Autoreninterviews

Interview mit Bettina Belitz

Liebe Frau Belitz,

herzlichen Dank dafür, das Sie sich die Zeit genommen haben, um die Fragen, welche vorwiegend von den Lesern kommen, zu beantworten.

Frau Belitz, wissen Sie noch, wo Ihnen die Idee zu Splitterherz gekommen ist? Wie lange hatten Sie schon die Idee zu diesem Buch?

Colin ist mir das erste Mal vor dem geistigen Auge erschienen, als ich nach dem Reiten durch den dunklen Westerwald fuhr und „Live for tomorrow“ von Moby hörte. Seitdem hat er mich nicht mehr losgelassen. Und mit ihm kamen automatisch die anderen Figuren und Ideen.

Wie entstand die Idee zu Ellie?

Colin brauchte in meinen Augen eine starke, widerborstige, aber auch sehr sensible Gegenspielerin. Ich wollte keinesfalls eine schwache, passive Heldin. Ellie folgte Colin sozusagen auf dem Fuße, und ich wusste, dass ich die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen muss.

Wie lange haben Sie an diesem Buch geschrieben und hatten Sie jemals das Gefühl dieses Manuskript nicht fertig zu bekommen?

Von Januar 2009 bis Mitte April 2009 – danach ging es an die Überarbeitung und Korrekturen. Nein, ich hatte niemals das Gefühl, nicht fertig zu werden. Höchstens das Gefühl, meine Gedanken nicht schnell genug in die Tasten hauen zu können.

Wie gestalteten sich ihre ersten Schreibversuche für „Splitterherz“? Hatten Sie den gesamten Plot schon vor geplant oder kam der nach und nach erst komplett zusammen?

Ein Verlag braucht immer ein wasserdichtes Exposé. Also musste ich mir vorher überlegen, wie die Geschichte verlaufen soll. Trotzdem veränderten sich noch einige Szenen im Laufe des Lektorats. Man muss innerlich flexibel bleiben. Manchmal stellt man – und mit „man“ meine ich das gesamte Team: Autorin, Lektorin, Zweitlektorin – im Nachhinein fest, dass das ein oder andere Kapitel eine Umstellung, Ergänzung oder Neustrukturierung vertragen kann.

Haben Sie schon viele Manuskripte geschrieben, bevor sie Splitterherz und Sturmsommer nun bei Verlagen untergebracht haben?

Moment – ich zähle schnell nach: Drei Jugendbücher, zwei Drehbücher, etliche Kurzgeschichten und ein Roman für junge Frauen. Und sie schlummerten alle in meiner Schublade. Eines davon aber ist gerade bei Thienemann erschienen: „Sturmsommer“, ein modernes Pferdeabenteuer für Jungs und Mädchen ab 12.

Stimmt es, dass Splitterherz weitergeführt wird und wie lange müssen wir auf diese Fortsetzung warten?

Ja, das ist richtig. Splitterherz ist der Auftakt einer Trilogie, und der zweite Band wird im Januar 2011 erscheinen. Ich schreibe bereits daran.

Warum haben Sie die Handlung in Deutschland spielen lassen, und hatten Sie auch Überlegungen ein anderes Land für „Splitterherz“ zu wählen, wie z. B. England oder USA?

Im ersten Moment überlegte ich, welche ferne Landschaft sich gut für die Atmosphäre eignen würde, die ich vermitteln möchte – doch dann dachte ich: Was für ein Quatsch. Guck doch mal aus dem Fenster – du hast das Setting vor der eigenen Nase. Warum sollte ein Fantasybuch nicht mitten in Deutschland spielen?

Das Buch spielt im Westerwald, weswegen genau diese Gegend? Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Ich schreibe gerne über Landstriche, die ich kenne, und ich lebe im Westerwald, wenn auch erst seit knapp drei Jahren. Und der Westerwald birgt so einige wild-romantische Flecken. Man muss sie nur entdecken …

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und Ellie durch den Umzug und das Leben auf dem Lande?

Nun, ich bin freiwillig aufs Land gezogen und fand das, was Ellie anfangs ätzend findet, eher spannend und erfrischend. Diesbezüglich gibt es also deutliche Unterschiede zwischen Ellie und mir. Dafür ähneln wir uns aber in manch anderen Dingen. Und wir haben beide lebhafte Träume.

Was hat Sie dazu bewogen, von der Stadt aufs Land zu ziehen? Ist es die Natur, der Sie dort näher sind?

Die Natur war ein entscheidendes Argument, ebenso wie die Ruhe und Abgeschiedenheit. Ich mag es weder laut noch hektisch. Aber es gab auch praktische Gründe für den Umzug. Mein Lebensgefährte ist Trickhersteller und brauchte ein Haus mit großer Halle, und so etwas ist in der Stadt unbezahlbar.

Was ist es, was Sie bewegt, Romane für die Jugend zu schreiben?

Ich glaube, ich versetze mich deshalb gerne in Jugendliche, weil ich noch ganz genau weiß, wie es ist, sich das erste Mal zu verlieben, Probleme in der Schule zu haben oder gegen die Eltern zu rebellieren – allesamt sehr intensive, ehrliche Gefühle mit enormer Sprengkraft, und ich habe sie nie vergessen.

Schon sehr früh verdienten Sie mit dem Schreiben Geld als Journalistin. Wann wussten bzw. spürten Sie, dass Sie mehr wollen als für die Presse zu arbeiten? Fühlten Sie damals schon die Autorin in sich?

Die Autorin in mir hat das erste Mal aufbegehrt, als ich zwölf war. Aber ich glaubte schon damals nicht daran, dass ich es je schaffe, einen Verlag zu finden und vom Bücher schreiben zu leben. Deshalb habe ich mich für die „gesicherte“ Berufslaufbahn bei der Presse entschieden.

Haben Sie schon weitere Überlegungen/Planungen für Bücher wie „Splitterherz“? Oder welches ist Ihr nächstes Projekt?

Ja, es gibt weitere Projekte. Im Sommer geht eine neue Jugendbuchreihe bei Loewe an den Start, ebenfalls mit leichtem Fantasyeinschlag. Bei Thienenmann wird es auch einen Nachfolger geben. Und dann ist da ja noch meine jüngste Heldin fürs Erstlesealter: Fiona Spiona (Loewe).

Wie viel Einfluss haben Sie auf das Cover Ihrer Bücher? Wer hat dieses schöne Cover entworfen? Sind Ihre Ideen hier mit eingeflossen?

Das Splitterherz-Cover stammt von der Künstlerin Maria-Franziska Löhr, und ich bin sehr glücklich damit – es ist wundervoll! Ich habe die Entwürfe zugeschickt bekommen und durfte meinen Senf dazu gegeben, habe mich aber dabei sehr zurückgehalten, da es einfach nicht mein Metier ist. Das überlasse ich gerne den Profis.

Haben Sie den Titel „Splitterherz“ selber gewählt oder wurde er vom Verlag vorgegeben?

Es war wie beim Cover – es wurden in einer Verlagssitzung mehrere Titel vorgeschlagen und ich durfte anschließend meine Meinung dazu sagen. „Splitterherz“ mochte ich sofort. Ich hatte nur Angst, es könne zu sehr an Tintenherz erinnern. Doch diese Befürchtung hat sich spätestens nach der Wahl des Covers als völlig unbegründet erwiesen.

Hilft Ihnen Ihr Germanistik-Studium beim Schreiben Ihrer Bücher?

Das Studium wohl weniger, da es ja doch recht theoretisch ablief. Es ist vielmehr so, dass die Tätigkeit bei der Presse eine ideale Lehrzeit für das disziplinierte Schreiben gewesen ist. Man lernt, auch unter hohem Druck und widrigsten Bedingungen kreativ zu sein.

Haben Sie ein Autorenvorbild?

Ich bin dem Stil von Diana Gabaldon verfallen und bewundere Max Frischs Schreibe zutiefst – zwei krasse Gegensätze. Ich glaube kaum, dass Frisch Gabaldons ausschweifende Romane gefallen hätten. Ich versuche aber, keinem der beiden Stile nachzueifern, sondern meinen eigenen zu finden.

Lässt sich das Schreiben gut mit dem Familienleben vereinbaren? Haben Sie einen festen Plan, wann Sie am Tag schreiben, oder machen Sie das spontan?

Naja – es gibt immer wieder Phasen, in denen ich Angst habe, dass meine Familie zu kurz kommt, weil ich oft in Gedanken beim Buch bin und mir ständig Notizen mache, obwohl ich eigentlich „frei“ habe. Mit Spontanität komme ich nicht weit; hier herrscht strengste Disziplin. Ich schreibe jeden Vormittag drei bis vier Stunden, während mein Freund unser Söhnchen betreut. Ab 12.30 Uhr übernehme ich dann den Kleinen. Nicht selten muss ich Abendschichten einlegen, und Wochenendschichten sind kaum zu vermeiden, wenn es hart auf hart kommt.

Sie haben zeitgleich dieses Jahr einen zweiten Roman, nämlich „Sturmsommer“, herausgebracht. In vielen Bücherforen liest man allerdings vorwiegend von „Splitterherz“. Blutet hier nicht das Autorinnenherz, wenn das eine Buch weniger beachtet wird als das andere?

Ich bin zunächst einmal sehr froh, dass überhaupt über meine Bücher geredet wird. Natürlich wünsche ich mir für Sturmsommer Aufmerksamkeit – schon alleine deshalb, weil es die allererste Geschichte ist, die ich mir jemals ausgedacht habe. Aber ich kann schon von Glück reden, dass Splitterherz so viel Resonanz erhält und hoffe einfach, dass in diesem Zuge auch Sommersturm seine Beachtung findet.

Denken Sie, das hierbei das Cover eine große Rolle spielt, das „Splitterherz“ mehr Aufmerksamkeit bekommt als „Sturmsommer“?

Nein, eigentlich nicht. Ich mag beide Cover sehr gerne, so unterschiedlich sie auch sind, und finde beide äußerst gelungen. Es ist nur so, dass „Splitterherz“ zum einen Programmschwerpunkt ist und dadurch stärker beworben wird und zum anderen eine breitere Leserschaft anspricht. Es ist also nur natürlich, dass es eine größere Aufmerksamkeit erntet. Nichtsdestotrotz ist das Cover von Splitterherz natürlich ein Schmuckstück und zieht die Leser schier magisch an!

Was lesen Sie selber derzeit? Welche Genre bevorzugen Sie persönlich?

Gestern habe ich gerade den siebten Galbaldon-Band beendet. Ich bevorzuge kein bestimmtes Genre; allerdings fällt beim Blick in mein Bücherregal auf, dass sich nur wenig Fantasy darin findet. Vor dem Gabaldon-Band habe ich „Verdammnis“ von Stieg Larsson gelesen und zeitgleich „Das Bootshaus“ von Steve McGinley – sehr spannend, aber nichts für schwache Nerven!

Würden Sie uns Ihre Hobbys verraten?

Mein Söhnchen, Reiten & Pferde, meine drei Katzen, in der Natur herumstromern, lesen, Musik und Filme. Wenn ich Zeit dazu finde, male und zeichne ich auch sehr gerne.

Ich bedanke mich nochmal bei Ihnen für die Beantwortung der Fragen und wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg viel Erfolg.

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