Autoreninterviews

Interview mit Lea Korte

Liebe Frau Korte, ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen, die Fragen der Leser zu beantworten.

Mit „Die Maurin“ ist ein neuer Roman von Ihnen mit historischen Hintergrund erschienen. Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Romanfiguren?

Bei der Maurin war es so, dass ich zunächst sehr gründlich die Geschichte der Reconquista recherchiert und mir dann Gedanken darüber gemacht habe, welche Ereignisse die wichtigsten waren – womit ich zugleich das historische Fundament meines Romans geschaffen hatte. Anschließend habe ich mir überlegt, welche fiktiven Figuren ich brauche, um diese Zeit für den Leser lebendig werden zu lassen – und natürlich auch, um eine spannende Geschichte zu erzählen! Diese Figuren sollten die Historie am eigenen Leib miterleben können, aber zugleich auch ihre persönlichen bewegenden Geschichten und „Probleme“ haben. Nach und nach entwickelten sich so Zahra und ihre Familie und ihre ganz eigenen Konflikte in dieser faszinierenden Zeit.

Zu welcher Zeit haben Sie die besten Ideen für Ihre Romane?

Da gibt es keine feste Zeit, und ich warte auch nicht darauf, dass „die Muse mich küsst“, sondern ich arbeite einfach. Dabei kommen mir dann auch die Einfälle; es ist ein Prozess, der ins Laufen gebracht werden muss und der spätestens dann auf Hochtouren läuft, wenn ich weiß, dass ich nur noch eine knappe Stunde habe, bis ich mit dem Arbeiten aufhören muss, weil z.B. die Kinder von der Schule kommen und ich Essen kochen muss.

Wie entstand Ihr Interesse am 15./16. Jahrhundert?

Über die Reconquista, bzw. das Ende der Reconquista. Ich interessiere mich eigentlich nicht für eine bestimmte Zeit, sondern eher für eine Person, ein Thema, ein besonderes historisches Ereignis – und auf dieser Basis entwickele ich dann meine Romane.


Was für Genre von Büchern lesen Sie selbst am liebsten?

Ich lese gern historische Romane, aber auch Psychothriller oder einfach „normale“ Romane wie z.B. „Früh am Morgen beginnt die Nacht“ von Wally Lamb. Aber ich muss gestehen, dass ich genauso auch in ein historisches Fachbuch versinken kann – weil ich mir sofort vorstelle, welche Romanszenen ich aus meinem neu erworbenen Wissen „spinnen“ kann und das sehr spannend finde.


Was gefällt Ihnen am Beruf Schriftsteller am besten, was am wenigsten?

Eine interessante Frage … Es gefällt mir, mich in meine eigene Welt zurückziehen zu können, Geschichten zu entwickeln, mich in die Recherche zu verstricken, kreativ und unabhängig zu sein, die Seitenzahlen wachsen zu sehen, meine Figuren zu Leben zu erwachen spüren … ach, so vieles an dieser Arbeit finde ich wundervoll!

Und was mir nicht gefällt? Ich glaube, da fällt mir gar nichts zu ein. Schreiben ist schon immer mein Traum, ja, fast meine Besessenheit gewesen … und ist es immer noch.

Könnten Sie sich vorstellen, auch ein anderen Genre zu schreiben z.B. Fantasy?

Ich habe schon in anderen Genren geschrieben: drei Frauenromane, einen Entwicklungsroman und ein Sachbuch – alles unter verschiedenen Pseudonymen. Von daher würde ich mich natürlich auch an andere Genre „herantrauen“. Aber die historischen Romane sind schon sehr „meins“. Ich liebe die Recherchearbeit sehr, und ebenso, mein Wissen dann kreativ zu verarbeiten.

Gibt es in Ihrem Haus in Spanien ein schönes Plätzchen, wo Sie besonders gerne sitzen und an einem Buch schreiben?

Mein Arbeitszimmer! Aber die Manuskripte und Fachbücher lese ich lieber woanders: am Strand, im Café, in meinem Lesesessel, im Bett …

Haben Sie ein bestimmtes Schreibritual? Also jeden Tag so und so viele Sätze, oder schreiben Sie, wie es kommt?

Ein Schreibritual? Nicht wirklich, außer dass ich mich einfach zu festen Zeiten hinsetze und loslege … Vielleicht könnte man das vorherige Beantworten von Mails als Warmschreiben bezeichnen, aber ansonsten bin ich eigentlich sehr direkt und ohne großen „Firlefanz“ direkt am Schreiben. Ich denke, wenn man auf Musen und Eingebungen und Atmosphären „warten“ muss, ist es auch schwierig, je ein Buch fertig zu bekommen. Ich setze mir als Minimum 7 Seiten pro Tag plus zuvor die Korrektur der letzten 14-21 Seiten. Und bevor ich das nicht geschafft habe, gehe ich auch nicht ins Bett. Und da ich gern schlafe und zuvor ebenso gern etwas mit meiner Familie unternehme, werde ich dann schon rechtzeitig fertig!

Das Recherchieren ist ja auch eine aufwändige Aufgabe. Wie gehen Sie es an, um die nötigen Informationen zu beschaffen, die Sie für ein Buch brauchen?

Ja, die Recherchen für einen historischen Roman sind allerdings sehr aufwändig. Für „Die Maurin“ habe ich fast ein Jahr lang nur recherchiert, und ich hatte überdies zwei gute Geister: einen Arabistik-Professor von einer Universität in Cadiz (Spanien) und seine muslimische Frau.

Die Basis meiner Recherche waren vor allem Bücher und Reisen, wobei ich natürlich den Vorteil habe, ohnehin schon im Land zu sein. Die Recherchethemen sind ziemlich breit gefächert: Ich musste ja wissen, wie die Mauren UND die Kastilier damals gelebt haben, die spanische Geschichte kennen, ziemlich viel über den islamischen Glauben lernen und was das für den Alltag bedeutet und dann noch 1000 Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, was ein Hammam ist (arabische Bäder), wie es darin „zugeht“, und und und bis hin zu wer was wie isst (die Mauren hatten z.B. schon Tischdecken und geschliffene Gläser und haben als Muslime strenge Gesetze darüber, was sie essen dürfen). Aber gerade das alles macht für mich den Reiz eines solchen Buches aus.

Wie nah versuchen Sie Ihre Protagonisten an die reelle Person aus der Vergangenheit zu verbinden?

Die historischen Figuren versuche ich natürlich ganz nah an ihrem wahren Wesen zu schildern, bei den fiktiven Figuren habe ich die Freiheit, dass sie „nur“ realistisch in ihrer Zeit sein müssen. Aber diese fiktiven Figuren haben auch eigene Aufgaben: Sie dienen dem Roman, seinem Spannungsaufbau, dem roten Faden, bestimmten Dingen, die ich mit ihnen erzählen will.

Mittlerweile werden ja immer mehr Bücher verfilmt. Ist den evtl schon eine Planung für die Verfilmung von „Die Maurin“? Wenn ja, können Sie darüber mehr erzählen? Oder wenn noch nicht, was würden Sie davon halten, wenn eines Ihrer Bücher verfilmt werden würde?

Halten Sie es überhaupt als verfilmbar?

Ganz sicher wäre „Die Maurin“ verfilmbar, aber es wäre wohl ein teurer Film: allein die Vielzahl von Schauplätzen, all die maurischen Gebäude, die nachgebaut werden müssten … Aus diesem Kosten-Grund gibt es ja auch überhaupt nur sehr wenige historische Romane, die verfilmt werden. Ich würde mich aber natürlich freuen, wenn „Die Maurin“ eines Tages dazu gehören würde.

Ist es nicht schwierig von Spanien aus einen Verlag für einen deutschsprachigen Roman zu finden?

Der wurde ja nicht von Spanien, sondern von Deutschland aus gesucht. Aber Sie haben schon Recht: Es wäre schwierig! Und genau aus dem Grund hatte ich mir auch von Anfang an einen Agenten in Deutschland gesucht, bei dem ich inzwischen seit 15 Jahren bin – mit 7 veröffentlichten Büchern.

Denken Sie während des Schreibens der Manuskripte immer in Deutsch oder auch in Spanisch?

Wenn ich schreibe, denke ich auf Deutsch – sofern ich auf Deutsch schreibe, und nicht etwa einen Brief oder ein Mail an spanische Freunde. Ich schalte im Kopf sehr schnell von einer in die andere Sprache um; das ist die Macht der Gewohnheit. Am Wildesten geht es bei uns immer beim Mittagessen zu: mit den Kindern rede ich Deutsch, mit meinem Mann Französisch, und mit kleinen oder großen Gästen dann Spanisch oder Katalanisch.

Wurden Ihre Bücher auch in andere Sprachen (u.a. Spanisch) übersetzt?

Bisher nicht, aber vor allem auf Spanisch würde ich meine Bücher eines Tages schon gern in den Händen halten. Doch ich bin da ganz zuversichtlich; die Maurin ist ja erst vor wenigen Monaten erschienen.

Wie vereinbaren Sie Familie mit dem Schreiben?

Ich schreibe vor allem, wenn die Kinder in der Schule sind – oder mit ihren Freunden oder meinem Mann etwas unternehmen. Einer der Vorteil des Autorenlebens ist zweifelsohne, dass man sich seiner Familie und ihren Bedürfnissen anpassen kann.

Worauf können wir uns als nächste von Ihnen freuen und vor allem wann?

Ganz sicher wieder auf einen historischen Roman – und ich hoffe, spätestens 2012.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder ganz in Deutschland zu leben?
Ich könnte mir gut vorstellen, überhaupt immer mal wieder woanders zu leben, am besten im jährlichen Rhythmus, aber leider streiken da die Kinder.

Bitte ergänzen Sie: Geschichte ist… gelebte Zukunft.

©Tine Schweizer

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2 Kommentare zu „Interview mit Lea Korte

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