Autoreninterviews

Interview mit Jenny-Mai Nuyen


Frau Nuyen, vor kurzem waren Sie auch auf der Buchmesse in Frankfurt. Wie hat Ihnen diese gefallen? Was war Ihr beeindruckenstes Messeerlebnis?

Die Frankfurter Buchmesse ist meistens sehr stressig und sehr spaßig. Man schläft zu wenig, lächelt viel zu viel und ist danach mindestens eine Woche erkältet. Aber ich freu mich trotzdem immer drauf. Was mich am meisten beeindruckt hat? Das ist auf einer Messeparty passiert und darf leider nicht verraten werden …

Derzeit befinden Sie sich auf Lesereise in Deutschland und stellen Ihren Lesern „Feenlicht“ vor und beantworten viele Fragen. Welche Fragen fanden sie am außergewöhnlichsten bzw. hat Ihnen am besten gefallen?

Ein Mann fragte mich, was die Wüste für den Roman, die Figuren und mich als Autorin bedeutet. Die Frage fand ich sehr interessant.

Bisher sind alle Ihre Bücher Fantasybücher. Könnten Sie sich vorstellen auch andere Genre zu schreiben? Evtl auch Bücher für jüngere Kinder (Erstlesealter)?

Nicht nur vorstellen. Ich schreibe nebenbei viel außerhalb des Fantasybereichs. Ein Bilderbuch habe ich tatsächlich auch mal gemacht, weil ich gerne illustriere. Vielleicht werde ich es eines Tages veröffentlichen lassen, mal sehen.

Derzeit schreiben Sie an der Triologie „Die Sturmjäger von Aradon“. Können Sie uns schon verraten, bis wann die Fortsetzungsromane erscheinen sollen?

Vorraussichtlich im Spätsommer 2010.

Haben Sie schon eine Idee für ein Buch nach dieser Triologie?

So einige …

Als Kind haben Sie schon ein Drehbuch und Geschichten geschrieben, mit 13 Jahren sogar ein Buch, was ist aus diesen literarischen Erstlingswerken geworden? Haben Sie davon etwas veröffentlicht?

Mein erstes Drehbuch habe ich damals weggeworfen. Alle anderen Geschichten sind wohlbehütet in meiner Schublade und werden wohl kaum jemals da rausgelassen.

Gibt es spezielle Momente in denen Ihnen die meisten Romanideen kommen?

Nein, das kann man nicht kontrollieren. Ideen wachsen irgendwo im Unterbewusstsein und kommen dann ganz unangemeldet ins Bewusstsein hoch.

Wissen Sie noch, an welchem Ort Ihnen die Idee für Nijura entstanden sind?

Nijura habe ich mir am Schreibtisch in meinem alten Kinderzimmer ausgedacht, an dem Tag, an dem ich erfuhr, dass meine Bücher tatsächlich verlegt würden.

Einige Ihrer Bücher sind auch schon als Hörbücher erschienen. Haben Sie ein Mitspracherecht, bei der Auswahl der Vorlesenden?

Nein. Aber ich bin sehr glücklich mit Anna Thalbach, die bis jetzt alle Hörbücher gelesen hat.

Schon früh haben Sie ihre Bücher geschrieben und auch veröffentlichen können. Haben Sie von Ihrer Familie und von Freunden auch Unterstützung erhalten und wie sah diese aus?

Veröffentlicht habe ich erst mit 18, fünf Jahre, nachdem ich Bücher zu schreiben begann. Meine Eltern kommen nicht aus der Literaturbranche und konnten mir keine Tipps geben. Aber sie haben mich tun und träumen lassen, was ich wollte. Und sie haben an mich geglaubt. Das ist die beste Unterstützung.

Haben sich Ihre Freundschaften nach den Erfolgen verändert, sei es positiv oder auch negativ?

Nein, meine engen Freunde wussten schon vor den Veröffentlichungen, dass ich schreibe, und danach hat sich nichts verändert. Ich habe viele Bekannte, die ihren Beruf mögen oder einer großen Leidenschaft nachgehen – da ist niemand aufeinander eifersüchtig.

Geben Sie Ihren Freunden Ihre Bücher zum lesen?

Den wenigsten. Nur wenn ich weiß, dass ihre Kritik ehrlich sein wird und mir dabei hilft, besser zu werden.

Haben Sie sich von Ihren ersten Einnahmen etwas besonderes gegönnt?

Als Teenager konnte ich mir selten etwas leisten. Mit dem ersten Geld durch die Buchverträge kaufte ich ein Riesentrampolin für meinen kleinen Bruder und mich – das hatten wir uns schon vor Jahren versprochen. Wir sind Tage und Nächte auf dem Trampolin herumgehüpft.

Frau Nuyen, sie haben bis jetzt ja ausschließlich Fantasyromane geschrieben. Ist dies auch das Genre, das Sie selbst am liebsten lesen?

Nein, ich lese alles durcheinander. Mir ist das Genre egal, solange das Buch außergewöhnlich ist, die Sprache schön.

Welche sind Ihre persönlichen Lieblingsbücher?

Da gibt es zu viele! Hm, auf jeden Fall „Schöne Neue Welt“ von Aldous Huxley, „Memoiren einer Überlebenden“ von Doris Lessing, „Sturmhöhe“ von Emily Bronté, „Liaisons Dangereuses“ von Choderlos de Laclos, „Les Miserables“ von Victor Hugo, „The Road“ von Cormac McCarthy, „Gormenghast“ von Mervyn Peake, „Paradies der Schwerter“ von Tobias O. Meißner, „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren … und, und, und.

Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag bei Ihnen aus? Ist es nicht schwer, das Studium und das Schreiben zu verbinden?

Ich habe eine Pause im Studium eingelegt, um mich jetzt ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Alltag gibt es kaum. Ich bin entweder auf Lesereise unterwegs oder habe andere Auftritte, sonst versuche ich mein Privatleben zu bewältigen. Bzw. mal zu kochen. Den Führerschein zu machen. Oder E-Mails zu beantworten! Und dazwischen sind die Momente, in denen ich schreibe, kleine Erholungsphasen.

Ihre Eltern stammen ja aus ganz unterschiedlichen Kontinenten. Fühlen Sie sich sowohl Europa als auch Asien gleich verbunden, oder ist ihre Liebe zu einer Gegend stärker?

Ich war leider erst einmal in Vietnam. Ich würde schon sagen, dass ich eher „westlich“ aufgewachsen und geprägt bin, aber stärker ist dieses Gefühl, weder deutsch, noch asiatisch, noch sonst etwas zu sein außer ein Mensch auf dieser Welt, so wie alle anderen Menschen – ich fühle mich nichts speziell verbunden, und darum bin ich mit allem verbunden.

Sie studieren ja aktuell Filmwissenschaften. Wollen Sie den Bereich Film und Buch in naher Zukunft miteinander für ihre berufliche Karriere verknüpfen?

Nicht unbedingt verknüpfen. Das Schreiben und das Filmen sind wie zwei unterschiedliche Sprachen, aber wichtiger ist, was diese Sprachen transportieren. Ich hoffe, dass ich immer Geschichten erzählen kann, egal in welcher dieser beiden Sprachen.

Was hat Sie dazu bewogen in New York Filmwissenschaften zu studieren? Warum New York? Und was fasziniert Sie an dieser Stadt am meisten?

Ich wollte Film studieren, und in Amerika ist die Filmbranche weitaus entwickelter und größer als in Deutschland. Es gibt dort zwei sehr renomierte Filmschulen, eine in Californien und die in New York. Ich entschied mich für die in New York, weil mir ihr künstlerischer Ansatz besser gefiel, und auch weil mir die Stadt eher zusagte als Hollywood.

Würden Sie Ihre Bücher gerne verfilmt sehen, oder sogar selber einmal verfilmen wollen?

Ich würde lieber neue Stoffe verfilmen. Die Bücher sind erzählt, wieso sollte man sie nochmal erzählen?

Gibt es andere Autoren, die Ihnen ein Vorbild sind?

Es gibt einige, die ich für verschiedene Talente bewundere. Ian McEwan beispielsweise hat eine Schreibweise, die den Leser unheimlich nah an die Figuren heranzieht. Darin ist er ein großes Vorbild für mich.

Vielen herzlichen Dank Frau Nuyen, für die Beantwortung der Fragen!

Das signierte Buch hat Katrin W. gewonnen.

©Tine Schweizer

Advertisements

4 Kommentare zu „Interview mit Jenny-Mai Nuyen

  1. Ein schönes Interview und cool, dass meine Fragen auch dabei sind! Das mit dem Trampolin, das sie für sich und ihren Bruder gekauft hat finde ich ganz toll!

    Wurde eigentlich dieses Mal kein Buch verlost?

    Beste Grüße!
    Katrin

Wenn du willst, dann schreib doch was dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s