Autoreninterviews

Interview mit Aveleen Avide

Frau Avide, vielen Dank das Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben.

Das mache ich sehr gerne. Vor allem da ich in Ihrem tollen Blog auch immer wieder mitlese.

Sie haben einen sehr klangvollen Namen. Ist dies ihr Realer Name oder haben sie sich – gerade weil Sie im Erotikbereich schreiben – ein Pseudonym hiermit angelegt?

Sie vermuten schon richtig. Nicht nur, sondern auch, weil ich Erotik schreibe, habe ich mich für ein Pseudonym entschlossen. Sehr schnell habe ich mich mit diesem Namen identifiziert. Das Pseudonym habe ich aber noch aus einem anderen Grund gewählt: In naher Zukunft möchte ich noch in einem anderen Genre schreiben und dafür dann meinen bürgerlichen Namen verwenden.

Warum gerade Erotikbücher? Was fasziniert Sie an diesem Genre?

Bereits bevor ich selbst Erotik schrieb, habe ich erotische Literatur gelesen. Als ich dann selbst anfing belletristisch zu schreiben, war mir schnell klar, dass ich genau in diesem Genre schreiben möchte. Oft höre ich von Kollegen den Satz: „Ich schreibe in meinen Büchern nicht gerne erotische Szenen.“ Bei mir ist es so, dass ich gerade die erotischen Szenen am liebsten schreibe. Dabei tauche ich ein in meine Figuren und erlebe, was sie erleben. Heiß… Sehr heiß…

Wird es eine Fortsetzung geben? Evtl. mal ein ganzer Roman?

Ich habe bereits drei Geschichten für den dritten Band fertig und in wenigen Wochen werde ich dann mit meiner vierten Geschichte beginnen. Ein Roman ist natürlich mein nächstes Ziel und eine logische Schlussfolgerung. Ich habe schon etliche Romane in dieser Richtung gelesen, aber entweder war viel Erotik drinnen und dafür gab es eine dürftige Handlung oder aber es gab eine tolle Handlung und dann gab es zwanzig Seiten vor Schluss eine einzige erotische Handlung. Da bin ich für mich noch auf der Suche nach einem Thema, das sowohl eine starke Story, wie auch viele erotische Handlungen beinhalten kann. Wenn ich selbst Erotik lese, dann erwarte ich auch, dass nicht nur erotische Szenen, sondern auch sexuelle Begegnungen stattfinden und deshalb will ich genau das schreiben.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Schon beim zweiten Band habe ich herausgefunden, dass ich nur dann einen Band mit erotischen Kurzgeschichten schreiben kann, wenn sich ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Bei den einzelnen Geschichten selbst, ist zuerst ein Fragment da. Entweder ich möchte eine bestimmte erotische Handlung zeigen, dann brauche ich die richtige Protagonistin dazu und habe ich ein Fragment für eine Geschichte, dann überlege ich, was würde hierzu für eine erotische Handlung passen.

Wobei manchmal so aberwitzige Dinge geschehen, dass ich sie einfach bringen muss. Z.B. erzählte mir eine Frau am Telefon, dass sie nach einem irren sexuellen Erlebnis im Auto von dem Herrn im Auto nach Hause gefahren worden war und als sie ein paar Stunden später das Frühstück für sich richtete, sah sie dabei zufällig aus dem Fenster ihres Hauses.

Sie war so verwirrt von dem was sie sah, dass sie fast ihre Nase am Fenster platt drückte, um noch besser sehen zu können. Da hing ein Höschen auf dem Baum des Nachbarn. Aber es war nicht irgendein Höschen… Sie sah fünf Mal hin, ehe sie erkannte… Es war ihr Höschen. Ihr eigenes.

Ich brach am Telefon vor Lachen fast zusammen, als sie mir die Geschichte in der Kurzform erzählte. Und mir war klar, das ist so aberwitzig, das muss einfach in einer Story verarbeitet werden. Sie sehen also, die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Wobei ich das Drumherum in der Geschichte natürlich selbst kreiert habe.

Können Sie sich vorstellen auch in anderen Genres zu schreiben und wenn ja in welchen?

Thriller. Wenn dann Thriller. Näheres bei der nächsten Frage.

Welche Genres bevorzugen sie persönlich?

Erotik, Thriller, Serienmörder-Krimis, witzige Frauenromane, Liebesromane (z.B. Nora Roberts), zwischendurch auch Sachbücher und Biographien.

Was sagen/reagieren ihre Familie/Freunde und Kollegen zu ihren außergewöhnlichen Geschichten?

Da musste ich jetzt kurz lachen. Denn mit meinen Geschichten habe ich meine Verwandtschaft in zwei Lager geteilt. Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass mein viele Verwandte (die ich sehr mag) auf dem Land leben und somit eine ganz andere Lebenseinstellung haben als Menschen in der Großstadt. Da gibt es also die Einen, die mich total abgefahren und toll finden, vor allem weil ich Erotik schreibe und die anderen die resigniert sagen: „Muss das denn unbedingt sein.“ (Ohne Fragezeichen).

Vor kurzem habe ich erfahren, dass eine sechzigjährige Cousine von mir bereits mein erstes Buch und nun auch mein zweites Buch gelesen hat und es große Klasse findet. Große Klasse, dass ich schreibe und auch, dass ich Erotik schreibe. Meine Schwester findet es ganz toll und meine Nichten, die nicht wissen, was ich schreibe, aber so eine Ahnung haben, finden mich natürlich geheimnisumwittert und toll. Ich muss dazu sagen, meine Nichten sind 14 und 12 Jahre alt.

Meine Freundinnen sind stolz auf mich und sie finden es schon aufregend, eine Autorin persönlich zu kennen.

Ich arbeite halbtags auf selbständiger Basis im Office-Management und da erzähle ich es niemanden. Denn ich durfte schon erleben, wohin es führen kann, wenn ich es erzähle und deshalb lasse ich es jetzt und künftig lieber bleiben. Dort erzähle ich zwar, dass ich schreibe (denn dann kann ich mich nicht so verplappern), aber ich staple so tief, auch was das Genre betrifft, dass niemand näher nachhakt.

Was haben Sie empfunden, als sie das erste Exemplar ihrer Veröffentlichung in den Händen gehalten haben?

Diesen Moment werde ich hoffentlich niemals vergessen. Denn es begann schon Monate vorher. Klingt jetzt seltsam, aber ich kläre es gleich auf. Im Juni 2006 habe ich vom Verlag erfahren, dass Taschenbücher auch schon 2-4 Wochen vor dem Erscheinungstermin auf den Markt kommen können. Erscheinungstermin sollte der 02.11.2006 sein. Und so habe ich allen Freundinnen erzählt: „Es wäre so geil, wenn ‚Seidene Küsse’ an meinem Geburtstag erscheinen würde. Es wäre das tollste Geburtstagsgeschenk, das ich je im Leben bekommen hätte.“

Vorsichtshalber habe ich bei Hugendubel ein Exemplar bestellt (denn ich war nicht sicher, wie zeitnah der Verlag mir meine Exemplare senden würde), damit ich genau weiß, wann mein eigenes Buch auf den Markt kommt. Am 10. Oktober rief ich bei Hugendubel an und fragte, ob sie schon wüssten, wann „Seidene Küsse“ geliefert wird. Sie meinten, es wird voraussichtlich am 11. Oktober 2006 verschickt. Das bedeutete, mein eigenes Buch würde am 12. Oktober 2006 im Handel sein und somit an meinem Geburtstag das Licht der Welt erblicken.

Ich bekam also tatsächlich mein eigenes Buch zu meinem Geburtstag!

Und das Bild, mit dem ich mein erstes Buch visualisiert hatte, war, dass ich mein eigenes Buch aufschlage und daran rieche. Denn ich liebe den Geruch neuer Bücher. Ich hatte mir auch vorgenommen, dass ich einen Luftsprung mache, wenn ich mein eigenes Buch in den Händen halte, denn auch das wollte ich schon immer mal machen. Beides habe ich gemacht. Den Luftsprung allerdings Zuhause in meiner Wohnung. Ich wollte ja die Leute nicht unnötig vor den Kopf stoßen oder gar erschrecken. 😉

Wie lange schreiben Sie schon?

Ca. 2002 habe ich versucht Erotik zu schreiben. Nein, ich habe es nicht versucht, ich habe es getan. Allerdings hat es nur so Absagen von Verlagen und Agenturen gehagelt.

Mir war schnell klar, ich muss noch dazulernen und so meldete ich mich 2005 bei der Schule des Schreibens an. Mein erstes Buch schrieb ich gleich, als ich im Februar 2006, nach nur vier Monaten, bei der Schule des Schreibens mein erstes Jahr Belletristik-Studium abgeschlossen hatte. Normalerweise hat man ein Jahr Zeit für diesen Abschnitt. Mein Studienleiter, Herr Gogolin meinte, ich hätte ein Händchen für erotische Literatur und ich sollte doch einmal versuchen einen Band mit erotischen Kurzgeschichten herauszubringen. Hier schloss sich also der Kreis wieder. Sozusagen schreibe ich erst seit Herbst 2005, wenn man die Veröffentlichungen nimmt. Denn zwischen meinem ersten Gehversuch und „Der Schule des Schreibens“ habe ich nicht belletristisch geschrieben.

Ist es einfach für erotische Kurzgeschichten einen Verlag zu finden?

Leicht… Schwer… Man muss es tun, anders bekommt man nicht heraus, ob es leicht oder schwer ist. Bei „Seidene Küsse“ ging es immens schnell. Nach nur einer Woche hatten wir – meine Co-Autorin und ich – eine Agentur und nach weiteren sechs Wochen sagte der Heyne-Verlag zu. Bei meinem zweiten Band hat es dann, so schien es mir, endlos gedauert, ehe der Rowohlt-Verlag zusagte. Für mich ist schreiben Arbeit, aber eine Arbeit die ich liebe und gerne in Kauf nehme. Das Veröffentlichen ist sicher für jemanden, der nicht vom Verlag einen Schreibauftrag erhält, nicht einfach.

Ich habe es probiert. Ich wollte es unbedingt. Den Berg, über den ich drüber musste, den habe ich genommen. Schritt für Schritt und immer mit einer Vision zum Erscheinungstermin hin.

Haben Sie mehr weibliche oder männliche Leser?

Das habe ich noch nicht statistisch erfasst. 😉 Ich bekomme sowohl von Frauen wie auch von Männern positive Zuschriften und auch im weiteren Bekanntenkreis ist es durchgemischt. Sowohl die Frauen als auch die Männer, die mir schreiben, sind jedenfalls begeistert von meinen Büchern und das freut mich sehr.

Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?

Ich bin derzeit Single.

Wo schreiben sie am liebsten?

Sobald ich wieder eine Wohnung mit Balkon habe, wird wieder der Balkon mein Lieblingsort zum Schreiben sein. Derzeit habe ich keinen und dann schreibe ich am Schreibtisch und sobald es draußen warm wird, setze ich mich draußen in eines der Cafés bei mir an der Ecke. Allerdings kann ich erst unter Leuten schreiben, wenn ich bei einer Geschichte eingeschrieben bin.

Ist München ihre Wahlheimat?

München finde ich herrlich! Ich mag es, wenn der erste Sonnenstrahl rauskommt und alle draußen unterwegs sind. Alles ist nah beieinander und das Kulturleben ist sehr vielfältig. Außerdem gibt es viele Grünflächen, wunderbare alte Häuser und herrliche Gässchen, in denen man immer wieder Neues entdecken kann. Ich liebe die Farbe der Isar und die Trauerweiden, die das Wasser berühren. Derzeit ist es meine Wahlheimat. Wenn es noch durchgehend mindestens 25 Grad warm wäre, dann wäre es ein Traum.

Was ist schreiben für Sie?

Auf die Frage würde ich gerne antworten, es ist der reine Spaß. So einfach ist es aber nicht. Es macht auch Arbeit und trotzdem oder genau deshalb brauche und liebe ich es. Wäre es einfach, dann würde es mich schnell langweilen, aber schreiben wird mich niemals langweilen.

Bitte ergänzen Sie: Bücher sind … für mich die schönste Art, um in andere Welten einzutauchen. Mit den Gedanken davonzufliegen. Sie sind sehr gute Freunde und sie haben mich mein ganzes bisheriges Leben begleitet.
Das Los hat entschieden, die Bücher haben gewonnen: Sandra S. und Mandy T.

Rezensions zu Samtene Nächte

©Tine Schweizer

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