Autoreninterviews

Interview mit Bernd Perplies

Vielen Dank, Herr Perplies, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen.

Aber gerne. Immer heraus mit den Fragen!

Lieber Herr Perplies, durch ihre Tätigkeiten und ihr Germanistikstudium sind Sie ja schon sehr viel mit „Sprache“ und „Schreiben“ in Berührung gekommen. Wie aber hat sich die Idee entwickelt, speziell im Bereich Fantasy einen Roman zu schreiben?

Ich war schon immer ein begeisterter Fantasy-Leser. Neben „Fünf Freunden“ und ähnlichen Abenteuergeschichten gehörten beispielsweise „Der kleine Hobbit“, „Märchenmond“ und viele dieser alten schwarzen Ueberreuter-Bände aus der Feder von Heike und Wolfgang Hohlbein mit zwölf, dreizehn Jahren zu meiner Lieblingslektüre. Dazu kam, dass ich während der Mittelstufe jahrelang mit Freunden ein selbst entworfenes Fantasy-Rollenspiel gespielt habe. Ich bin also dem Fantastischen spürbar zugeneigt.

Heute lese ich zwar mehr Science-Fiction als Fantasy, aber mit der Idee eines Science-Fiction-Romans braucht man vielen Verlagen im Augenblick gar nicht zu kommen. Die Science-Fiction ist ein Genre, das bei uns von Franchises wie „Star Wars“ oder „Star Trek“ und von namhaften englischsprachigen Autoren beherrscht wird. Abgesehen davon war der Auslöser für das Verfassen von „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ ein Schreibwettbewerb, der einen fantastischen Roman um die 400 Seiten erforderte, und da ich der Fantasy nie abgeschworen, sondern sie nur in meinem Bewusstsein etwas beiseite gelegt hatte, war es leicht für mich, all meine Begeisterung dafür wieder hervorzukramen – und dann in einen Roman zu packen.

Ich habe jetzt mehrfach gelesen, dass Sie in Mainz gemeinsam mit einer einzigen tapferen Grünpflanze leben. Was bedeutet das? Sind Sie scheu anderen Lebewesen gegenüber??

Nein. Das bedeutet genau das, was es bedeutet. Ich besitze sicher mittlerweile 1000 Bücher und auf meinem Küchenfensterbrett steht ein etwas kurios verwachsener Kaktus, den mir mal ein Freund zur Wohnungseinweihung geschenkt hat. Dieser letzte Satz meiner Kurzvita ist nur ein Spruch, der augenzwinkernd ein Klischee befördern soll: das Bild vom Bücherwurm, der sogar ungewollt seine Pflanzen eingehen lassen würde, weil er so sehr von den unglaublichen Welten abgelenkt ist, die ihm die Bücher bescheren. Was natürlich Unsinn ist. Ich könnte auch prima für zwei tapfere Grünpflanzen sorgen – wenn es ihnen genügt, etwa einmal im Monat Wasser zu bekommen.

Fühlen Sie sich nicht einsam, alleine zwischen 1000 Büchern und einer Grünpflanze zu wohnen?

Nicht einsamer, als jeder andere Mensch auf der Welt, der in einem Singlehaushalt wohnt. Es ist ja nicht so, dass ich keine Freunde hätte oder niemals vor die Tür gehen würde. Genau genommen habe ich sogar so viele Freunde, dass ich manchmal wirklich Schwierigkeiten habe, all meine Termine zum Brettspielen, zu Filmabenden, gemeinsamen Schreibsessions oder geselligem Etwas-Trinken-Gehen so zu organisieren, dass meine Arbeit nicht darunter leidet. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe lieber einen vollen Terminkalender, als „einsam und alleine zwischen 1000 Büchern und einer Grünpflanze herumzusitzen“.

Verbindet Sie mit der Stadt Mainz sehr viel, weil sie dort leben, oder könnten Sie sich auch vorstellen, ihren Lebensmittelpunkt anderswo auf der Welt zu finden?

Ich mag Mainz, keine Frage. Es ist eine schöne Stadt, nicht zuletzt wegen ihres stark studentischen Einschlags. Aber vor allem lebe ich dort, weil der Großteil meiner Freunde in der näheren Umgebung wohnt. Natürlich könnte ich mir auch vorstellen, woanders zu leben. Gerade als Autor hat man ja theoretisch die Möglichkeit, mit seinem Laptop im Gepäck (denn mehr Arbeitsmaterial braucht es ja nicht) mehr von der Welt – oder auch nur Deutschland oder Europa – kennenzulernen. Vielleicht mache ich das auch irgendwann einmal. Im Moment bin ich aber ganz zufrieden damit, hier zu leben und den Rest der Welt nur im Urlaub zu bereisen.

Gerade erschienen ist der letzte Teil der „Tarean“-Triologie. Gibt es schon neue Buchprojekte für den Anschluss und könnten Sie sich vorstellen, dann ein ganz anderes Genre zu wählen?

Neue Projekte gibt es in der Tat bereits – und beide haben nichts mit klassischer High Fantasy zu tun. Zum einen übersetze ich gerade einen „Star Trek“-Roman für Cross Cult: „Heldentod“ aus der Second Decade der „Next Generation“-Schiene, der Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Außerdem steht für mich 2010 die nächste Romantrilogie an. Diesmal geht es ins England des Jahres 1896. Verfeindete Magierfraktionen kämpfen um die Herrschaft über „die Magie an sich“, wobei auch – ganz im Sinne einer guten Abenteuergeschichte Jules-Verne’scher Art – Tauchboote, Zeppeline und Panzerkreuzer eine Rolle spielen werden. Ich habe bereits eine spannende Darstellerriege beisammen und diverse spektakuläre Momente vor Augen. Ich denke, das wird ein großer Spaß werden.

Warum haben Sie gerade den Namen Tarean gewählt, hat dies einen besonderen Grund?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, wann und wie ich auf den Namen gekommen bin. Er existierte bereits in verschiedenen Schreibweisen (etwa Tharean oder Tha’Rean) in den Fantasy-Rollenspielen, die ich im Laufe der Jahre so gespielt habe, wobei die erste Figur, die so hieß, meines Wissens nach ein absoluter Nebencharakter in einem meiner selbst erfundenen Abenteuer war, eine Art Dunkelelf (bei uns hießen sie Nachtalben). Ich denke, ich habe Tarean zum Helden der Roman-Trilogie gemacht, weil ich den Klang des Namens mochte. Viele der Namen – von Moosbeere über Calvas bis zu Kesrondaia – wurden von mir gewählt, weil sie irgendwie klangvoll sind und/oder Assoziationen wecken, die zu der Figur passen.

Wie ist das Gefühl die Trilogie nun beendet zu haben und alle 3 Bände in den Geschäften zu finden?

Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich freue ich mich, das Projekt abgeschlossen zu haben und den Lesern nun die Möglichkeit zu geben, die ganze Geschichte zu erleben. Auf der anderen Seite fühlt es an, als würde man sich von guten Freunden verabschieden. Für immer? Mal sehen. Ich hoffe, noch viele Bücher schreiben zu dürfen, und möglicherweise führt mich mein Weg auch irgendwann noch mal zu Tarean und seinen Gefährten zurück.

Würden Sie gerne ihre Trilogie verfilmt sehen?

Aber ja doch. Ich bin ein großer Fan bunter, überlebensgroßer Abenteuerfilme, und es kommt sicher nicht von ungefähr, dass die „Tarean“-Bücher so bildhaft und voller „optischer“ Spezialeffekte wie leuchtender Augen, strahlender Schwerter und vielfarbig schimmernder und glitzernder Magie sind. Schon beim Schreiben habe ich mir diese Momente als spektakulären Eventfilm vorgestellt. Dass daraus etwas wird, halte ich allerdings eher für unwahrscheinlich. Aber wenn jemand von euch zufällig Kontakte zur Filmindustrie hat, darf er mir gerne schreiben.

Sie haben den 3. Platz des Deutschen Phantastik Preises als bestes Debüt bekommen. Haben Sie dies besonders gefeiert?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ich es mit „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ bis in die Finalrunde des Phantastik Preises geschafft habe. Irgendwo da draußen müssen also wirklich Leser sein, denen die Geschichte gefällt. Besonders gefeiert habe ich allerdings nicht. Es gibt keine Trophäen für den Zweit- oder die Drittbeste, und diese werden auch im Rahmen der Zeremonie nur im Vorübergehen genannt. Im Grunde gibt es nur einen wirklichen Sieger – in diesem Jahr Ju Honisch, der ich den Preis auch von Herzen gönne, denn ihr „Obsidianherz“ ist ein sehr schönes Buch. Die Übrigen nehmen – so glaube ich – ihre Platzierung vor allem zur Kenntnis. Vielleicht gehen sie mit Freunden was trinken. Ich war nach dem Buchmesse-Con mit Freunden essen. Aber das war eher ein allgemeines Buchmessen-Abschlussessen, als speziell eine Feier meines 3. Platzes.

Was war ihr Lieblingsbuch als Kind?

Ich habe viel zu viele Bücher verschlungen, um ein einzelnes Lieblingsbuch zu haben. Ich glaube, es gibt höchstens eine Handvoll Bücher, die ich jemals zweimal gelesen habe. Ich bin viel zu neugierig auf all das, was es dort draußen noch zu lesen gibt, um die Zeit zu haben, ein Buch zweimal zu lesen. Ich mochte „Spiegelzeit“ von Wolfgang Hohlbein damals, als ich es las, sehr gerne, weil ich diesen Gedanken einer Wirklichkeit hinter den Spiegeln ziemlich gruselig fand.

Haben Sie bestimmte Vorbilder an Autoren?

Eigentlich nicht. Es gibt einzelne Aspekte, die mir im Stil gewisser Autoren gefallen. Ich mag etwa die bildgewaltige Sprache, die Tad Williams in seinen Romanen verwendet. Mir gefällt die Art, wie H. P. Lovecraft dumpfe Spannung erzeugt. Und – ich wiederhole mich hier – als 12-Jähriger war ich ein großer Fan der schwarzen Ueberreuter-Fantasy-Romane, denn hier wurden junge Helden (wie ich gerne einer gewesen wäre) durch prachtvolle Abenteuer gejagt.

Viel eher stammen meine Vorbilder allerdings aus dem Bereich der bewegten Bilder, wobei das sowohl Filme als auch Serien umfasst – vermutlich ein Erbe meines Studiums der Filmwissenschaft (ich habe neben Germanistik ja auch Film studiert). Gerade gut gemachte Serien sind für mich das perfekte Lehrmittel, um etwas über den Umgang mit Figurenensembles zu lernen, und wie man sie so sympathisch und doch mit Ecken und Kanten gestaltet, dass der Leser gerne mit ihnen auf Reisen geht.

Herzlichen Dank für die Beantwortung aller Fragen.

Die Gewinnerin diese Woche ist Anna W.

©Tine Schweizer

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2 Kommentare zu „Interview mit Bernd Perplies

  1. Sehr schönes Interview 🙂
    Besonders die Ankündigung für die neue Triologie klingt wirklich spannend. Da finde ich es eigentlich gar nicht sooo schlimm das deutsche Autoren im ScFi grad kaum Chancen haben (wobei ich diesem Umstand natürlich grundsätzlich äusserst negativ gegenüberstehe).

  2. Sehr sehr schönes Interview..
    da ich den dritten Teil der Tarean Triologie nun fertig gelesen habe, finde ich es schade nun Abschied von dem Fantasy Roman zu nehmen:,( . Bin aber erfreut zu hören das Sie irgendwann vielleicht dochnocheinmall zu Tarean zurückgreifen:).
    Neben der Bücher von Christopher Paulini – Eragon, finde ich ist Tarean, von Ihnen, eines meiner Lieblings Bücher zurzeit.

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