Autoreninterviews

Interview mit Karla Schmidt

Frau Schmidt, ich danke Ihnen das Sie sich die Zeit nehmen um dieses Interview zu führen.

 

Sehr gerne!

 

Sie haben mit „Das Kinder auf der Treppe“ einen Roman geschrieben, der sowohl sehr gelobt wurde, als auch Kritiken bekommen hat. Wie gehen Sie mit den negativen Äußerungen um? Nehmen Sie sich hieraus was mit für die nächsten Romane?

 

Manche negative Äußerungen haben weh getan, weil es sich angefühlt hat, als seien sie aus purer Wut entstanden, die ich nicht nachvollziehen konnte. Inzwischen ist mir allerdings auch klar, dass KAT innerhalb des Genres etwas macht, was nicht unbedingt üblich ist: Meine Figuren sind meistens nicht nur Opfer oder nur Täter. Vielleicht ist das etwas, was manchen Lesern aufstößt: Das es keine richtig unschuldigen Opfer gibt?

Allerdings ist das für mich ein wichtiger Aspekt, den ich nicht aufgeben möchte. Was ich für das nächste Buch mitnehme, kommt daher eher von Seiten der Rezensenten, die in dem Buch mehr gesehen haben, als einen schnellen Genrereißer. Konkret: Ich möchte versuchen, etwas weniger „auf die Kacke zu hauen“ und dafür tiefer in die Psychologie der Figuren einzudringen. Das bedeutet aber nicht, dass sie dadurch gefälliger werden. 😉

 

Wie nimmt Ihr Umfeld diesen besonderen Thriller auf?

 

Meine persönlichen Beziehungen hat das Buch nicht beeinflusst. Zum Glück können meine Familie und Freunde zwischen mir und dem Buch trennen, und im Alltag ist meine Arbeit auch nicht andauernd Thema.

 

Werden Sie häufig auf die Handlung von KAT angesprochen?

 

Nein, eigentlich nicht.

 

Warum gerade einen Psychothriller? Was fasziniert Sie daran?

 

Mich interessiert das Abseitige, Seltsame, Fremde, die Abgründe im Menschen. Wie reagieren Menschen in Extremsituationen? Wie versuchen Sie, Normalität zu wahren? So ein Buch ist im Grunde eine Versuchsanordnung oder ein Problemlösungsmodell. Auch meine anderen Bücher sind eher düster. Ich habe aber letztlich keine Ahnung, warum mich das so fasziniert. Im Alltag bin ich nicht düster.

 

Was erzählen Sie Ihren Kindern, worüber Sie in Ihren Büchern schreiben?

 

Sie wissen: Es sind Erwachsenenbücher, zu gruselig oder zu langweilig für sie. Bisher haben sie aber auch noch keine gesteigerte Neugier gezeigt. Für sie ist das ja etwas Normales, weil es eben „Mamas Arbeit“ ist.

 

Wie sieht ein Arbeitstag bei Ihnen aus?

 

Morgens 6:30 aufstehen, Kinder zur Schule scheuchen. Dann ab ins Büro. Ich teile mir eines mit drei anderen Autoren, wir schreiben alle so vor uns hin, lesen gelegentlich gegenseitig, wenn jemand einen Rat braucht. Mittags findet sich meist jemand, mit dem man Pause machen kann, und nachmittags – oder manchmal auch erst spät abends – geht’s wieder nach Hause. Irgendwie recht normal also – und auch sehr schön, weil wir auf diese Weise nicht „einsam“ schreiben müssen.

 

Wie und wo recherchieren Sie über Ihre Storys?

 

Ich recherchiere viel im Internet, lese viel, frage bei spezifischen Sachen auch Experten. Bei KAT habe ich zum Beispiel Edu Meyer, einen Tonmeister aus den Hansa-Studios, der auch mit Bowie gearbeitet hat, befragen können. Das war sehr hilfreich. Wenn eine Geschichte in Berlin spielt, kann ich natürlich auch einfach überall hingehen.

 

Sie schreiben in verschiedenen Genre (Thriller, Science Fiction, Historisch), woher nehmen Sie Ihre Inspirationen?

 

Meine Inspiration ist nicht an ein Genre gebunden, sondern an ein Themen, eine Figuren oder Probleme, die mir durch den Kopf gehen. Ich habe den Wunsch, etwas zu erzählen, und dafür eignen sich manche Genres eben besser als andere. Ich weiß, dass es auf dem Buchmarkt die Tendenz gibt, Autoren auf ein Genre festzuzurren. Aber mir liegt das nicht und ich werde versuchen, mir da größtmögliche Freiheit zu bewahren.

 

Das Cover für „Die Seelenfotografin“ ist wunderschön. Konnten Sie Einfluss auf die Gestaltung nehmen?

 

Danke, das freut mich! Ich hätte Einfluss nehmen können, die Zusammenarbeit mit dem Verlag ist sehr angenehm. Aber in diesem Fall wollte ich gar nicht. 🙂

 

Mit welchen Veröffentlichungen dürfen wir in nächster Zeit rechnen?

 

Zunächst kommt jetzt die „Seelenfotografin“. Zeitgleich erscheint noch eine Anthologie, die ich herausgebe. Sie heißt „Hinterland“, und es sind 20 Erzählungen drin, die von David Bowies Musik inspiriert sind. Ich bin sehr stolz darauf, die Geschichten sind großartig. Und ich habe Leute wie Wulf Dorn und Dietmar Dath mit an Bord.

 

Gibt es schon wieder ein neues Projekt, an dem Sie gerade arbeiten? Können Sie daraus schon was verraten?

 

Ja, schon. Aber das steht alles noch in den Sternen. Jetzt ist gerade Buchmesse, und natürlich hat mein Agent Leseproben dabei … Verraten will ich aber noch nichts. Ich bin zwar nicht abergläubig, aber über ungelegte Eier zu reden, ist irgendwie unbefriedigend. Das einzige, was schon ziemlich sicher ist: Das nächste Buch wird wieder in ein anderes Genre einsortiert werden müssen. 🙂

 

Sie veröffentlichen demnächst unter dem Pseudonym „Charlotte Freise“ den historischen Roman „Die Seelenfotografin“. War es Ihre Idee, oder die Ihres Verlages ein Pseudonym zuzulegen? Und warum ist dies geschehen?

 

Das Pseudonym ist vor allem ein Zugeständnis an den Buchhandel. Für den bin ich ein Newcomer. Ich habe noch nicht fünf Bestseller geschrieben, und man wartet noch nicht sehnlichst auf Nummer sechs. Ich stehe noch am Anfang, und wenn ein Buchhändler in nur einem Jahr zwei Bücher vom selben Neuling angeboten bekommt, dann ist es recht wahrscheinlich, dass er sich nicht beide, sondern nur einen davon zum Verkauf hinlegt. Das ist auch verständlich, der Buchhändler hat ja keinen Anhaltspunkt, ob „Karla Schmidt“ sich überhaupt verkaufen wird. Es ist keine Seltenheit, dass neue Autoren mit verschiedenen Namen an den Start gehen. Wenn sie dann reich und berühmt sind, können sie alles nochmal unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen. 😉

 

Wie war das Gefühl als „Das Kind auf der Treppe“ in den Buchläden ausgestellt wurde?

 

Am Anfang stand ich unter Strom. Das hat mindestens drei Wochen angehalten. Aber dann lässt es – zum Glück – irgendwann nach. Man kann nicht ständig nur aufgeregt und aus dem Häuschen sein. Mittlerweile denke ich kaum noch an KAT, bin mit den Gedanken längst bei dem, was ich zur Zeit schreibe. Trotzdem bin ich jetzt, zwei Wochen vor Erscheinen den „Seelenfotografin“ und des „Hinterlands“ natürlich wieder aufgeregt und fiebere dem Tag entgegen!

 

Was haben Sie gemacht, als sie erfahren haben, das ihr erster Roman beim Verlag angenommen wurde und wissen Sie noch wo sie da gerade waren?

 

Ich war genau hier: An meinem Schreibtisch. Und ich weiß noch, dass ich vor allem sehr erleichtert war. Ein Buch zu schreiben ist ein finanzielles Risiko. Es kostet Zeit, und als Anfänger wird man normalerweise erst NACH getaner Arbeit bezahlt. Mit meinem ersten Roman habe ich mich buchstäblich in die Schulden hineingeschrieben. „Das Kind auf der Treppe“ war dann erstmal die finanzielle Rettung!

 

Ist es leichter für einen Psychothriller oder einen historischen Roman einen Verlag zu finden?

 

Ich glaube, das kann man nicht verallgemeinern. Grundsätzlich sind beide Genres zur Zeit sehr gefragt, und wenn man seine Arbeit gut macht und dann auch noch den Nerv des Lektors und der Programmleitung trifft, dann rennt man eigentlich offene Türen ein.

 

Was würden Sie all denen raten, die gerne ein Buch schreiben und veröffentlichen möchten?

 

Grundsätzlich halte ich drei Sachen für wichtig, und zwar in dieser Reihenfolge: Leidenschaft, Handwerk, Geduld.

Der größte Fehler ist oft, das Manuskript zu früh rauszugeben. Viele Anfänger schreiben eine erste Fassung und meinen, damit sei die Arbeit getan. Das ist ja auch verständlich, man ist unheimlich stolz darauf.

Es ist aber einfach unwahrscheinlich, dass man beim ersten Mal gleich ins Schwarze trifft. Bei einem Roman muss man so viele Ebenen gleichzeitig im Griff haben: Figuren, Plot, Genrekonventionen, Stil, Spannung, Struktur, Perspektive, …

Es ist besser, ein erstes Manuskript ein paar Monate liegen lassen, zwischenzeitlich mit dem nächsten Buch zu beginnnen, und dann die Nummer 1 mit Abstand und unter handwerklichen Gesichtspunkten noch einmal ansehen. Bei Buch Nummer 2 kann man vieles dann auch schon viel besser!

 

Wann haben Sie angefangen zu schreiben?

 

Mit kleinen Texten habe ich schon als Schülerin begonnen, mit 12. Aber „ernsthaft“ ging es erst nach der Geburt meines zweiten Kindes los, vor etwa sechs Jahren. Da habe ich Torschlusspanik bekommen und plötzlich gespürt: Wenn Du jemals Bücher schreiben willst, dann solltest Du jetzt wirklich anfangen!

 

Worauf sind Sie stolz?

 

Auf meine Kinder und auf meinen Beruf!

 

Haben Sie ein Buch, welches Sie niemals hergeben würden?

 

Nein. Gerade die Bücher, die ich liebe, gebe ich gerne her. Ich bin da sehr missionarisch und will, dass jeder sie liest. Aber ich passe immer auf, dass man das Buch dann zumindest antiquarisch wiederbeschaffen kann, falls ich es nicht zurück bekomme.

 

Welche Werke sehen Sie als unverzichtbar an, die in jedem gutsortierten Bücherregel stehen sollten?

 

Das wechselt, und ich mag das anderen Lesern eigentlich auch nicht vorschreiben. Aber ich kann ja einfach mal sagen, was mir jetzt gerade als besonders toll und wichtig erscheint:

 

  • Paul Willems: Schwanenchronik
  • J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
  • Sylvia Plath: Die Glasglocke
  • Joyce Carol Oates: Blond
  • Dan Simmons: Hyperion
  • Samuel R. Delany: Dhalgren
  • Franz Kafka: Amerika
  • Robert Holdstock: Mythenwald
  • Antonin Artaud: Mexiko
  • Neal Stepehnson: Anathem

 

Die Gewinnerin des signierten Buches ist Martina M.

Herzliche Glückwünsche!

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