Autoreninterviews

Interview mit Gabriela Galvani

Liebe Frau Galvani, herzlichen Dank das Sie sich die Zeit nehmen alle Fragen zu beantworten.

Hat Sie die Zeit in der Klosterschule beeinflusst?

Ja, klar. Ich war zwar erst sieben oder acht Jahre alt und ging nicht sehr lange auf diese Schule, aber die Nonnen waren so nett zu mir, dass ich damals unbedingt Ordensfrau werden wollte. Das wusste meine Mutter zu verhindern, in dem sie mich beizeiten von der Schule nahm.


Was fasziniert Sie an Italien?

Die Kultur. Ich meine, das war mal das Land, das alles geprägt hat, was wir an Lebenskunst und Lebenskultur heute noch haben. Egal, ob es die feine Küche oder die Kosmetikindustrie ist, alles hat seine Wurzeln irgendwo in Italien. Das spürt man noch heute.


Seit wann schreiben Sie schon?

Seit ich schreiben kann. Als Kind habe ich meinen Puppen Geschichten erzählt und meine Schulhefte dann damit voll geschrieben. Das ist wahrscheinlich ein Einzelkind-Syndrom, hat mir aber schon damals viel Spaß bereitet. Meinen ersten historischen Roman schrieb ich mit 14 Jahren, der ist aber glücklicherweise nie veröffentlicht worden.


Warum schreiben Sie?

Ich kann nichts anderes. Schreiben ist mein Leben. Ich bin auf gewisse Weise eine Einheit mit meinem Beruf. Wenn ich nicht mehr schreiben (und natürlich veröffentlichen) dürfte, würde etwas ganz Wichtiges in mir sterben. Dann wäre ich nicht mehr der Mensch, der ich bin.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Das ist, glaube ich, wie bei den meisten meiner Kollegen: Sie fliegen einem zu. Wenn man für ein Thema recherchiert, laufen einem andere Ideen und Möglichkeiten fast zwangsläufig über den Weg. Als ich beispielsweise das Umbruchexemplar für „Die Hüterin des Evangeliums“ Korrektur las, musste ich einen Begriff noch einmal im Internet nachprüfen und bin dabei zufällig auf einen historischen Hintergrund gestoßen, der nun die Basis für die Fortsetzung meiner Geschichte bildet, die im Herbst/Winter 2011 erscheinen wird.

Wie Entstand die Idee zu „Die Hüterin des Evangeliums“?

Ich wollte ursprünglich einen Roman schreiben, der unter dem Eindruck der Französischen Revolution 1793 in Mainz spielt, der ersten Demokratie in Deutschland. Auf diese Geschichte war ich durch die Lektüre eines Tagebuchs von Goethe gekommen, der seinerzeit als Reporter in Mainz unterwegs war. Leider war mein Verlag von dem Thema nicht so begeistert, wohl aber von der Idee, einen historischen Roman in unserer beruflichen Welt spielen zu lassen, also unter Buchdruckern, Verlegern und Schriftstellern. Da es von der Revolution zur Reformation zurück im geistigen Sinne nicht so weit ist, habe ich meinen Stoff vom 18. ins 16. Jahrhundert verlegt und den historischen Gegebenheiten angepasst. Das Ergebnis liegt nun vor.

Hatten Sie schon einmal eine Schreibblockade und wenn ja, was machen Sie dagegen?

O ja, klar, das kennen wir alle aus der schreibenden Zunft. Da ich meistens unter Zeitdruck (Abgabetermin) arbeite, ist so eine Schreibblockade sogar ziemlich schlimm. Was tue ich also? Spazierengehen, mich mit etwas völlig anderem beschäftigen, eine DVD anschauen, am liebsten einen Film, der in „meiner“ Zeit spielt, so dass ich mental wieder in mein Thema rein komme. Eine Schreibblockade tritt ja in der Regel auf, wenn man den Faden zu seinen Figuren und deren Zeit verliert.

Gibt es einen bestimmten Ort, an dem Sie beim Schreiben besonders gute Einfälle haben und das Schreiben leichter von der Hand geht?

Da ich über mehrere Wohnsitze verfüge, fahre ich viel Auto, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Dabei kann ich wunderbar nachdenken. Ansonsten ist meine Arbeitsweise eher unspektakulär: Ich sitze an meinem Schreibtisch am Computer und dichte stillvergnügt vor mich hin, meistens mit einer Kanne schwarzen Tee neben mir.

Arbeiten Sie schon an einem neuen Buch und wohin wird uns dieses Buch entführen?

Wie gesagt, es wird eine Art Fortsetzung der „Hüterin des Evangeliums“ geben. Ich werde nicht direkt die Geschichte von Christiane, meiner bisherigen Protagonistin, weitererzählen, diesmal ist eine andere Frau die Hauptfigur, aber Assessor Bernhard Ditmold etwa spielt wieder die zentrale Rolle des Ermittlers. Die Handlung ist 1558 in Speyer angesiedelt.

Können Sie sich vorstellen auch Bücher außerhalb des Genre historischer Roman zu schreiben?

Ja !!! Die drei Ausrufezeichen bedeuten, dass ich gerade dabei bin, mich in einem anderen Genre zu versuchen. Aber das ist noch nicht spruchreif und deshalb verrate ich nicht mehr. Ich bitte aber um’s Daumendrücken!

Sie beschreiben ja immer sehr anschaulich die Orte in Ihren Romanen. Wie recherchieren Sie da eigentlich, schauen Sie sich die Orte persönlich an und machen sich ein Bild oder eher über das Internet oder Bücher? Oder einfach nur Phantasie?

Leider sind im Zweiten Weltkrieg viele historische Straßenzüge unwiederbringlich zerstört worden, so dass eine Vor-Ort-Recherche ohne die Lektüre alter Stadtbeschreibungen für einen historischen Roman nicht ausreichend ist. So wurde etwa das Fugger-Haus in Augsburg zwar nach dem Krieg wieder aufgebaut, aber eben nicht 100prozentig so, wie es einmal gewesen war. Dennoch sind auch Bücher alleine oft nicht ausreichend, um die besondere Stimmung einer bestimmten Stadt in sich aufzusaugen. Außerdem bin ich neugierig und gucke mir gerne an, was möglich ist.

War die Beschaffung der Informationen des Jahrhunderts ihres Romans schwierig?

Nein, eigentlich nicht, zumal in Augsburg eine liebevolle Denkmalpflege betrieben wird, die sich auch auf die Veröffentlichung alter Quellen bezieht. Diese Stadt ist wirklich extrem gut erforscht und auch im 16. Jahrhundert „zugänglich“. Meine Anfangs-Recherchen haben gezeigt, dass Speyer zwar nicht ganz so hervorragend aufgestellt ist, aber immerhin doch ziemlich gut. Das mag darin liegen, dass es sich bei beiden Orten um Reichsstädte handelte, die im 16. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielten.

Wie lassen Sie sich beim Schreiben Ihrer Bücher, abgesehen von der Recherche beeinflussen?

Die Recherche ist der wesentlichste Bestandteil, denn die bezieht sich nicht nur auf etwa die politische Geschichte oder örtliche Gegebenheiten, sondern vor allem auf das Umfeld meiner Personen, den kulturellen Hintergrund, soziale Besonderheiten bis hin zu Mode, Medizin und Körperpflege. Dann erst kommt meine Phantasie, die sich mit der Realität zu einer Handlung verbindet. Und was meine Personen betrifft: Manchmal weiß ich nicht genau, wie mein männlicher Protagonist in einer bestimmten Situation agieren würde, da frage ich dann meinen Mann, was der tun würde und übernehme dessen Argumente.

Hören Sie Musik aus dieser Zeit, oder sehen Sie sich Gemälde im Museum an, die Motive Ihrer Themen verarbeiten?

Unbedingt. Ich liebe Tanzmusik aus der Renaissance (heißt wirklich so), vor allem, weil die sogar ganz schmissig sein kann. Häufig kaufe ich mir in Museumsshops Kunstpostkarten von Gemälden, die in meiner Zeit entstanden sind, oder ich rufe mir im Internet ein Bild auf, das ich dann als Hintergrund meines elektronischen Schreibtisches nehme. Das hilft auf jeden Fall.

Was macht Ihnen am Schreiben am meisten Spaß?

Das Versinken in eine andere Welt, die Möglichkeiten, die sich einem auftun. Es ist ja, als würde man selbst ein anderes Leben führen, während man schreibt. Am Ende eines jeden Romans bin ich erstmal ganz traurig, weil ich das Gefühl habe, mich nun von meinen besten Freunden getrennt zu haben. Immerhin ja von Menschen, so sie denn auch erfunden sind, deren Sorgen, Ängste, Gefühle ich über Monate hinweg geteilt habe.

Sie haben Teile ihres Lebens in Deutschland und Italien verbracht. Fühlen Sie sich einem Land mehr verbunden als dem anderen und was lieben sie an beiden Ländern?

Nicht in Italien, sondern in der italienischen Schweiz, aber ich habe viel Zeit auch in Italien verbracht. Und ich habe eine Weile in Frankreich gelebt. Grundsätzlich prägt einen sicher jeder Ort, wo man sich zuhause fühlt, glaube ich. Allerdings ist Deutschland ganz klar mein Heimatland, Deutsch ist meine Muttersprache, in der ich denke, träume und schreibe, hier befinden sich meine Wurzeln und meine Kultur. Dennoch finde ich die italienische Lebensart zuweilen angenehmer, weil leichter und lebensfroher. Ich habe es genossen, als Frau in Paris zu leben, einer Stadt, die meiner Ansicht nach nur für Frauen geschaffen wurde und französische Männer besitzen eine Höflichkeit und einen Charme, der nicht einmal von Italienern übertroffen wird (ich bin übrigens mit einem Deutschen verheiratet).

Lesen Sie so gerne wie sie schreiben? Und falls ja: Haben Sie eine/n Lieblingsautor/in?

Ich bin der Auffassung, dass man nicht schreiben kann, wenn man nicht liest. Lesen ist für mich die Grundvoraussetzung, um überhaupt als Autor arbeiten zu können. Eine gewisse Affinität zu Francoise Sagan wurde mir in die Wiege gelegt, weil mein Vater bei seinem ersten Blick auf mich Neugeborenes meinte: „Die wird mal Schriftstellerin.“ Das geschah unter dem Eindruck des Romans „Bonjour Tristesse“ der damals 17jährigen Autorin. Außerdem haben mich die historischen Romane von Daphne du Maurier sehr geprägt und letztlich zu dem Genre gebracht.

Was lesen Sie gerade und wie gefällt es Ihnen?

Das kann ich nicht beantworten ohne indiskret zu sein. Ich bin in diesem und im nächsten Jahr Mitglied der Jury für den DELIA-Literaturpreis und darf in dieser Zeit insgesamt wahrscheinlich bis an die zweihundert Romane lesen. Die ersten Bücher liegen bereits vor und ich lese eifrig und mit Begeisterung darin. Unter den ersten Einsendungen gibt es durchaus schon Favoriten für mich, aber die darf ich natürlich nicht nennen.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch über die Vergangenheit zu schreiben?

Ich liebe alles, was alt ist. Und ich liebe die Historie. Meiner Ansicht nach können nicht nur antike Möbel, Bilder und Dekorationsgegenstände Geschichten aus der Vergangenheit erzählen, sondern auch alte Steine. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung, um historische Romane zu schreiben. Die Lektüre der Bücher von Daphne du Maurier gab mir als jungem Mädchen dann sozusagen den Rest, und schließlich übte auch „Vom Winde verweht“ einen Zauber auf mich aus, der mich gefangen nahm – so etwas wollte ich auch schreiben.


Was machen Sie in ihrer Freizeit am liebsten, wenn Sie nicht gerade schreiben?

Lesen ist auch irgendwie Freizeit, oder? Abgesehen davon bin ich eine berufstätige Hausfrau, ich habe Familie. Auch wenn meine Tochter inzwischen ihr eigenes Leben hat, bleiben noch mein Mann und mein Hund und beide halten mich ziemlich auf Trab. Ansonsten bin ich ein Genussmensch: Ich liebe gutes Essen und schöne Restaurants, koche aber auch sehr gerne, ich mag gute Weine, Freunde treffen, ich gehe gerne ins Theater. Shoppen ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen und ich richte gerne Wohnungen ein, weshalb mein Mann und ich wahrscheinlich relativ oft umziehen. Am liebsten hätte ich in jedem Ort, der mir gefällt, eine eigene Bleibe – aber das ist natürlich unmöglich 🙂

Herzlichen Dank für dieses ausführliche Interview.

Das signiertes Exemplar von „Die Hüterin des Evangeliums“ hat Lena B. Gewonnen.

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