Autoreninterviews

Interview mit Juliane Koreleski

Vor kurzem ist ihr neuer Roman erschienen. Was fasziniert sie so an den Historischen Romanen?

Mich faszinieren die Menschen – sei’s vor 800 Jahren oder in der Gegenwart. Wie sie mit den Lebensumständen zurechtkommen, denen sie sich stellen müssen, möchte ich in meinen Büchern erzählen. Die Faszination für die Historie war schon immer da; als ich meinen ersten Roman schrieb, entwickelte sich schnell der Wunsch, tief in die Vergangenheit und eine fremde Welt abzutauchen.

Lesen sie auch privat gerne vorwiegend historisches?

Nicht vorwiegend! Ich bezeichne meinen Lesegeschmack gerne als den eines neugierigen Allesfressers, der sich gerne von Lust und Launen leiten lässt. Natürlich landen auch viele historische Romane auf dem Nachttisch, aber auch zeitgenössisches, Unterhaltung querbeet, manchmal Fantasie, seltener Krimis. Zuletzt habe ich sehr gerne „Die späte Ernte des Henry Cage“ von David Abbott gelesen.


Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher am liebsten? Per Internet, vor Ort, Bücher?

Da, wo’s die meisten Informationen gibt. Das Internet ist recht gut geeignet, um einzusteigen in ein Thema, aber danach muss man sich ans Quellenstudium machen, man muss viel in Bibliotheken herumsitzen, sich durch große Bücherberge fressen und natürlich auch mal vor die Tür gehen und zumindest die Schauplätze bereisen, die in Reichweite sind. Die Mischung macht’s. Am liebsten ist mir aber tatsächlich die konzentriert stille Arbeit in der Bibliothek.

Warum veröffentlichen Sie unter verschiedenen Namen, obwohl das Genre ähnlich ist?

So ähnlich sind die Genres gar nicht, zumindest nicht für die Verlage. Das ist aber auch nicht schlimm; die Pseudonyme (im Grunde sind beides Pseudonyme) sind ja offen, ich kann ja jederzeit sagen: „Und übrigens, ich schreib auch als XY die Bücher beim Z-Verlag.“ Es geht auch darum, dass ein Autorenname eine Marke ist. Eine Leserin, die vor allem historische Romane liest und einen Juliane-Korelski-Roman kauft, der eben kein historischer Roman ist, könnte schwer enttäuscht werden.

Würden Sie auch mal einen Roman in einem anderen Genre schreiben?

Immer wieder gerne, wobei ich für Krimis einfach kein Talent habe und sie mich schriftstellerisch auch gar nicht interessieren. Im Moment sind einige Projekte in verschiedenen Stadien, die wieder in völlig neue Richtungen gehen. Die werden vielleicht nicht alle realisiert, aber das gehört ja auch dazu: Schubladenbücher hat jeder Schriftsteller.

Wie war Ihr Weg bis Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde?

Ziemlich lang und anstrengend, ehrlich gesagt. Ich glaube, es war Sol Stein, der mal gesagt hat, jemand, dem es mit dem Veröffentlichen so richtig ernst sei, müsse erstmal 10 Jahre schreiben, ehe er dafür gut genug ist. Ich hab nicht ganz zehn Jahre gebraucht, aber es war trotzdem ein langer, beschwerlicher Weg. Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, dass es so lange dauert.

Wissen Sie noch, wie das Gefühl war, als ihr erstes Buch in den Buchhandlungen erschienen ist?

Nicht so ganz – dafür weiß ich noch sehr gut, wie es sich anfühlte, als mein Karton mit den Belegexemplaren kam. Noch im Flur musste ich ihn aufreißen und jedes einzelne Buch befühlen, es auffächern, beschnuppern (jedes Buch riecht anders und die eigenen riechen am allerbesten!) und Stapel bauen, die ich dann staunend betrachtete.

Wann haben Sie angefangen zu schreiben und was hat sie dazu veranlasst?

Angefangen habe ich mit ca. 16 oder 17 Jahren, immer wieder mit Pausen, immer wieder gab es Zeiten, da ich den Wunsch, irgendwann nur noch Bücher zu schreiben, aus den Augen verlor, weil ich auch von einer gehörigen Portion Zweifel geplagt wurde. Aber schreiben kann man nicht einfach irgendwann „bleiben lassen“, es fordert und lässt sich nicht niederringen.

Es gab aber nicht den einen, initialen Moment, nach dem ich dann gesagt habe, ich müsse jetzt unbedingt schreiben. Irgendwie entwickelte es sich, und irgendwie konnte ich mich gar nicht dagegen wehren.

Gibt es einen bestimmten Ort, der Sie am meisten inspiriert beim schreiben?

Ich sitze gerne in Cafés und schreibe; ein ausgewogenes Murmeln um mich herum hilft mir, wenn ich grad so recht nicht weiter weiß beim Schreiben. Zu meinem ersten historischen Roman hat mich die Altstadt von Regensburg inspiriert; wenn man da durch die engen Gassen schlendert, brüllt einen die Vergangenheit förmlich an. Aber ich empfinde es auch als inspirierend, allein daheim am Schreibtisch zu sitzen.

Bevor Sie mit einer neuen Geschichte anfangen, haben Sie dann schon den kompletten Plot fertig, oder entwickelt dieser sich beim schreiben?

Komplette Plots ist was für Feiglinge. *lach* Ach nein. Ich habe lange mit mir gehadert und viel Lebenszeit verschwendet, weil ich glaubte, ich müsse es wie die meisten anderen Autoren machen, die penibel ihre Romane vorher durchplanen und ein Kapitelexposé erstellen. Irgendwann habe ich erkannt: muss ich nicht mitmachen. Es genügt, wenn ich meine Leutchen kenne, wenn ich weiß, wo sie am Anfang stehen und wohin sie marschieren. Was dazwischen passiert, ist ein fließender Prozess, auf den ich mich dann neugierig einlasse. Bisher wurde ich nie enttäuscht. – Vermutlich scheue ich deshalb auch das Krimischreiben. Krimis erfordern doch ein bisschen mehr Vorausplanung, und das scheue ich.

Dürfen wir erfahren, ob schon ein neues Projekt in Arbeit ist und worum es dabei geht?

Augenblicklich schreibe ich keinen neuen historischen Roman; was da als nächstes kommt, wird sich in den nächsten Monaten erst herausstellen. Im Moment bin ich mit meinen anderen Projekten vollkommen ausgelastet.

Manche Autoren berichten davon, dass während des Schreibens Ihre Figuren sich verselbständigen. Ist Ihnen das auch schon passiert?

Ein bisschen dürfen sie das, und es gehört auch zu meiner Arbeitsweise (ohne Kapitelplan und so). Aber sie dürfen jetzt nicht zu sehr aus der Reihe tanzen. Will eine Figur plötzlich in Kapitel 3 sterben, obwohl ich sie noch mal am Ende des Buchs brauche, stehe ich schon mit der Peitsche bereit und erkläre ihr, wer hier der Chef im Ring ist. Manchmal sind diese Ausreißer aber gar nicht so schlecht: sie bringen neue Ideen mit sich.

Welchen Schriftsteller, ob Tod oder Lebendig hätten Sie gerne getroffen.

Ach, Schriftsteller sind eher einsame Zeitgenossen, ich bilde da keine Ausnahme. Ich treffe gerne meine Kollegen auf Messen oder Autorentreffen, aber ich wüsste jetzt niemanden, den ich besonders hervorheben wollte.

Welches Buch dürfte Ihrer Meinung nach in keinem Bücherregal fehlen?

Das Lieblingsbuch. Ich weiß schon, das hat niemand. Ich schon: „Afrika – dunkel lockende Welt“ von Karen Blixen. Zum immerwiederlesen.

Gibt es eine fiktive Figur – egal ob von Ihnen erfunden oder von einem anderem Schriftsteller – die sie gerne treffen würden.

Treffen wir diese Figuren nicht schon in der Fantasie? Nachdem ich „Die Rose der Kreuzritter“ fertighatte, kam es mir so vor, als müsse ich meine kleine Schar im Heiligen Land zurücklassen, und es war der Abschied von guten Freunden. Ich habe diese Menschen so lange begleitet, dass sie wie Familienmitglieder waren, sie waren mir vertraut, ich hatte sie sehr liebgewonnen. Ähnlich ist es bei all den Romanfiguren, die andere Autoren in meiner Fantasie erwachen lassen, wenn ich ihre Bücher lese. Das möchte ich nicht durch eine persönliche Begegnung verwischen; meist sind diese Figuren dann doch völlig anders, als man sie sich selbst vorgestellt hat!

Drei Dinge, ohne die Sie verloren wären…

Mein Notebook (namens Floyd Eliott II.), mein Kopfkissen, gutes Essen.

Bitte ergänzen sie: Schreiben ist…

Schreiben ist Leben.

Herzlichen Dank das Sie sich Zeit genommen haben, die Fragen der Leser zu beantworten.

Die Gewinnerin des signierten Buches ist: Elke H./Peine

Herzliche Glückwünsche!!!

Advertisements

2 Kommentare zu „Interview mit Juliane Koreleski

Wenn du willst, dann schreib doch was dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s