Autoreninterviews

Interview mit Angeline Bauer

Frau Bauer, Ihre Werke sind thematisch ja weit gefächert. Wie kam es dazu, das sie historische Romane geschrieben haben? Was war der Auslöser?

Ich habe unter Pseudonym Friederike Costa lange heiter-freche Frauenromane geschrieben. Das war gut und stimmig. Aber dann wollte ich mich doch weiterentwickeln, und das kann man nur, wenn man etwas ganz Neues angeht. Vom zeitgenössischen ins historische Fach zu wechseln, war für mich eine Herausforderung.

Wie kam es dazu, das ihre Bücher so viele Themen abdecken? Ist das nicht schwierig sich immer einzufinden?

Schwierig ja, aber auch interessant! Aber man muss schon schauen, dass man sich auf einem Gebiet bewegt, von dem man wenigstens ein bisschen versteht. Ich weiß sehr viel über die Homöopathie, denn mein Mann ist klassischer Homöopath, und ich habe seine Bücher redigiert (Hahnemanns Frau). Ich habe als junge Frau gemalt, in sofern kann ich mich auch in das Thema Malen hinein versetzen (Der Maler und das Mädchen). Das Thema Seife musste ich mir vollkommen erarbeiten, also habe ich neben meinen Recherchen auch Seife gesiedet, um zu wissen, worum es geht (Die Seifensiederin). Über das Hofnarrentum habe ich viel gelesen und fand es unbeschreiblich interessant! Aber natürlich weiß ich als ehemalige Tänzerin am Theater auch viel darüber, wie es geht, Leute zu unterhalten (Die Närrin des Königs).

Wie sind sie allgemein zum Schreiben gekommen?

Es war eine Zeit des Umbruchs. Ich trennte mich von meinem ersten Mann, zog weg und gab deshalb auch meine Ballettschule auf. Außerdem wollte nicht länger am Theater arbeiten. Ich suchte nach einem ‚Job‘, der mich nicht an einen Ort bindet. Da meine Mutter eine Zeitlang Krimis geschrieben hat, lag mir die Idee des Schreibens nicht gar so fern.

Ist es schwierig historische Romane zu schreiben, denn es muss ja auch viel recherchiert werden, damit alle Daten richtig passen?

O, ja, recherchieren ist eine Menge Arbeit, die sehr viel Zeit erfordert!

Wo bekommen Sie Ihre Inspiration für ein neues Buch her?

Dafür gibt es kein Rezept. Das ergibt sich. Man hat Ideen, schreibt sie auf einen Zettel und legt den im Zettelkasten ab. Oder man hat DIE Idee und weiß sofort, die muss man unbedingt verwirklichen (Die Närrin des Königs). Im Fall von Hahnemanns Frau trat der Verlag an mich heran, eben weil ich sehr viel über Homöopathie weiß.

Haben Sie sich jetzt mehr auf historische Romane festgelegt? Und wenn ja, woran liegt das?

Ein Wechsel in ein anderes Fach ist äußerst schwierig! Wenn man denn dann einen Verlag findet, was gar nicht einfach ist, dann muss man auch wieder mit einem neuen Namen anfangen. Die Verlage wollen das so. Lust auf etwas Neues hätte ich aber schon.

Sie haben früher unter Friederike Costa geschrieben. Gibt es eine Entstehungsgeschichte zu diesem Pseudonym?

Mein zweiter Name ist Friederike. Ich wohnte damals in Amsterdam auf der Da Costakade. Da Costa war ebenfalls Schriftsteller. Ich sah aus dem Fenster und auf unser Straßenschild. Da dachte ich: Costa wäre doch gar nicht schlecht …

Können wir auf neue Bücher von Friederike Costa hoffen?

Identifizieren Sie sich mit einem Ihrer „Namen“ mehr als mit den anderen?

Unter Friederike Costa schreibe ich ja laufend Kurzgeschichten für Zeitschriften. Friederike Costa lebt also! Und der Name Costa ist für mich inzwischen so selbstverständlich wie mein eigener Name.

Haben Sie einen bestimmten Ablauf beim schreiben? Einen bestimmten Tagesrhythmus, also arbeiten Sie jeden Tag eine bestimmte Stunde an Ihrem Werk?

Ich setze mich morgens um halb neun an den Computer und schreibe bis 12 Uhr, esse zwei Brote, schreibe weiter bis etwa drei Uhr. Dann mit dem Hund Radfahren. Wieder zu Hause schreibe ich noch eine Stunde oder recherchiere oder erledige Büroarbeiten, die ja auch dazugehören. Steuer, Schreibtisch aufräumen oder Interviewfragen beantworten. Letzteres am liebsten …

Wie weit nimmt ihre berufliche Erfahrung, Einfluss in ihre Romane?

Ich war früher Tänzerin, bin seit 1983 hauptberuflich Autorin. Eine Zeitlang hatte ich neben meiner Autorentätigkeit auch eine Praxis für psychologische Beratung (Katathymes Bilderleben und tiefenpsychologische Traumdeutung). All dies verbuche ich unter ‚Lebenserfahrung‘ – und Lebenserfahrung fließt immer in die Texte mit ein, die man schreibt.

Gibt es eine Ihrer Romanfiguren, die Ihnen besonders an Herz gewachsen ist?

Ich liebe Mathurine, die Närrin! Sie ist/war (es gab sie ja wirklich) einfach eine wunderbar schillernde und kluge Frau. Aber in jedem Roman gibt es natürlich eine Figur, die einem besonders am Herzen liegt, und das muss nicht unbedingt die Protagonistin sein.

Was versteht man unter „Psychologischer Märchendeutung“? Werden dort Märchen analysiert, oder der Mensch in Bezug auf seine Lieblingsmärchen?

Beides greift ineinander über. Die meisten Leute glauben, Märchen seien etwas für Kinder. O, nein! Märchen waren ursprünglich Geschichten für Erwachsene und sind voller Lebensweisheiten. Märchen analysieren oder Deutungen lesen ist so unglaublich interessant und ganz sicher kein Kinderkram.

Was erwartet einem in den verschiedenen Märchenbücher, von Ihnen? Sind das eher einzelne Geschichten, oder ein Märchen, wie man Märchen einfach kennt?

Es gibt immer ein Thema, einen roten Faden – zum Beispiel Glück oder Trauer. Selbst wenn es Märchen sind, die man bereits kennt, wird man sie ganz neu kennen lernen! Aber meist wähle ich Märchen, die nicht so bekannt sind.

Leider sind von meinen Büchern Märchendeutungen für Erwachsene keine mehr auf dem Markt. Nur ‚Heilende Märchen für Eltern und Kinder‘ ist ein Dauerseller.

Wie bekommt man so viele Hobbys, soviel Vielseitigkeit unter einen Hut?

Man ist was man ist. Diese Dinge gehören zu mir.

Was lesen sie gerne privat und was ist ihr Lieblingsbuch und Lieblingsautor?

Ich lese ‚privat‘ wenig. Wenn ich sechs Stunden am Computer saß und dann auch noch Bücher lesen muss, um zu recherchieren, hab ich ehrlich gesagt keine Lust mehr. Dann sind ganz andere Dinge angesagt.

Sie sind ja in Deutschland geboren, haben aber auch eine Zeit in den Niederlanden gelebt. Hat diese Zeit in den Niederlanden sie stark geprägt? Und würden Sie sagen diese zwei Nationen unterscheiden sich stark voneinander?

Ich war nirgends so glücklich wie in den Niederlanden. Das prägt einen natürlich. Ich habe die Niederländer als etwas weltoffener erfahren, aber das kann eine ganz persönliche Sicht sein und mit den Menschen zusammenhängen, die ich dort kennen lernte. So unglaublich viel Unterschied gibt es nicht.

Verschenken Sie selber gerne Bücher? Auch eigene?

Eigene am liebsten nie. Immer gleich mit dem signierten Buch aufzufahren, kommt mir sehr aufdringlich vor. Außerdem glauben viele Leute seltsamerweise, man bekommt die Bücher vom Verlag umsonst. Aber das sind pro Auflage nur zehn Belegexemplare, die braucht man für die Familie und fürs Archiv. Und was vermeintlich nichts kostet, ist auch nichts wert.

Was sollte Ihrer Meinung nach, in keinem Bücherregel fehlen?

Der Vorleser von Bernhard Schlink, Babettes Fest von Tania Blixen, Goethes Hinrichtung von Viktor Glass und Krambambuli von Marie von Ebner-Eschenbach. Und dann natürlich meine Bücher …. 🙂

Vielen herzlichen Dank, das Sie sich die Zeit genommen haben, alle Fragen zu beantworten.

Die Gewinnerin der beiden signierten Bücher ist Nadja L.

©Tine Schweizer

 

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Ein Kommentar zu „Interview mit Angeline Bauer

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