Autoreninterviews

Interview mit Anni Bürkl

Liebe Frau Bürkl, in Ihrem Buch „Schwarztee“ geht es ua auch um Esoterik. Ist die Darstellung von Berenike und ihrem exzessiven Umgang mit esoterischen Praktiken satirisch gemeint? Gibt’s einen besonderen Grund, warum die Esoterik im Buch eine so große Rolle spielt?

Ich beobachte viele Leute dabei, wie sie in einer Krise plötzlich alles Mögliche ausprobieren – Dinge, die sie selbst bisher nicht für möglich gehalten hätten. Der Leidensdruck ist groß – und somit auch die Gefahr, Scharlatanen auf den Leim zu gehen. Dann gibt man viel Geld aus – und wundert sich über fehlende Wirkung. Die Abhängigkeiten steigen … hören Sie mal rum, wie gern manche jemandes Jünger werden! Gurus gibt’s immer noch, selbsternannte! Und ja: Manches ist satirisch gemeint …

Wie kam es, das Sie einen Krimi mit historischen Hintergrund geschrieben haben und war die Recherche dafür schwer?

Geschichte finde ich immer schon höchst spannend. Wir können ja – weder als Einzelne noch im Ganzen – behaupten, dass sie uns nicht beeinflussen würde. Somit ergab sich das Thema quasi von selbst. Die Dinge passten zusammen, die Geschichte wollte erzählt werden.

Die Recherche: Wenn man sich interessiert, ist sie nicht schwer! Dann gehen plötzlich Türen auf … ich habe sehr liebe Menschen gefunden, die mir Auskunft gaben, Bücher gelesen, und die Augen offen gehalten!

Ist der Titel „Schwarztee“ ein Tribut an die vielen englischen Krimis?

Mein ursprünglicher Titel war „Mordstee“ – mein Verlag kam auf die Idee mit „Schwarztee“.

Und ja, englische Krimis sind sicher interessante Klassiker – allerdings spielt auch das Dunkle, Schwarze und somit auch gewissermaßen das Unbewusste eine große Rolle für die Geschichte von „Schwarztee“.

Was es leicht für dieses Buch einen Verlag zu finden?

Was ist leicht? 😉

Ich habe 11 Verlage angeschrieben – und zwei Angebote bekommen. Dann habe ich mich für den Gmeiner Verlag entschieden und das Buch ist im Herbst 2009 bereits in 3. Auflage erschienen. Die Geschichte meiner Verlagssuche kann man hier genauer nachlesen.

Haben Sie eine besondere Vorliebe für Tee, da dieser schon im Titel des Buches eine besondere Rolle spielt? Oder warum spielt Tee in „Schwarztee“ so eine besondere Rolle?

Oh, ich bin eine echte Teetante, ohne meinen Tee am Morgen geht gar nichts! Ich variiere dabei gern die Sorten, natürlich trinke ich nur offene Tees – ein Beuteltee kommt mir nicht ins Häferl (österreichisch für die Tasse). Ich trinke gern verschiedene schwarze Tees, Kräutertee – die ich zum Teil selbst sammle – und ab und zu grünen oder weißen Tee.

Mein Wissen über die Philosophie und die Welt des Tees, seines Anbaus und seines Genusses begleitet mich schon lange, also lag es nahe, sie in den Krimi „Schwarztee“ einzubauen. Und außerdem wollte ich ja eine Aussteigerin, die mit ihrem Salon etwas ganz Anderes beruflich macht.

Sind weitere Kriminalromane Ihrerseits geplant?

Ja, sind sie bereits, mehrere – in unterschiedlichen Graden der Fertigstellung. Wer gern aktuell über Erscheinungstermine (oder auch Lesungen und Schreibworkshops) informiert sein will, kann sich für meinen Newsletter anmelden. (Siehe http://www.texteundtee.at)

Was war die Ursprungsidee war, mal einen Krimi (oder zwei) zu schreiben? Ihre weitere Vita ist ja eher im Fachbuchbereich untergebracht

Vor „Schwarztee“ habe ich bereits andere Krimi-Texte verfasst, unter anderem Kurzgeschichten. Außerdem bietet das Krimigenre so herrliche Möglichkeiten, sich auf nicht ganz ernste Weise mit ernsthaften Themen auseinander zu setzen … man kann wunderbar übertreiben, sich auch mal rächen … ;-))

Und ich las bereits in meiner Jugend gern Krimis … Agatha Christie, etwa „Die zehn kleinen Negerlein“ faszinierte mich. Was machen Sie, wenn Sie gerade keine Bücher schreiben? Viel lesen – mein Abendritual. Reisen. Mich mit meiner Katze beschäftigen – die zwar gern Muse ist, aber selten Assistentin, leider. Ins Theater gehen. Schreibworkshops geben. Tanzen.

Haben Sie ein bestimmtes Schreibpensum je Tag?

Ich schreibe gern im 2-Stunden-Rhythmus. Das heißt: ich setze mich vormittag auf jeden Fall an meinen Arbeitsplatz und tue mein Bestes, am aktuellen Text weiter zu schreiben. Wieviel auch immer in dieser Zeit weiter geht, das Wichtigste ist mir, ernsthaft am Text zu arbeiten (ob plotten, Figuren entwerfen, eine neue Geschichte/neuen Roman schreiben oder überarbeiten). Dann folgt eine Pause – das ist wichtig – und später im besten Fall noch 2 Schreibblöcke à 2 Stunden. Daneben ist ja dann noch manches Andere zu tun, wie E-Mails beantworten, Telefonate, Interviewanfragen, Lesungen planen usw. …

Ist Schreiben schon von jeher für Sie von Bedeutung gewesen?

Unbedingt. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen – Kindern sagt man gern „erzähl doch keine G’schichten“, und wirft ihnen Lügnerei vor. Wie schade! Ich liebe es, wie eine Baumeisterin an den Gebäuden meiner Erzählungen zu basteln … der Welt etwas zu erzählen, aus meiner Sicht, und sie gut zu unterhalten! Ernsthafte Inhalte sollten dazu kein Widerspruch sein, ich hoffe, das ist mir auch mit „Schwarztee“ gelungen.

Was reizt Sie daran als Ghostwriterin unterwegs zu sein und können Sie uns vielleicht ein Pseudonym von Ihnen nennen?

Als Ghostwriter erfahre ich immer wieder neue Ideen, Möglichkeiten, Geschichten und Vorhaben, auf die ich selbst nicht unbedingt kommen würde – das ist interessant und hält geistig fit. Und falls jemand auf dumme Gedanken kommen sollte: Nein, ich verwechsle nie unterschiedliche Buchprojekte, denn da sind Fachbücher, Krimis, Romane – alle anders – und ich verwende auch keine Kundeninhalte für meine eigenen Bücher (unter meinem eigenen Namen)!

Die Bücher, die ich als Ghostwriter verfasst habe, darf ich leider nicht nennen – das ist vertraglich mit Verlagen und Kunden so vereinbart.

Haben es österreichische Autoren schwer, in Deutschland eine Leserschaft im Bereich Krimi aufzubauen?

Die Konkurrenz ist ja groß … Ich denke, es funktioniert, sich einen Leserkreis aufzubauen – aber nach dem 1. Krimi kann man das noch nicht so genau sagen! Helfen Sie mit & empfehlen Sie „Schwarztee“ weiter. Mein Verleger sagt, mindestens ein Drittel von „Schwarztee“ wurde in Deutschland verkauft.

Und noch eine Frage zur Vervollständigung: Ein Leben ohne Tee ist….

… langweilig und kühl.

Vielen herzlichen Dank, das Sie sich die Zeit genommen haben um alle Fragen zu beantworten.

Aber gern! Es ist immer spannend, von neuen Seiten an ein Thema heran zu gehen. Ich bedanke mich für die spannenden Fragen!

Die Gewinnerin des Buches ist Iris G.

©Tine Schweizer

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Rezension zu Schwarztee

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