Autoreninterviews

Interview mit Gabriella Engelmann

Liebe Frau Engelmann, mit Ihren Büchern faszinieren Sie viele Menschen. Wie sind Sie darauf gekommen Autorin zu werden?

Auch wenn es komisch klingt: Ich habe davon geträumt. Und zwar nicht im Sinne von Ich träume davon eines Tages Bücher zu schreiben, sondern ganz real. Am nächsten Morgen setzte ich mich an meinen Laptop (weil ich an Zeichen und Träume glaube) und heraus floss mein Debütroman „Die Promijägerin“.

Wie kommen Ihnen die Ideen für Ihre Bücher, gibt es bestimmte „Inputs“ wie z.B. absolute Ruhe oder gar der Trubel ringsum Sie rum?

Meine Inputs sind in erster Linie persönliche Beobachtungen, dann Filme – und nicht zuletzt Bücher anderer Autoren. Ich liebe es Menschen zu beobachten und danach zu fragen, was sie beschäftigt, wovon sie träumen, wovor sie Angst haben, was sie sich wünschen. Das alles mixe ich dann – und heraus kommen die Stoffe für meine Bücher.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind allerdings auch Orte und Landschaften. Die nordfriesischen Inseln z.B. haben es mir so angetan, dass ich unbedingt über Sylt und Amrum schreiben wollte.

Wie schafft man es so vielfältig zu sein – Kinder- Jugendbücher und Romane für Erwachsene zu schreiben.

Ich glaube, dass sich beides strukturell nicht besonders voneinander unterscheidet. Die Geschichte muss stimmen und spannend sein, die Charaktere interessant, oder sympathisch. Natürlich muss man je nach Zielgruppe im Ton variieren, und genau auf die Lebenswelten des jeweiligen Alters eingehen. Und man muss bei Jugendbüchern aufpassen, dass man nicht auf Krampf versucht ultrahip und trendy zu sein, das merken die Kids nämlich schnell und finden den Text dann zurecht doof .

Warum haben Sie für Ihren Roman – Lügst du noch oder liebst du schon? ein Pseudonym gewählt?

Das hat ganz pragmatische Gründe. Zum einen hat man als Autor den so genannten „Hausverlag“, für den man exklusiv unter dem eigenen Namen schreibt – und zum anderen sind das zwei unterschiedliche Genres. Meine Engelmann-Romane sind mittlerweile deutlich ernster, bei Rebecca Fischer bekommen meine Leser romantische Komödien für Frauen ab vierzig.

Können wir uns von Rebecca Fischer noch mehr Romane erhoffen?

Im Sommerprogramm 2011 (den exakten Monat kenne ich noch nicht) erscheint der Titel Nur lieben ist schöner. In dieser Komödie stolpern drei Freundinnen permanent über ihr eigenes Männer-Beuteschema, und wundern sich, dass es in der Liebe nicht klappt. Natürlich führe ich die drei einem Happy End zu, aber über Umwege. Wie immer in meinen Büchern geht es aber nicht nur um die Liebe, sondern auch um persönliche Entwicklungen und den Beruf.

Mit ihrem Roman, der unter ihrem Pseudonym erschienen ist sprechen Sie eine ganz neue Zielgruppe an. War es hierfür leicht einen Verlag zu finden?

Ehrlich gesagt nein. Ich hatte das Glück, dass die Lektorin, die mich entdeckt hatte, vom Knaur Verlag zu Diana wechselte und mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, unter Pseudonym eine Komödie für sie zu schreiben. Da habe ich natürlich ja gesagt und mich über das Vertrauen von Dr. Andrea Müller gefreut, mit der ich sehr gern zusammenarbeite.

Was glauben Sie, wer ist glücklicher im Leben? Menschen, die sich immer anpassen oder Menschen, die immer ihr eigenes Ding durchziehen?

Puh, eine gute, aber schwierige Frage :-). Ich denke, dass das eine Typ-Sache ist. Ängstliche, unsichere Menschen fühlen sich bestimmt besser, wenn sie möglichst wenig anecken und daher weniger in Schwierigkeiten kommen. Selbst bewusstere Menschen mit Abenteurer-Gen lieben die Herausforderung bestimmt eher, neigen aber vielleicht manchmal dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Ich selbst halte es da mit einem „Mix“. Ich habe einige Prinzipien und eine Haltung zu bestimmten Themen, die ich verfechte, egal was kommt. Aber ich wäge in der Regel genau ab, wo und wann es sich lohnt zu kämpfen, oder wo es schlauer ist, sich einfach zurückzuhalten. Generell finde ich es aber schwierig, sehr angepasst zu sein, denn sich zu verbiegen ist auf Dauer eher ungesund, und kann folglich auch nicht glücklich machen.

Was machen Sie, wenn Ihnen der innere Antrieb fehlt, kreative oder alltägliche Dinge zu leisten?

Wenn es an der Kreativ-Front hakt wende ich mich den Dingen des Alltags zu. Fensterputzen, bügeln, kochen etc. helfen gegen Schreibblockaden, Fantasielosigkeit und dem Gefühl, gerade gar nichts zu können am besten. Umgekehrt kann ich natürlich auch wunderbar den Bügelwäscheberg stehen und liegen lassen, wenn mich die berühmte Muse küsst. Da ich aber ein eher disziplinierter Mensch bin, raffe ich mich im Zweifelsfall eben einfach auf. Und überlege vorher, womit ich mich nachher belohnen kann …

Wie animiert man einen Prominenten zum schreiben?

Indem man ihm entweder ein tolles Konzept anbietet, bei dem er sich kreativ austoben kann, oder ganz gezielt auf seine Interessensgebiete eingeht. Hilfreich ist dabei sicher auch das Quäntchen Eitelkeit, das in jedem von uns steckt – und seinen Namen ganz gern auf einem Buchcover gedruckt sieht .

Mich würde interessieren welches Genre Sie gerne privat lesen, und welchen ihr Lieblingsbuch ist?

Ich lese ziemlich viel quer Beet. Ernstes, Anspruchsvolles, Komödien, Kinder-und Jugendbücher – aber auch immer wieder Sachbücher, wenn ein bestimmtes Thema mich fesselt. Ganz oben auf meiner Liste stehen Künstler- Biografien. Generell lese ich auch gern aktuelle „Aufregbücher“, wie z. B. „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche, oder „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann, weil ich neugierig bin. Und ansonsten habe ich alle Hände voll damit zu tun, die aktuellen Veröffentlichungen meiner lieben Kollegen und Kolleginnen zu lesen, was ich immer mit besonders großer Freude mache.

Was bedeutet schreiben für Sie?

An allererster Stelle Freiheit.

Die Freiheit meinen Interessen, Träumen, Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten nachgehen zu können. Orte aufzusuchen, die ich für meine Recherchen benötige. Die Freiheit, mir meine Zeit selbst einteilen zu können, auszuschlafen, bei blödem Wetter nicht stundenlang in ein weit entferntes Büro fahren zu müssen. Vom Schreiben leben zu können ist ein erhebliches Stück Lebensqualität – und ein unglaubliches Privileg, für das ich zutiefst dankbar bin!

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Literaturscouts aus?

In erster Linie besteht er darin, Konzepte, Exposés, oder Manuskripte zu prüfen und ggf. umzuarbeiten. Oder darin, zusammen mit dem Autor eine Geschichte zu plotten und Figuren zu entwickeln. In zweiter Linie darin, die richtige Agentur für das Projekt zu finden, denn das muss schon passen. Verlagsaqkuisition und Vertragsverhandlungen führen später die jeweiligen Agenturen. Der schönste Teil ist für mich aber nach wie vor die Ideenfindung – und die Autorensuche.

Wie vereinbaren Sie ihre beiden Berufe als Schriftstellerin und Literaturscout?

Ich muss da ganz strenge Prioritäten setzen, weshalb ich (leider) viele Anfragen ablehnen muss. Die Zeit fürs eigene Schreiben steht absolut im Vordergrund. Ansonsten läuft es im Idealfall parallel.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen um Literaturscout zu werden?

Da kann ich jetzt nur von mir ausgehen: Ich habe die Buchbranche quasi von der Pieke auf kennen gelernt, war Buchhändlerin, Lektorin, Verlags – und Programmleiterin. Im Rahmen dieser Tätigkeiten habe ich viele Trends und Autoren entdeckt und gefördert, also Erfahrung gesammelt, von der ich jetzt profitiere. Generell ist ein gewisses Gespür für Menschen, für Qualität – und letztlich den Buchmarkt unabdingbar.

Hängen Sie manchmal an Ihren Büchern fest? An bestimmten Charakteren? Was ist dann Ihr Geheimrezept um wieder weiter zu kommen?

Natürlich komme ich immer wieder an einen Punkt beim Schreiben, an dem es hakt – oder irgendetwas nicht stimmt. Das passiert meist dann, wenn ich eine Figur, oder einen inhaltlichen Gedanken nicht konsequent zu Ende gedacht habe. Da ich aber eine „Bauchschreiberin“ bin, die sich auch gern mal so durchs Buch treiben und von seltsamen Ideen überraschen lässt, wird es wohl auch so bleiben. Und dann hilft nur noch: Abstand schaffen, etwas komplett anderes machen (siehe Antwort zum Thema innerer Antrieb!) und versuchen cool zu bleiben. Die Erfahrung zeigt: Es geht immer weiter. Die Frage ist nur wann 🙂

Dürfen wir uns bald auf neue Bücher von Ihnen freuen und können Sie uns hier schon etwas Näheres verraten?

Wer´s ganz genau wissen will, schaut auf meiner Website www.gabriella-engelmann.de in der Rubrik „In Planung“ nach.

Ende des Jahres erscheinen gefühlte Trillionen Kurzgeschichten von mir. Im März geht es im Bereich „Junge Erwachsene“ mit einer Komödie weiter, und nach „Schneewittchen“ folgt „Dornröschen“. Und dann die neue Rebecca Fischer. Weitere spannende Projekte sind in Planung, über die plaudere ich aber erst, wenn die Tinte unter dem Vertrag getrocknet ist ;-).

Welche Bücher dürfen Ihrer Meinung nach in keiner privaten Bibliothek fehlen?

Licht“ von Christoph Meckel

Das Wunder der Achtsamkeit“ von Tchich Nhat Han

Kinderbücher von Astrid Lindgren

Ein bis zwei gute Kochbücher

Ein Bildband, der zum Träumen anregt …

Sie sind in München geboren und leben in Hamburg. Zieht es Sie nicht nach Bayern zurück?

Ich fühle mich im hohen Norden sehr wohl, versuche aber dennoch so oft es geht in meiner alten Heimat zu sein. Ich liebe München, ich liebe die Seen im Umland, ich mag die Mentalität der Bayern – und die Nähe zu Italien. Dennoch muss ich sagen, dass ich mir nicht mehr vorstellen könnte, dort zu leben – dazu liebe ich Hamburg und die Menschen, die in meinem Leben wichtig sind, zu sehr. Und die wohnen nun mal hier …

Herzlichen Dank für Ihr ausführliches Interview!!

Die Gewinnerin des signierten Exemplares ist Susanne S.

©Tine Schweizer

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Ein Kommentar zu „Interview mit Gabriella Engelmann

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