Autoreninterviews

Interview mit Corina Bomann

Liebe Frau Bomann, sie schreiben ja unter ihrem eigenen Namen und auch unter dem Pseudonym Cora Berg Bücher. Wie kommt es zu so einem „Zweit“ Namen?

Wenn ein Schriftsteller in mehreren sich sehr voneinander unterscheidenden Genres schreiben möchte, wird er sich meist ein Pseudonym zulegen. Hauptsächlich deswegen, weil die Leser mit einem Autorennamen meist ein bestimmtes Genre verbinden und verwirrt wären, wenn sich der, wie in meinem Fall, erwartete historische Roman als Mädchenroman entpuppt. Außerdem wünschen manche Verlage, dass der Autor nur bei ihnen unter dem richtigen Namen schreibt.

Sie haben ja zunächst viele Jahre als Zahnarzthelferin gearbeitet. Ist das Schreiben als mehr so ein Zufallsprodukt??

Nein, das Schreiben war schon weit vor meinem Beruf da. Bereits mit 8 Jahren habe ich meine ersten Geschichten geschrieben, seit ich 14 war, hatte ich vor Schriftstellerin zu werden. Mit 16 hatte ich meinen ersten Roman fertig (der selig in meinem Schreibtisch ruht und dort aufgrund mangelnder Ausgereiftheit verstauben darf) und trotz anfänglicher Absagen habe ich weiter geschrieben, meist abends nach der Arbeit, denn die brauchte ich, um leben zu können. (Wie jeder angehende Autor bestätigen kann, schmecken Absagebriefe nicht besonders gut und die ersten Honorare sind auch noch gering)

Seit 1999 schreibe ich profimäßig. Zunächst noch neben meinem Job, dann seit 2002 hauptberuflich, weil es da anfing, sich zu lohnen.

Ein Zufall war es ganz sicher nicht, dass ich zum Schreiben gekommen bin, eher ein großer Wunsch und fester Wille. Wie man sieht, hat das Dranbleiben geholfen.

Haben Sie schon früher gerne Geschichten geschrieben und sich solche ausgedacht?

Ja, das habe ich. Seit ich denken kann, war immer dann, wenn es langweilig um mich herum wurde, eine Geschichte da. So ist es auch heute. Sobald ich etwas Interessantes sehe oder höre, schleicht sich eine Geschichte an. Manchmal ist sie nicht groß genug für ein eigenes Werk, dann wird sie Teil eines solchen. Wenn sie jedoch ausreichend Kraft hat, wird sie zu einem Roman. So geschehen bei der „Spionin“, die mir an einem trüben Wintertag beim Autofahren eingefallen ist.

Wie kam es zu dieser ersten Kurzgeschichte bei Bastei?

Eine Zeit lang gab es in den Zweitauflagen der Heftserie die Aufforderung, Lesergeschichten einzuschicken, die in der Heftmitte veröffentlicht worden. Eine tolle Chance für angehende Autoren! Als ich das sah, wollte ich es natürlich auch versuchen. Meine Geschichte hieß „ Die Kapelle des schwarzen Engels“ und war eine Vampirgeschichte. Nach einigen Monaten bekam ich einen Anruf des zuständigen Lektors, der mir mitteilte, dass die Geschichte gedruckt werden würde. Damit kam 1999 der Stein ins Rollen und es folgten weitere Kurzgeschichten, Romanhefte und Bücher.

Woher kommt das Interesse an historischen Inhalten der Romane? Haben Sie sich immer schon für Geschichte interessiert oder wie ist es entstanden, das Sie in dieser Richtung schreiben?

Ich liebe Geschichte einfach! In der Schule war es mein Lieblingsfach, schon als ich klein war, habe ich Museen und Schlösser unsicher gemacht, und schließlich habe ich begonnen, unsere Heimatgeschichte, insbesondere die Hexenverfolgung, zu erforschen. Ich finde Geschichte einfach faszinierend, auch deshalb, weil sie wichtig für unser heutiges Leben ist. Auch wir produzieren Geschichte mit jedem Tag, den wir leben. Außerdem war und bin ich ein großer Fan historischer Romane. Da lag es natürlich nahe, selbst welche zu schreiben. Es sind auch meist historische Ideen, die mir in den Sinn kommen, selbst bei meinen ersten phantastischen Romanen gab es historische Elemente.

Macht es Ihnen mehr Spaß, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben oder historische Romane? Ist das ein großer Unterschied beim schreiben? Also schreiben sich Kinder- und Jugendbücher einfacher oder schwerer als historische Romane? Oder ist das ganz egal?

Ich kann wirklich nicht sagen, was mir mehr Spaß macht, ich schreibe beides sehr gern. Natürlich unterscheidet sich das Schreiben ziemlich voneinander. Jede der beiden Buchgattungen hat ihre eigenen Reize und ihre eigenen Gesetze. Ich finde es allerdings sehr erfrischend, beim Schreiben zwischen Historie und Moderne zu wechseln. Historische Romane und Jugendbücher haben jeweils auch ihre eigene Schwierigkeit. Bei historischen Romanen muss man natürlich sehr viel recherchieren, um den geschichtlichen Hintergrund genau hinzubekommen. Bei Jugendromanen muss man sich – bei modernen Stoffen – genau in die Jugend hineinversetzen. Historische Jugendromane wie dem „Pfad der roten Träume“ erfordern natürlich auch wieder eine Menge Recherche.

Wenn Sie die Zeit finden zu Lesen, was ist ihr bevorzugtes Genre?

Zeit zum privaten Lesen finde ich im Moment sehr selten, es sind vorrangig Fachbücher, die ich lese. Wenn ich dann aber doch mal zum Lesen komme, so greife ich gern zu historischen Romanen, Krimis, Jugendbüchern und zu phantastischen Romanen.

Was sind Ihre Lieblingsautoren?

Meine Lieblingsautoren sind Arturo Perez-Reverte, Helga Hegewisch, Tanja Kinkel und Carlos Ruiz Zafon. Hin und wieder kommen auch noch ein paar andere hinzu. Momentan finde ich auch Haruki Murakami sehr gut.

Ist es eine große Herausforderung für Sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene zu schreiben?

Oh ja, das ist es. Denn natürlich haben Erwachsenenromane und Jugendromane jeweils eine eigene Sprache. Aber wie oben bereits erwähnt finde ich den Wechsel zwischen den Genres prima, so wird es niemals langweilig. Und ich liebe Herausforderungen!

Wie ist Ihnen die Idee zu Der Pfad der roten Träume gekommen?

Die Idee zum Pfad der roten Träume brütete schon eine Weile in meinem Ideenbuch, als sich meine Lektorin von Ueberreuter meldete und fragte, ob ich Lust hätte, über Australien zu schreiben. Ich kann mittlerweile nicht mal sagen, wie ich genau darauf gekommen bin. Vielleicht durch den wunderbaren Bildband von Paul und Felicitas Mayall, den ich bekommen habe und in dem es auch um die Kultur der Aborigines geht. Ja, ich denke, der war schuld. Die Sagen der Aborigines haben mich dermaßen gefesselt, dass ich über dieses Volk schreiben wollte. Leider konnte ich in dem Buch nur einen Teil meines Recherchematerials verwenden, aber vielleicht wird dieser Roman nicht der Letzte über Australien sein.

Welches Buch haben Sie als nächstes geplant?

In Planung habe ich gerade einen weiteren historischen Jugendroman, der im 17. Jahrhundert spielt, und ein weiteres Projekt, zu dem ich aber noch nichts verrate. Als nächste historische Bücher werden im nächsten Jahr mein historischer Erwachsenenroman „Das Krähenweib“ bei Knaur und mein historischer Jugendroman „Sturmsegel“ bei Ueberreuter erscheinen. Außerdem wird es auch Neues von Cora Berg geben.

In einigen Ihrer Bücher geht es um Mangas. Lesen Sie selbst gerne Mangas?

Oh ja, sehr gern sogar. Ich habe alle Bände Cantarella, der ein historisch-phantastischer Manga ist, außerdem bin ich ein Fan von „Lady Snowblood“. Hin und wieder schnappe ich mir auch ein Exemplar aus dem Bücherschrank meiner Schwestern, Angel Sanctuary ist da mein Favorit.

Wenn die Ideen ausbleiben oder die Worte fehlen – was hilft Ihnen bei Schreibblockaden?

Glücklicherweise hatte ich noch nie den Fall, dass mich eine Blockade erwischt hat. Natürlich gibt es Tage, an denen fließt es nicht so gut wie an anderen. In dem Fall beherzige ich den Rat meines früheren Romanheft-Lektors: Wenn dir nichts einfällt, mach etwas, das nicht mit Schreiben zu tun hat. Das ist in meinem Fall ein Spaziergang, Malen, Musikhören, Gitarre spielen oder Lesen. Dabei fallen mir meist schon wieder die nächsten Worte ein, die ich zu Papier bringe.

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung!

Gern geschehen!

Die Gewinnerin des signierten Exemplares ist: Melanie G.

©Tine Schweizer

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