben und begründet es damit, keine Zeit (zur Straffung) gehabt zu haben.

Schreiben Sie lieber Kurzgeschichten oder Romane?

In Romanen hat man die Möglichkeit und den Raum eine ganze Welt zu erschaffen. Insbesondere in der Fantasy braucht man diesen Raum auch dringend. Knappe, knackige Kurzgeschichten haben allerdings auch ihren Reiz und sind eine ganz eigene Kunst. Leider komme ich kaum noch dazu, welche zu schreiben.

Etwas, was mich schon länger interessiert: Gibt es einen Unterschied zwischen Elben und Elfen?

Beides sind unterschiedliche Ausdrücke für dasselbe.

Elfen (Elf, Elven, Elves, Aelf, Alf) ist eigentlich die angelsächsische Form. Die deutsche Form heißt Elben oder Alben.

Die angelsächsische Form „Elfen“ hat die deutschen „Elben“ zeitweise stark zurückgedrängt. Aber die (richtige) Übersetzung der „Elfen“ bei Tolkien als „Elben“ ins Deutsche hat auch dieser Form zur Renaissance verholfen.

Näheres zu Elben/Elfen auch unter http://de.wikipedia.org/wiki/Elfen

Übrigens steckt der Begriff auch in meinem Vornamen Alfred (der ja angelsächsischen Ursprungs ist und „Der mit den Elfen spricht“ bedeutet).

Wer hätte gedacht, dass „Der mit den Elfen spricht“ mal Romane über Elben schreibt…

Wie kommen Sie eigentlich zu Ihren Pseudonymen und warum haben Sie auch weibliche gewählt?

Pseudonym und Roman müssen zusammen passen und für den Leser ein stimmiges Bild ergeben. Außerdem will oder muss man manchmal verschiedene Tätigkeitsfelder voneinander trennen. Mein erstes und lange Zeit wichtigstes Pseudonym war Neal Chadwick. Da ich mit Western begonnen habe, war ein angloamerikanischer Name einfach passender. Später habe ich diesen Namen dann für meine Krimis zunächst beibehalten. Weibliche Pseudonyme sind der Regel für eher romantische Stoffe genommen worden, da man Männern offenbar keine Liebesgeschichten zutraut.

Wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen? War es mehr ein Zufall oder haben Sie sich schon immer gerne Geschichten ausgedacht?

Genauso war es. Ich schreibe schon Geschichten, seit ich genug Buchstaben kann, um sie aufzuschreiben.

Ich habe gelesen, dass Sie eine lange Zeit auch als Grundschullehrer tätig waren. Das finden meine beiden Jungs übrigens besonders interessant, da es ja in diesem Beruf kaum noch Männer gibt. Hat Ihnen die Arbeit mit Kindern viel Spaß gemacht und motiviert Sie das vielleicht auch Bücher für Kinder zu schreiben, da es ja beim Lesen immer mehr junge Leute mit Problemen gibt?

Ja, die Arbeit als Lehrer hat mir viel Spaß gemacht. Aber irgendwann war es einfach unumgänglich, sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Ganz ehrlich, wenn ich nicht Lehrer gewesen wäre, hätte ich wohl niemals damit begonnen, Jugendbücher zu schreiben. Die Kinder aus den Klassen, die ich unterrichtete, haben mich immer wieder mal gefragt, wieso denn keiner meiner Romane in der Klassenbibliothek stünde. Die Antwort war natürlich klar: Bis dahin hatte ich nur Sachen für Erwachsene geschrieben. Ich habe allerdings durch das Vorlesen vieles an Kinder- und Jugendliteratur kennen gelernt und auch gemerkt, wie es auf das Publikum wirkt. Dann habe ich einfach mal ein Konzept entwickelt, das wohl zur richtigen Zeit an den richtigen Verlag kam und so hat sich alles weiterentwickelt.

Arbeitens Sie schon an einem neuen Buch?

Ja. Im Moment ist IM ZENTAURENWALD DER ELBEN dran, der fünfte Teil der Elbenkinder-Serie. Band 4 ist ja schon fertig und erscheint Anfang 2010 unter dem Titel DIE FLAMMENSPEERE DER ELBEN.

Plant man von Anfang an eine Trilogie zu konzipieren oder entwickelt sich das nach und nach wenn das erste Gerüst steht und man weiß wie viel man davon in einem/zwei/drei… Bücher verpacken kann?

Also die Elben-Trilogie und die DrachenErde-Saga waren von Anfang an auf drei Bände ausgelegt und auch so konzipiert. Dasselbe gilt für für Elbenkinder-Serie, die als siebenbändiger Zyklus geplant ist.

Gestalten Sie die Cover Ihrer Bücher auch selber mit?

Ich werde um Rat gefragt und durchaus mit einbezogen. Aber die letzte Entscheidung liegt eigentlich immer beim Verlag.

Gibt es einen ganz bestimmten Ort an dem Sie am liebsten schreiben?

In meinem Arbeitszimmer. Aber dank Mini-Laptop etc. kann ich notfalls überall schreiben. Während längerer Autofahrten habe ich auch schon diktiert.

Welches Genre bevorzugen Sie persönlich beim lesen?

Fantasy – aber daneben auch ganz andere Dinge, die damit gar nichts zu tun haben. Die Romane von John Fante zum Beispiel, die Krimis von Dashiell Hammett oder die Biographien von Stefan Zweig.

Haben Sie schon mal die Angst gehabt, dass Ihnen eines Tages keine Geschichten mehr einfallen würden?

Ich persönlich habe da keine Sorge, aber mein Vater hat mich relativ häufig danach gefragt, nachdem ich meinen Lehrerberuf aufgegeben hatte.

Es ist doch so: Wer sagt, er könne nicht schreiben, weil er keine Idee hat, dem muss man erwidern, dass er einfach schreibe soll, dann bekommt er schon welche. Wenn man eine Geschichte schreibt, muss man ja ständig Entscheidungen treffen: Wer ist die Hauptperson? Wer gewinnt die Schlacht? Wer überlebt? Wer stirbt? Wer liebt und heiratet wen? Wer kriegt welche Kinder? Und je nachdem, wie man sich entscheidet, wird es eine andere Geschichte. Auf dem Papier steht nur eine Story, aber in Wahrheit hat man doch mindestens fünf andere Möglichkeit mitbedacht – und aus manchen dieser Möglichkeiten werden dann eigene Geschichten. Also tatsächlich die beste Methode zur Generierung von Ideen das Schreiben selbst.

Leider vertrauen viele Autoren nicht darauf. Sie sparen gute Ideen auf, verschieben sie in den nächsten Band und versuchen sie gleichmäßig auf ihre Bücher zu verteilen, anstatt einfach ein Feuerwerk abzubrennen und darauf zu vertrauen, dass neue Ideen für neue Bücher von selbst kommen. So kommen dann oft die berüchtigten schwachen Mittelbände von Trilogien zustande…

Herzlichen Dank für diese Interview.

Das gewonnene Buch geht an Silvia B.

©Tine Schweizer

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