Rezensionen 2011

Gedankengänge – Joanne Fedler ~ Heisshunger

Dieses mal habe ich ein Buch für euch, was mich irritiert hat. Einerseits hat es mir gefallen, andererseits  ist es eine klassische „Mogelpackung“.

Schaut euch dieses Cover genau an. Was erwartet ihr?

Dazu der Titel „Heisshunger“ und diesen Klappentext

Zwei Jahre Zeit, 24 Kilos zu viel und 14 Fusilli am Abend

14 Fusilli – damit wärmt Joanne sonst ihre Kaumuskeln auf. In den mageren Zeiten ihrer Diät nennt sich das nun großspurig „Abendessen“. Und da soll eine Frau nicht schwach werden? Doch eine Stabheuschrecke im Minirock, auch Ernährungsberaterin genannt, ihr Ehemann und zwei Kinder, die sie auf Trab halten, werden zu Joannes Verbündeten.

Ich werde euch verraten, was ich erwartet habe:

Einen vergnüglichen, selbst ironischen Roman, der mit vielen Höhen und Tiefen des Abnehmens einer Familienmutter gespickt ist. Viel Humor und vielleicht den einen oder anderen kleinen Tip für mich selbst. Das Cover hat mir wirklich gut gefallen und angesprochen!

♠♣♥♦

Ja, dies alles war auch teilweise mit in diesem Roman verarbeitet. Aber es hat eben nur einen kleinen Teil ausgemacht. Letztendlich geht es um das Leben einer in Afrika aufgewachsenen Jüdin, die mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Australien auswandert und hier ihre Lebensgeschichte aufarbeitet.

Wir erfahren, welche Probleme die Juden Anfang des letztens Jahrhunderts und auch heute noch haben.

Wir erleben mit welche Bräuche im Judentum gepflegt wurden und werden.

Wir erfahren über die politischen und alltäglichen Kriege in Afrika.

uvm…

Nicht viel gemeinsam mit der Illusion eines leichten amüsanten Sommerromanes. Vieles geht zu Herzen und lässt einen nachdenklich zurück.

Am Ende steht in der Danksagung genau das, was dieses Buch aussagt: „…ich solle die Erfahrungen als Immigranten schreiben

Ich habe das Buch abgebrochen, das gebe ich zu. Bzw. einige spätere Kapitel nur sehr flüchtig gelesen. Es war einfach nicht das was ich mir für heute gewünscht habe. Nichts für diesen schönen Frühlingstag, an dem ich einfach zum Lachen eingeladen werden wollte.

Dennoch möchte ich dieses Buch empfehlen. Über 200 Seiten lang hat mich der Schreibstil in der Autorin Joanne Fedler fasziniert. Sie hat eine klare Sprache, bringt es auf den Punkt und setzt Akzente. Sie nimmt einen mit in ihre eigene Welt, in ihre Familie und deren Geschichte.

Die Überschriften sind gut gewählt und darunter finden wir jedes mal ein Sprichwort.

Am Ende des Buches gibt es einen ausführlichen Anhang mit gelesenen Büchern, Rezepten und einem Glossar. Die Aufmachung ist hochwertig.

Betonen möchte ich hier nochmal, das es sich um keine klassische Rezension hierbei handelt, sondern eher um einen Gedankengang. Denn ich habe das Buch nicht im üblichen Sinne fertig gelesen. Ich möchte euch aber auf ein gutes Buch hinweisen. Dies ist es meiner Meinung nach, wenn man von vornherein weiss, was beim Aufschlagen des Buchdeckels wirklich erwartet.

Eines Tages möchte ich diesen autobiografischen Roman nochmal zur Hand nehmen. Dann mit den Gedanken an das, was wirklich Hintergrund dieses Buches ist.

Doch vorher wird diese Ausgabe erstmal auf Reisen durch bookcrossing gehen…

©Tine Schweizer

ISBN: 978-3-426-65251-0 Preis: 14,99 Euro

Seiten 461 Originaltitel: When hungry, eat

Verlag: Knaur

Bookcrossing by Thalia.de

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7 Kommentare zu „Gedankengänge – Joanne Fedler ~ Heisshunger

  1. Gab es dieses Problem nicht auch schon bei „Weiberabend“, dass man dieses als Mogelpackung empfand?
    Ich meine, ich hab das nun schon öfters über die Autorin gelesen.

    Ich habe „Weiberabend“ noch ungelesen hier.

    1. Das kann ich naürlich nicht sagen. Ich habe Weiberabend nicht gelesen gehabt. Aber ich kann mir das schon vorstellen. Wie gesagt, wenn man sich auf ein ernsteres Thema einstellt ist es gut.

  2. Irgendwie kann ich zurzeit gar nicht mehr mit dem Kommentieren bei dir aufhören! 😉
    Ich wollte dir nur sagen, dass ich deinen Gedankengang statt einer normalen Rezension sehr schön fand!
    Jetzt bin ich sehr neugierig geworden, allerdings lese ich nicht so gerne autobiografisches, weswegen ich noch einmal scharf nachdenke, ob ich es mal lesen werde. Aber wenn es als „bookcrossing“ Buch ist und es irgendwann zufällig mal zu einem finden würde, kann man ja noch stärker darüber nachdenken! 😉

    GLG!

    Charlousie

  3. Hi Tine,
    ich kann dir in fast jedem Punkt zustimmen. Nach gut 50 Seiten habe ich erstmal aufgegeben, weil ich ein ganz anderes Buch erwartet habe… und wie du schreibst, es handelt sich mehr um eine (Auto-)Biographie, mit fast schon nebensächlichen Infos über ihr Abnehmen – zumindest empfinde ich es so am Anfang.
    Da gebe ich doch lieber anderen Büchern den Vorrag…

    Ich würd das Buch ehrlich gesagt so nicht weiterempfehlen…
    LG
    Sandra

    1. Sandra, doch ich eben schon. Aber unter der vorraussetzung, das derjenige weiß um was es hier wirklich geht und ihn dieses Thema interessiert. Den den Schreibstil finde ich nicht schlecht. Nur die Werbung dazu ist falsch gewählt.

  4. Hallo Tine und ihr Leseratten!
    Ja das Heisshungerbuch ist etwas irreführend beschrieben. Für mich ist es ein ganz
    wichtiges Buch geworden gerade weil es nicht um Diätgeschichten mit Humor gewürzt geht. Dieses Buch geht viel tiefer, es stellt eine Verbindung zwischen seelischem und
    körperlichem Hunger her. Es geht um Verlust ,Unsicherheit der Suche nach dem eigenem Lebensinn. Der Frage nach Gott und der Gerechtigkeit.
    Die Lebensweisheiten passen zu jedem Kapitelinhalt und ich finde sie sehr bereichernd. Obwohl ich ein völlig anderes Leben habe, konnte ich mich mit ihren
    Themen identifizieren. Ich muss eine Trennung verarbeiten, auch hierbei geht
    es um Schmerz und Verlust. Sowie darum sich ein neues Leben aufzubauen.
    Auch ich tröste mich mit Essen. Und belohnen? Na klar , auch mit Essen!
    Also für alle Sinn und Kulturhungrigen – Dieses Buch gehört im Moment zu meinen
    Wichtigsten- ich empfehle es weiter!!!!!!
    Birgit Braumüller

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