Autoreninterviews

Interview mit Sonja Liebsch und Nives Mestrovic

 

Nives Mestrovic
Sonja Liebsch
Sonja Liebsch

 

Liebe Frau Mestrovic und liebe Frau Liebsch, herzlichen Dank dass Sie sich bereit erklärt haben, die Fragen der Leser zu beantworten.

Mit Muttertier @n Rabenmutter haben Sie beide einen humorvollen Roman geschrieben, der aber auch viel Wahres beinhaltet.

Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

Mestrovic: Die Diskussion um die Frauenquote, der Trend der Unternehmen, Familienfreundlichkeit zu propagieren, die Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis und unsere Auseinandersetzung mit den Themen in E-Mails führten zu Kolumnen, die Sonja schrieb. Die Kolumnen waren so genial, witzig, nachdenklich, zickig, dass die Idee entstand, einen Roman zu dieser Thematik zu schreiben.

Liebsch: Es ist so wie mit allem im Leben. Wenn man sich für ein Thema interessiert, dann hört man plötzlich von allen Seiten etwas darüber, im Bekanntenkreis, beim Friseur, beim Sport. Wir mussten feststellen, dass die Wirklichkeit für berufstätige Mütter bei weitem nicht dem entspricht, was gesetzlich verankert ist und durch die Medien kommuniziert wird. Das Schlimme ist: Dadurch, dass es immer heißt, das die Elternzeit so toll geregelt ist und Mütter ja quasi so wieder einsteigen können, wie sie es leisten können, denkt jede Frau, bei der das nicht funktioniert, dass es an ihr persönlich liegt. Sie glaubt, dass ihr Arbeitgeber sie nicht mehr haben will, weil er mit ihrer Leistung nicht zufrieden ist. Das drückt unglaublich aufs Selbstwertgefühl. Und genau dem wollten wir entgegen wirken. Wir wollen den Frauen zeigen, dass es ganz vielen Müttern so geht und dass es absolut nichts mit ihrer Person oder ihrer Leistung zu tun hat, wenn der Wiedereinstieg nach der Elternzeit nicht so verläuft, wie er geplant wurde. Gleichzeitig möchten wir Mut machen, auch mal andere Wege zu versuchen, nicht zwanghaft am alten Plan festzuhalten, sondern die Krise als Chance für einen Neuanfang zu verstehen.

 

Wie alt sind Ihre Kinder und wer ist die Rabenmutter?

Liebsch: Meine Kinder sind 8 und 4 und ich bin sowohl als auch. Meine Kinder empfinden mich bestimmt als furchtbar ängstliches Muttertier. Auch außenstrukturell habe ich ähnliche Wandlungen durchlebt wie Maxi im Roman. Gleichzeit fühle ich mich aber auch häufig als Rabenmutter, wie jetzt zum Beispiel. Schon wieder musste ich mein Kind vertrösten, dass wir das Puzzel, das er gerade mit mir machen wollte, bestimmt in einer halben Stunde anfangen können. Ich muss nur noch schnell …

Mestrovic: Meine Tochter ist 7 Jahre jung. In meiner Brust wohnen das Muttertier und die Rabenmutter gleichberechtigt nebeneinander und machen mir das Leben in manchen Situationen schwer. Wie Sonja muss ich meine Tochter auch sehr oft vertrösten. „Noch nur kurz die E-Mail. Noch ein kurzes Telefonat. Ach, und nur noch dies und das.“ Das geht jeder Mutter so! Heute bin ich mal richtig entspannt. Es gab Zeugnisse und ich bin verdammt stolz auf meine Tochter, das sie ihren Job gemeistert hat. Sonja und ich müssen uns wirklich auf unsere (kleinen) Kinder verlassen, dass sie ihren Job (Schule!) selbständig machen und wir da nicht andauernd dahinter sein müssen. Diese positiven Entwicklungen geben immer wieder Kraft, alles haben zu wollen und zu können, Familie und Job!

 

Wie haben Sie beide sich gefunden um dieses Buch zu schreiben?

Liebsch: Wir haben uns vor ca. 30 Jahren gefunden, aus den Augen verloren, und schließlich wiedergefunden. Das Leben hat die Vorlage zum Roman geliefert, auch wenn der Inhalt letztendlich erfunden ist.

Mestrovic: Genau. Und ich bin sehr glücklich darüber. Die Freundin aus Kindertage kennt einen immer noch am besten.

 

War es nicht schwierig zusammen zu arbeiten, wenn man soweit auseinander lebt?

Liebsch: Zum Glück gibt es Internet! Vor 15 Jahren wäre der Roman so nicht möglich gewesen. Ein paar gemeinsame Arbeitswochenenden waren natürlich auch dabei.

Mestrovic: Vor 15 Jahren hätten wir uns dann die Post hin- und hergeschickt! Es hätte sicherlich länger gedauert. Das Internet und unsere Notebooks haben es möglich gemacht, das Buch so schnell umzusetzen. Wir können uns aufeinander verlassen und sind beide daran interessiert, dass alles super läuft. Sonja sagt was zu und ich kann 100%ig sicher sein, dass das dann auch so ist. Es gibt da keine Ausreden und das ist toll.

 

Wie lange haben Sie an diesem Roman gearbeitet, bevor er Druckfertig war?

Liebsch: Wir haben ein halbes Jahr geschrieben und dann noch mal ein halbes Jahr daran gearbeitet, bevor er druckreif war.

Mestrovic: Oh ja.

 

Hat jeder von Ihnen einen Teil geschrieben, oder brachte einer die Idee ein und der andere schrieb sie zusammen?

Mestrovic: Wir haben uns sehr lange im Voraus überlegt, welche Themen wir gerne ansprechen möchten, haben uns einen Fahrplan angelegt und jede hat für sich los geschrieben. Ich habe Sonjas Kapitel und sie hat meine gelesen. Ich habe einige Kapitel auch schon mal ganz in die Tonne gekloppt und dann wieder ganz neu geschrieben.

Liebsch: Nives hat den Teil der Hanna geschrieben, ich den der Maxi. Das gleiche gilt für die E-Mails. Der Roman sollte authentisch, aus dem Leben gegriffen, sein und dieses Ziel erschien uns so am besten realisierbar. Die unterschiedlichen Charaktere der Frauen kommen beim Lesen gut heraus, weil auch Nives und ich sehr unterschiedlich sind.

 

Wie viel Autobiografie steckt in diesem Roman?

Mestrovic: „Wie aus dem Leben gegriffen“ meinte letztens eine Leserin. Das sollte es auch sein. Es ist aus dem Leben gegriffen, aus fiktiven Leben zweier Freundinnen, Frauen und Mütter. Es ist wie ein Film. Da sind die Schauspieler ja auch nur Darsteller. Uns ist es wichtig, dass unsere Protagonisten zum Anfassen sind. Es sind Maxi und Hanna und jede Frau hat Unterstützung. Maxi hat ihren Mann und ihre Freundin, Hanna hat ihre Vermietern und ihren Bruder. Aber die Menschen, die unterstützen sind nur Beispiele dafür, dass es ohne Unterstützung, egal in welcher Form, einer Mutter und Frau nicht möglich ist, erfolgreich nach vorne zu gehen. Die Unterstützung könnte auch der Staat in Form von vernünftigen Gesetzen regeln, die Elternzeit und Wiedereinstieg möglich machen.

Liebsch: Wie gesagt: Die Vorlage hat das Leben geschrieben. Dennoch ist der Inhalt erfunden. Allerdings sind uns die beiden Hauptfiguren nicht fremd. Es steckt schon sehr viel Sonja in Maxi und ich denke, dass ich in ähnlichen Situationen ungefähr so denken und handeln würde wie Maxi.

 

Wurden Sie schon von Freunden und Bekannten darauf angesprochen und hat sich jemand selbst darin entdeckt?

Liebsch: Ich werde häufig gefragt, ob der Ehemann von Nives tatsächlich gestorben ist. Dieses Kapitel ist wirklich sehr bewegend geschrieben. Ich musste selbst weinen, als ich es gelesen habe, obwohl ich ja wusste, dass es nicht der Realität entspricht.

Mestrovic: Hahahaha, ja genau! Da sind echt alle geschockt gewesen, dass ich das durchlebt haben soll. Nein, natürlich ist mein Mann nicht gestorben. Hannas Mann ist gestorben, weil ich die Figur einer „alleierziehenden“ Person brauchte, und wir wollten keine Scheidung und Beziehungspunk. Und ich wurde auch oft gefragt, wer denn Lieschen sei. Die gibt es so in der Person auch gar nicht. Sie ist auch eine Phantasiefigur wie die Personen in unserem Roman. Wir haben ihnen ein Leben gegeben und Worte in den Mund gelegt, wie Drehbuchautoren es ja auch tun.

 

Wie ist das Gefühl, wenn in der Buchhandlung plötzlich ein Buch mit dem eigenen Namen drauf ausliegt?

Mestrovic: Unser gemeinsames Baby war erschienen und ich war froh, dass es endlich fertig war. Heute ist es immer noch ein komisches Gefühl, das eigene Buch in die Hand zu nehmen. Zudem kommt noch die Freude, dass das Feedback so super ist.

Liebsch: Da muss ich an diese uralte Werther’s-Bonbon-Werbung denken: „…Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, als ich das erste Bonbon von meinem Großvater bekam…“. Ich kann mich auch noch ganz genau an den ersten Moment mit unserem Roman in der Öffentlichkeit erinnern. Es war in der Bahnhofsbuchhandlung in Stuttgart. Da lagen wir zwischen Kerstin Gier und Kerstin Hohlfeld, die ihren Glückskekssommer ja auch im Gmeiner-Verlag veröffentlicht hat und ich musste sofort ein Foto mit meinem Handy machen. Das war für mich der schönste Augenblick, als ich realisiert habe: Das ist echt. Wir haben nicht nur ein Buch geschrieben, dass wir in die Hand nehmen können, nein, das wird auch noch in ganz echten Buchhandlungen verkauft. Zur Freude hat sich aber auch schnell Angst gesellt. Ich habe gedacht: ‚So, jetzt ist es draussen. Jetzt kann es jeder lesen, auch meine Freunde, auch die, die viel lesen. Wie werden sie es finden?’ Ich war wirklich sehr nervös vor den ersten Bewertungen der Menschen, die mir wichtig sind. Erst, als die ersten positiven Rückmeldungen kamen, war ich auch stolz auf unser Werk.

 

Haben Sie den Erscheinungstermin gefeiert?

Liebsch: Nach unserer ersten Lesung in Mönchengladbach haben wir gemeinsam mit unseren Familien in einem Restaurant gefeiert. Das war fast so schön wie die Grillfeier am Ende unseres Romans. Ich liebe Happy-Endings, im Roman und auch im wirklichen Leben!

Mestrovic: Ja, das Essen war super. Dieses Mal haben aber unsere Kinder kein Glas Cola umgekippt. Dafür hat dann ein Erwachsener gesorgt. War schon lustig.

 

In welcher Umgebung sind Sie beim Schreiben am kreativesten?

Mestrovic: Ich mache mir oft Notizen, wenn ich unterwegs bin. Ich höre mir auch gerne alle möglichen Lebensgeschichten an. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ein Interviewer den Menschen alles aus der Nase raus zu ziehen.

Liebsch: Wie ein Schwamm sauge ich Ideen überall auf, wo ich bin und drücke sie dann zu Hause in meinem Arbeitszimmer am PC wieder heraus. Hier arbeite ich in der Tat am Liebsten. Nicht irgendwo ganz romantisch im Grünen. Da lenkt mich zu viel Schönes vom Schreiben ab.

 

Wann schreiben Sie am liebsten?

Mestrovic: Nachts! Wenn es still ist!! Tagsüber kann ich nur ruhig arbeiten, wenn mir ein Kopfhöher auf die Ohren setze und Musik laufen lasse.

Liebsch: Sonntags, wenn mein Mann mit den Kindern einen Ausflug macht und ich das Haus für mich allein habe.

 

Haben Sie beide ein neues Projekt in Arbeit?

Liebsch: Ich möchte gerne mit meiner Maxi weiterschreiben, habe den halben Roman schon im Kopf (es passiert ja so viel mit Kindern!), aber momentan bin ich voll mit der Organisation unserer Lesungen beschäftigt.

Mestrovic: Oh ja, Hanna kann noch so einiges erleben. Auch für Lieschen fallen uns schon jetzt witzige Dinge ein. Aber im nächsten Roman lassen wir keinen sterben. Versprochen!

 

Frau Liebsch, sie haben schon Spiele erfunden. Wie heißen diese?

Liebsch: Kreuzverhör und Kunststück. Beides sind Krimi-Kartenspiele. Bei Kreuzverhör muss man ein Verbrechen aufklären, bei Kunststück wird man selbst zum Verbrecher und muss möglichst wertvolle Gemälde stehlen. Ich habe sie unter meinem Mädchennamen Sonja Klein veröffentlicht.

 

Werden Sie beide auf der Frankfurter Buchmesse anwesend sein?
Liebsch: Nachdem wir im Oktober schon zwei Wochen auf Lesereise sind, werde ich wohl auf einen Besuch bei der Buchmesse verzichten. Da ist mir die Familie einfach wichtiger.

Mestrovic: Vielleicht schaue ich kurz vorbei. Das entscheide ich spontan gemeinsam mit meiner Tochter.

 

Drei Dinge, ohne die Sie verloren wären?
Liebsch: Meine Familie (obwohl die natürlich nicht zu Dingen zählt, aber sie ist das Wichtigste in meinem Leben), meine Freunde (ich häng echt nicht so an Dingen), ein gutes Frühstück (wenn ich das nicht habe, ist vor allem mein Umfeld verloren ;-))

Mestrovic: Klar ist Familie das Wichtigste. Drei Dinge, die ich täglich noch benötige sind:

1. mein morgendlicher „Wach auf Kaffee!“, 2. mein Notebook und 3. Internetzugang!

Wir bedanken uns für das Interesse und die tollen Fragen. Es hat große Freude gemacht, sie zu beantworten! Liebe Grüße, Sonja und Nives

©Tine Schweizer

Die Gewinnerin ist: Elke H./Peine

Herzliche Glückwünsche!!!

_________________________________________________

Muttertier @n Rabenmutter auf Facebook

Nives Mestrovic auf Facebook

Sonja Liebsch auf Facebook

Lesungstermine

Do., 18.8.2011, Beginn: 19:00 Uhr
Lesung mit Sonja Liebsch in Bingen
VHS Bingen – Ida-Dehmel-Saal, 55411 Bingen Bingen Bingen, Freidhof 11
Do., 15.9.2011, Beginn: 20:00 Uhr
Lesung mit Sonja Liebsch in Goch
Buchhandlung Völcker, 47574 Goch, Steinstraße 5-7
Do., 20.10.2011, Beginn: 19:00 Uhr
Lesung mit Sonja Liebsch & Nives Mestrovic in Oelsnitz
Stadtverwaltung Oelsnitz / Erzgebirge, 09376 Oelsnitz, Rudolf-Breitscheid-Str. 1
Fr., 21.10.2011, Beginn: 19:00 Uhr
Lesung mit Sonja Liebsch & Nives Mestovic in Sonneberg
Stadtbibliothek , 96515 Sonneberg, Bahnhofsplatz 1
________________________________
Meine Rezension zu
Advertisements

3 Kommentare zu „Interview mit Sonja Liebsch und Nives Mestrovic

  1. Dankeschön, heute kam das Buch direkt vom Verlag mit paar netten Kleinigkeiten. Ich freue mich schon aufs Lesen.
    LG von Elke

Wenn du willst, dann schreib doch was dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s