Interview mit Kim Schneyder

Liebe Frau Schneyder,

herzlichen Dank, das Sie sich die Zeit nehmen, um alle Fragen zu beantworten.

Sie haben einen interessanten Lebenslauf und viele Berufe ausgeübt, Werbetexterin, Werbedesignerin, Eheberaterin, nun Schriftstellerin. Was kommt danach?

Gute Frage. Im Idealfall nur Schriftstellerin, würde ich spontan sagen. Vom Schreiben leben zu können, wäre natürlich ein Traum, aber da ich seit letztem Jahr wieder in einer Apotheke arbeite und dort eine ganz bezaubernde berufliche Familie gefunden habe, könnte ich mich davon auch nur sehr schwer wieder verabschieden.

Wie kommt diese zahlreiche und teilweise so unterschiedliche Berufswahl zustande?

Das waren wohl Ergebnisse von unterschiedlichen Faktoren und Zufällen sowie sicher auch Ausdruck meiner unstillbaren Neugierde an frischen Erfahrungen. Rückblickend betrachtet liegt der Hauptgrund vielleicht aber darin, dass ich ein spontaner Typ bin und mich gerne neuen Herausforderungen stelle.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Romane?

Die kommen von überall her. Wenn man Augen und Ohren offen hält, erhält man ständig neue Impulse, sei es durch Filme, Lesen, Erzählungen, Zeitungsberichte, Freunde, Verwandte. Durch unser modernes Informationszeitalter drängt sich einem der Nachschub regelrecht auf, und das größte Kopfzerbrechen bereitet mir eigentlich die Entscheidung, mit welchem Stoff ich mich das nächste Jahr über intensiver beschäftigen will.

Finden sich hier auch Ähnlichkeiten mit Familie, Freunden und Bekannten wieder?

Ja, aber mit Einschränkungen. Natürlich ergibt sich auch aus dem persönlichen Umfeld die eine oder andere gute Idee oder ausbaufähige Figur, wobei man als Autor aber speziell im familiären Bereich sorgfältig darauf achtet, niemanden erkennbar schlecht dastehen zu lassen, indem man ihn mit seinen speziellen Eigenheiten als Witzfigur in einem Buch darstellt.

Was fasziniert Sie so am Schreiben?

Hauptsächlich die Möglichkeit, in fremde Personen einschließlich deren Persönlichkeiten und Gefühlswelten zu schlüpfen, und in meinem Fall die wunderbare Aufgabe, Menschen zum Lachen zu bringen.

Könnten Sie sich vorstellen, in ganz anderen Genre zu schreiben?

Auf jeden Fall, und indirekt bin ich im Moment gerade dabei. Mein Mann (der mir bei meinen Büchern stets eine wertvolle Hilfe war und ist) arbeitet gerade an einem Projekt mit dem Zweiten Weltkrieg als Hintergrund, und ich bin dabei voll involviert, obwohl das eigentlich überhaupt nicht mein Genre ist. Abgesehen davon würde ich mich auch gerne selbst mal an einer Kriminalkomödie versuchen, aber da es sich dabei um ein Experiment mit schwer abzuschätzenden Erfolgsaussichten handelt, müsste dazu mein Bekanntheitsgrad noch ein bisschen zulegen.

Welche Autoren lesen Sie gerne?

Um diese Frage ausführlich zu beantworten, müsste ich sehr weit ausholen, lassen Sie sie mich daher auf die Frage nach meinen absoluten Favoriten reduzieren.

Auf dem Humorsektor finde ich Sophie Kinsella und Helen Fielding ganz groß, und aus deutschen Landen Kerstin Gier und Ildikó von Kürthy sowie Tommy Jaud (vor allem mit „Millionär“, weil mir noch nie eine derart witzige und zugleich treffende Darstellung eines Burnout-Syndroms untergekommen ist).

Auf dem Thrill&Crime-Sektor gibt es eine ganz Menge Hochkaräter, spontan fallen mir Stieg Larsson, Simon Beckett, Cody Macfadyan, Adler Olsen, Tess Gerritsen und Jo Nesbo ein, nicht zu vergessen Charlotte Link, Dan Brown und Paul Cleave.

Außerdem faszinieren mich Markus Zusak, Stephenie Meyer, Daniel Kehlmann, Bernhard Schlink, Iny Lorentz und natürlich die Dame mit dem direkten Draht zu meinem Herzen, Cecelia Ahern.

Aber wie gesagt, da gibt es noch viele, viele andere, sowie einige, die ich mir fest vorgenommen, aber noch keine Zeit dafür gefunden habe. Der Witz ist nämlich der, dass ich, seit ich selber schreibe, weit weniger Zeit zum Lesen finde als vorher, was ich sehr bedauere.

Können Sie sich noch daran erinnern, wo Sie davon erfahren haben, dass Ihr erstes Buch veröffentlicht wird?

Falls Sie den Ort meinen, an dem ich mich aufgehalten habe, muss ich passen. Eigentlich vollzog sich das bei mir auch in mehreren Schritten. Ursprünglich gab es ja zwei große Verlage, die sich für „Frauen rächen besser“ interessierten, und Piper war dann einfach schneller. Deswegen konnte ich schon längere Zeit vor der eigentlichen Zusage davon ausgehen, dass das Buch veröffentlicht wird, aber ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich die Mail von Frau Dr. Krummacher erhielt. Ehrlich gesagt war ich ziemlich aus dem Häuschen.

Haben Sie dies gefeiert?

Nicht mit einer eigentlichen Feier, aber Alkohol wäre auch gar nicht nötig gewesen, ich bin auch so wochenlang mit einem dümmlichen Dauergrinsen im Gesicht durch die Gegend geschwebt.

Mittlerweile haben Sie einige Romane veröffentlicht. Ist es immer noch aufregend, wenn sie das Manuskript beim Verlag einreichen?

Nein, die Einreichung beim Verlag ist gar nicht das Spannende an der Sache. Der Verlag weiß ja mittlerweile, was er von mir erwarten kann, und auf das Thema und die Geschichte legt man sich schon im Vorhinein fest (im Regelfall legt man als Autor mehrere Exposés vor, und der Verlag trifft dann die Entscheidung).

Richtig spannend wird es erst, wenn ein Buch fertig ist und auf den Markt kommt. Man gibt natürlich bei jedem Projekt sein Bestes, und wenn man ein Jahr lang an einer Geschichte herumgefeilt hat, betet man geradezu, dass sie den Lesern auch gefällt. Hinter jedem Buch steht eine ganz eigene Entstehungsgeschichte, und dementsprechend entwickelt man eine sehr enge persönliche Bindung, beinahe vergleichbar mit einem Kind. Das sind dann jedes Mal nervenaufreibende Wochen, bis endlich die ersten Reaktionen erfolgen – umso größer dann natürlich die Erleichterung, wenn sie positiv ausfallen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Das lässt sich nicht verallgemeinern, weil es stark davon abhängt, ob ich gerade an einem neuen Buch arbeite oder nicht. Wenn das aber der Fall ist, kann man sich einen Kim Schneyder-Tag in etwa folgendermaßen vorstellen: Sechs Uhr Tagwache, Töchterchen wecken, Morgentoilette, Frühstück, Tochter zum Bus fahren, selbst in die Arbeit. 14 Uhr Tochter wieder vom Bus abholen, nach Hause, Essen kochen, Essen (!), vier bis fünf Stunden schreiben, Abendessen kochen, Essen (!), danach ein bisschen Zeit mit der Familie verbringen und gegen elf dann ab ins Bett…

Wo und wann schreiben Sie am liebsten?

Ausschließlich in meinem „stillen Kämmerchen“, das ist das Büro bei uns zu Hause, und da ich eher ein Abendmensch bin und morgens nur schwer in Schwung komme (geistig wie körperlich), schreibe ich bevorzugt am Nachmittag bzw. Abend.

Wenn Sie einen neuen Roman schreiben, wie gehen Sie dann vor? Gibt es schon ein Grundkonzept bis zum Ende, oder lassen Sie sich von der Geschichte inspirieren?

Beides trifft zu. Ein gut durchdachtes Grundkonzept ist unabdingbare Voraussetzung, will man eine intelligente Geschichte schreiben, deren Handlungsbogen sich vom Anfang bis zum Ende spannt. Aber natürlich beginnt einen im Zuge des Schreibens auch die Geschichte selbst zu inspirieren, vor allem kommt es immer wieder vor, dass manche Figuren ein gewisses Eigenleben entwickeln, sodass man ihre Gewichtung immer wieder anpassen und nachjustieren muss.

Gibt es ein Vorbild unter den Schriftstellern, dem Sie gerne folgen?

Grundsätzlich sollte man versuchen, seinen eigenen Stil zu finden und ihm auch treu zu bleiben. Dementsprechend vermeide ich es auch, andere Bücher zu lesen, wenn ich gerade am Text eines aktuellen Projekts arbeite, aber es lässt sich sicher nicht vermeiden, dass Stilelemente von Autoren, die einen besonders begeistert haben, in die eigenen Werke einfließen – ob sich das letztendlich positiv oder negativ auswirkt, muss der Leser entscheiden.

Arbeiten Sie schon an Ihrem nächsten Roman und können Sie schon darüber etwas berichten?

Das Grundkonzept ist schon seit Längerem fertig, und die letzte Niederschrift wird im Frühjahr erfolgen. Viel darf ich noch nicht verraten, aber als Schauplatz habe ich diesmal Monaco gewählt, und da ich keine Berührungsängste mit großen Namen habe, werde ich den guten Albert in die Handlung mit einbauen und bei der Gelegenheit auch gleich die Erklärung liefern, weshalb er sich heuer nach jahrelangem Zögern so spontan für die Hochzeit mit seiner Charlene entschlossen hat.

Bis wann können wir mit einer neuen Veröffentlichung rechnen?

Geplant ist für den Herbst 2011, aber mittlerweile wird von Leserseite immer öfter der Wunsch nach einer Fortsetzung von „Im Bett mit Brad Pitt“ geäußert (wofür ich auch schon ein fertiges Konzept habe), möglicherweise gibt es also noch Veränderungen…

Haben Sie ein Mitspracherecht bei den Covern?

In letzter Zeit ja. Normalerweise ist die Covergestaltung ausschließlich Verlagssache, aber Piper war diesbezüglich sehr entgegenkommend und hat auf meinen Wunsch hin sogar diese entzückende neue Coverlinie für alle meine Bücher entwerfen lassen.

Werden Sie auf Lesereise gehen?

Das wird sich nicht ausgehen, weil ich einfach noch zu „klein“ bin und dementsprechend kein Budget dafür vorhanden ist. Und da Reisen bekanntlich Geld kostet…

Wenn Sie eine Hauptfigur sein könnten, welche wäre das?

Sie meinen, aus meinen Büchern? Das ist eine schwierige Frage, und da jede meiner Figuren immer auch ein Teil meiner selbst ist, kann ich mich nicht auf eine festlegen, ohne die anderen damit gleichzeitig auszuschließen. Gut gefallen würde mir aber eine Mischung: Ich hätte gerne den Witz und die Entschlossenheit von Heike, weiters die Liebe, die Sandra durch ihren Martin erfährt, dazu wäre Mollys Lottosechser ziemlich verlockend (den ich allerdings niemals geheim halten könnte), und da mich Los Angeles so fasziniert hat, würde ich schon sehr gerne und diesmal ohne finanzielle und terminliche Einschränkungen erneut eine Reise in die Stadt der Engel machen.

Drei Dinge, ohne die Sie verloren wären?

In schriftstellerischer Hinsicht mein Computer, wegen der Ideensammlung für weitere Buchprojekte einerseits und den ganzen Kontaktadressen andererseits.

Weiters mein Handy, wobei es beinahe schon faszinierend ist, wie abhängig man heutzutage von diesen Dingern ist.

Und sonst? Au backe, bleibt nur noch eines zur Auswahl… Okay, dann entscheide ich mich für einen Fernseher mit eingebauter Grillfunktion ;-)

Welche Anregungen haben Sie für junge Neuautoren?

Der wichtigste Tipp ist, dass man sich nicht erwarten darf, von seinen Büchern leben zu können, selbst wenn man einen guten Verlag findet. Der Markt ist dermaßen übersättigt und umkämpft, dass es nur ganz wenigen Glücklichen vorbehalten ist, zum Bestseller zu werden, und abgesehen von der eigenen Qualität spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle.

Sollte dennoch jemand den unbedingten Wunsch verspüren, Bücher zu schreiben, so kann ich ihm nur nahe legen, sich in Geduld zu üben. Das gilt schon für das Schreiben an sich, wobei man unbedingt ein gutes Konzept zur Hand haben sollte, bevor man sich an den eigentlichen Text macht, und in weiterer Folge umso mehr für die Verlagsuche, die zu einer wahren Odyssee werden kann. Ohne an dieser Stelle Werbung für ein bestimmtes Buch machen zu wollen, empfiehlt sich in jedem Fall das sorgfältige Studium eines Ratgebers für Erst-Autoren (wenn man im Internet ein bisschen herumstöbert, findet man garantiert etwas Geeignetes), bevor man den Sprung ins kalte Wasser wagt.

Und denjenigen, die sich letztendlich dafür entscheiden, drücke ich hiermit ganz fest die Daumen, dass es klappt!

Mit welchem Mann wären sie denn gerne im Bett, außer Brad Pitt, platonisch gesehen natürlich!!!

Okay, also mal abgesehen von meinem Mann (der sowieso der ALLERBESTE ist und abgesehen davon auch ab und zu in solchen Foren stöbert…), und natürlich ganz platonisch gesehen wäre George Clooney mein Favorit. Der Mann hat etwas, das sich nur schwer in Worte fassen lässt, und die Vorstellung, mit ihm mal so richtig… über Kaffee zu reden zum Beispiel, das hätte schon was ;-)

Bitte ergänzen Sie: Bücher sind….

immer schon ein wesentlicher Teil meines Lebens gewesen, und je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, dass ich ohne sie gar nicht mehr existieren könnte. (Des weiteren erkenne ich gerade, das ich bei der vorherigen Frage nach den drei Dingen, ohne die ich verloren wäre, etwas Wichtiges vergessen habe: Der Fernseher müsste neben eingebauter Grillfunktion auch noch über ein angebautes Bücherregal verfügen!)

Die signierte Ausgabe von “Im Bett mit Brad Pitt” hat Lars B. gewonnen. Herzliche Glückwünsche!

©Tine Schweizer

 

 

 

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