Autoreninterviews

Interview mit Corina Bomann

Liebe Frau Bomann,

lange Zeit haben Sie vor allem die jüngeren Leser mit ihren Romanen unter dem Pseudonym Cora Berg erfreut. Wie kamen Sie zu dem Wechsel auf Historische Romane für Erwachsene?

Es ist tatsächlich so, dass die Historischen Romane für Erwachsene eher da waren als Cora Berg. Dazu gibt es eine hübsche Geschichte. Eigentlich hatte ich das Manuskript zu meinem ersten Roman „Die Spionin“ außer an meine Agentin auch an den Ueberreuter-Verlag geschickt, mit dem Vorsatz, demjenigen den Zuschlag zu geben, der sich zuerst meldete. Gegen meine Agentin hatte der Verlag leider keine Chance, denn sie meldete sich bereits einen Tag später und kurz darauf war ich dort unter Vertrag und mein Manuskript wanderte zu Knaur. Als sich die Ueberreuter-Leute meldeten, weil sie die Spionin wollten, war die schon weg, aber nach einem kurzen Gespräch mit der Lektorin stellte sich heraus, dass Mädchenromane gesucht werden. Als ich gefragt wurde, ob ich Lust dazu hätte, habe ich ja gesagt. Leider sind mittlerweile die Mädchenromane ohne Phantastik nur noch wenig gefragt und so wurde Cora Berg erst einmal stillgelegt.

 Nicht nur ihre Historischen Romane, sondern auch ihre historischen Jugendromane finden großen Anklang. Gibt es einen großen Unterschied für Sie beim Schreiben dieser beiden Sparten?

Die Unterschiede sind nicht besonders groß. Egal, ob man einen historischen Roman für Jugendliche oder Erwachsene schreibt, man muss auf eine spannende Story achten, den historischen Hintergrund korrekt wiedergeben und eine Identifikationsfigur für den Leser oder die Leserin schaffen.

Ich schreibe Jugendbücher nicht bewusst einfacher, allerdings halte ich mich bei Jugendbüchern mit Gewaltschilderungen ein wenig zurück. Es ist wichtig, dass die Kinder mitbekommen, dass es Böses auf der Welt gibt, aber die hässlichen Details sollten nicht überwiegen. Mittlerweile hat sich in den Jugendbüchern aber auch eine Trendwende vollzogen. Themen wie Sex und Gewalt kommen bereits in Büchern der Altersstufe 12 vor, von daher versuche ich mittlerweile auch, ein wenig freizügiger mit diesen Themen zu sein, was man besonders bei den Sephira merkt.

 Haben Sie noch mehr Pseudonyme, mit denen Sie unterwegs sind?

Ja, so einige, aber von denen sind manche schon nicht mehr aktiv und über die Aktiven darf ich nicht sprechen. Eines, das ich offen gelegt habe, war Allison Farrell, doch unter dem Namen wird es bei dem einen historischen Liebesroman bleiben, weil ich mich mittlerweile anderen Themen zugewandt habe.

 Wie versetzen Sie sich in eine andere Zeit? Wie lange dauern ihre Recherchen und wie gehen Sie dabei vor?

In eine andere Zeit zu versetzen fällt mir eigentlich recht leicht, dazu brauche ich kaum Hilfsmittel. Beim Schreiben höre ich aber zum Thema passende Musik, also Soundtracks, Rock und manchmal auch Orientalisches, das besonders bei den Sephira. Mittelaltermusik finde ich auch sehr gut, wo es passt, beflügelt es mich beim Schreiben. Ansonsten gehe ich eher wissenschaftlich an die Recherche heran. Erst mal alles zum Thema aufspüren, dann lesen und die besten Stellen markieren. Im Gegensatz zu einem Historiker interessieren mich allerdings die Kleinigkeiten besonders, Fakten darüber, wie die Menschen gelebt haben und was Schräges, nicht Alltägliches passiert ist. Das landet meist in meinen Geschichten.

Mochten Sie Geschichte schon früher als Fach in der Schule?

Oh ja, es war neben Deutsch und Kunst mein Lieblingsfach. Als Kind schwärmte ich bereits für alte Schlösser und historische Filme, da konnte ich es gar nicht abwarten, endlich Geschichte als Unterrichtsfach zu bekommen.

Warum gerade historische Romane?

Weil mich historische Persönlichkeiten – reale und fiktive – einfach faszinieren. Sollte jemals die Möglichkeit für Zeitreisen gefunden werden, bin ich die erste, die solch eine Reise bucht. Ich bin von Natur aus sehr neugierig und mich reizt es einfach, mir vorzustellen, wie die Menschen, von denen bestenfalls nur Gemälde übrig geblieben sind, gelebt haben. In meinen Büchern versuche ich sie wieder zu erwecken, auch jene, von denen nur ganz wenige bis keine Spuren geblieben sind.

Sephira kommt auch sehr gut bei den Lesern an. Hätten Sie erwartet, dass dies so ein Erfolg wird?

Ich habe gehofft, dass das Buch gut bei den Lesern ankommt – ja regelrecht gebibbert habe ich vor den ersten Rezensionen, denn ich habe mich vom ersten Gedanken an in die Sephira verliebt und bin ein ganz furchtbares Fangirl meiner eigenen Figuren. Vor allem Sayd und Jared haben es mir schwer angetan. Und Laurina, die viele meiner eigenen Züge in sich trägt. Über das positive Echo habe ich mich sehr gefreut, allerdings würde ich mir wünschen, dass die Serie noch mehr Leser erreicht, denn trotz der guten Rezensionen sind die Verkaufszahlen immer noch arg verbesserungswürdig. Aber JK Rowling wurde auch erst mit dem 3. Harry Potter sehr erfolgreich. 😉

Wie viele Teile der Sephira – Reihe haben Sie geplant?

Bisher habe ich 7 historische Bände und einen Band in der Gegenwart geplant. Außerdem ist mir vor kurzem die Idee für eine Biografie Sayds gekommen. Solche Biografien könnte man zu jedem Charakter machen, denn in den Büchern werden ja nur Schlaglichter auf ihre Geschichten geworfen. Jetzt hängt alles vom kommerziellen Erfolg ab, sollte der Verlag damit weitermachen wollen, bin ich mit meinen Ideen jederzeit zur Stelle.

Sie mischen Fantasy und Geschichte in dieser Reihe. Wie kommt man auf diese Idee?

Das ist eigentlich gar nicht so abwegig, denn jede fantastische Welt trägt Züge der realen Menschenhistorie mit sich. Fast immer sehen die Fantasy-Recken wie Ritter aus, die Reiche sind feudal organisiert mit König usw. Auftretende Zauberer finden in der realen Historie ihr Gegenstück in Wahrsagern und Alchemisten. Kriege haben in der Fantasy-Welt die gleichen Ursachen wie auf der Erde. Fantasy wird nun mal von Menschen geschrieben und deshalb, vielleicht auch unbewusst, lassen Autoren diese Einflüsse einfließen. Allein schon „Dracula“ ist so gesehen auch so etwas wie historische Fantasy, denn den Karpartenfürsten gab es wirklich.

Mich hat bei den Sephira der Gedanke fasziniert, Wesen zu erschaffen, die durch sämtliche Epochen der Geschichte gehen können. Was könnte man alles tun, wenn man unsterblich wäre! Von daher war die Verbindung zwischen Fantasy und Historie sofort da.

Wissen Sie schon wie die Geschichte um Laurina und Gabriel enden wird, oder entwickelt sich der Plot erst beim Schreiben?

Oh, ich weiß schon sehr genau, wie die Geschichte enden wird. Wie die kleinen Wege meiner Figuren aussehen, weiß ich natürlich nicht, aber sie folgen einem großen Pfad, der zu einem bestimmten Ziel führt – und der ist mir durchaus bekannt.

Glauben Sie an Astrologie? Was ist Ihr Sternzeichen?

Mein Sternzeichen ist Fische, jedenfalls mein abendländisches. Mein chinesisches Sternzeichen ist der Tiger. Ich bin also ein Tigerfisch. Oder so. 😉

An Vorhersagen glaube ich nicht, wohl aber, dass die Menschen bestimmte Eigenschaften tragen, die ihnen das Sternzeichen andichtet. So sollen Fische sanft, verträumt und kreativ sein, das bin ich. Schaut man auf die chinesische Astrologie, so sind Tiger entschlossen, stur, ungeduldig und wahrheitsliebend. Auch das bin ich. Sogar die negativen Aspekte der Sternzeichen kommen bei mir zum größten Teil hin.

Glauben Sie, dass Ihr Sternzeichen etwas mit der Art der Bücher zu tun hat, die Sie schreiben?

Ich glaube schon, dass mein Sternzeichen etwas damit zu tun hat, dass ich überhaupt Bücher schreibe. Natürlich gibt es aus jedem Sternzeichen Schriftsteller, doch ich habe als Kind schon sehr früh angefangen, Geschichten zu erträumen. Da Fische Träumer sein sollen,  musste es ja so kommen. 😉

Welches Buch dürfte Ihrer Meinung nach in keinem Bücherregal fehlen?

Oh, diese Frage ist schwierig, weil jeder einen anderen Geschmack hat. Ich bin der Meinung, dass jeder einmal Jane Austen („Stolz und Vorurteil“ oder „Emma“) gelesen haben sollte, „Der Fechtmeister“ und „Der Schlachtenmaler“ von Arturo Perez-Reverte sind mir persönlich sehr wichtig. „Die drei Musketiere“ sollte jeder kennen, Fantasy-Fans sollten unbedingt „Frankenstein“ von Mary Shelley und „Dracula“ von Bram Stoker kennen. Das nur mal als kleine Beispiele.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Gab es (im positiven Sinne) ein einschneidendes Erlebnis, das Sie dazu gebracht hat?

Das einschneidende Erlebnis war vielleicht, dass ich eine Tierdokumentation über Afrika gesehen habe und dort von den Kameraleuten ein Vogelküken gefilmt wurde, das den Anschluss zu seiner Mutter verloren hatte und langsam verdurstet ist. Ich war darüber so sauer, dass ich die Geschichte dieses Kükens mit meinen gerade mal 8 Jahren umgeschrieben habe. Dabei merkte ich, wie viel Spaß das Schreiben machte und so wagte ich mich auch daran, meine während langweiliger Schulbusfahrten erfundenen Geschichten niederzuschreiben. Irgendwann wurde ich Fan von Vampiren und habe dann mit 14 meinen ersten 600seitigen Roman geschrieben – der sanft in seiner Gruft, äh… Schublade ruht.

Fiel ihnen Ihr erstes Buch schwer oder hatte sie so viele Ideen und einen genauen Plan, dass sie keine Schwierigkeiten mit dem Schreiben hatte?

Mein allererstes unveröffentlichtes Buch fiel mir ebensowenig schwer wie mein erster veröffentlichter Roman „Die Spionin.“ Wenn ich erst einmal an einem Thema oder einem Charakter gefallen gefunden habe, sind die Ideen sehr schnell da und ich kann innerhalb weniger Stunden ein Exposé aufsetzen.

War es einfach einen Verlag für Ihre Bücher zu finden?

Nein, es war doch recht schwer. Seit ich 16 war habe ich versucht, an einen Verlag ranzukommen, ich habe Manuskripte verschickt, Exposés, doch alles wurde abgelehnt (im Nachhinein betrachtet zu Recht). Schließlich, als ich schon fast verzweifelt war, schickte ich eine Kurzgeschichte an Bastei, damals gab es noch die Möglichkeit, Lesergeschichten für die John Sinclair-Hefte zu veröffentlichen. Diese Geschichte bekam ich völlig zerlegt wieder – allerdings wurde sie veröffentlicht und der Lektor rief mich an, ob ich nicht gern mehr schreiben würde. So wurde ich entdeckt, aus Kurzgeschichten wurden Heftromane und schließlich Bücher. An die Bücher bin ich über meine Agentin herangekommen. Mit einer Agentur ist das Autorenleben wesentlich entspannter, die einzige Schwierigkeit ist, eine Agentur zu finden.

Welchen Tip würden Sie angehenden Autoren geben, die Ihr Buch veröffentlichen möchten?

Verlasst euch bei euren Geschichten nicht auf das Urteil eurer Verwandtschaft (die will euch nämlich nicht verletzen). Sucht euch unabhängige Testleser, akzeptiert Kritik, nehmt sie niemals persönlich und lernt daraus. Gebt niemals auf und sucht euch eine Agentur. Wenn Agent/Lektor an eurem Text herumkrittelt, ihn sogar zerlegt, seid kompromissbereit, auch wenn es weh tut, denn diese Menschen haben mehr Erfahrungen als ihr und dass sie sich mit euch abgeben heißt, dass ihr gar nicht so schlecht seid.

Seid wendig in euren Themen, verbeißt euch nicht in eines. Manche Themen sind momentan gefragt, manche nicht, aber jedes, das nicht gefragt ist, kann mal in Mode kommen, also aufheben und erst mal was anderes machen. Ich habe schon sehr viele andere Genres als Historische Romane geschrieben (Mystery, Western, Krimi, Liebesromane, Mädchenbücher) die Erfahrungen helfen sehr beim Lieblingsthema. Und seid stets freundlich und nicht großspurig, wenn ein Lektor euch anruft. Lektoren schätzen selbstbewusste Bescheidenheit.

Es werden immer mehr Schreibkurse von verschiedenen Autoren, Lektoren und anderen angeboten. Was halten Sie davon?

Ich finde, dass Schreibkurse eine gute Sache sind, allerdings habe ich nie einen besucht. Manche Menschen brauchen einen Anstoß, um das Durcheinander in ihrem Kopf zu ordnen. Auch meine ersten Geschichten waren manchmal ein bisschen konfus (was ich damals aber nicht so gesehen habe).

Meine Schreibschule war das Schreiben von Heftromanen von Bastei. Mein Lektor hat gnadenlos alles zerpflückt, was Mist war, aber mir dennoch eine Chance gegeben, und so habe ich beim Schreiben von Mystery- und Westernheften meinen Stil ausprobieren können und gelernt, wie man einen Spannungsbogen erzeugt, Humor in eine Geschichte bringt und den Leser nach einer aufreibenden Szene wieder etwas „abkühlt“.

Nicht jeder will oder kann diesen Weg gehen, ich glaube, Schreibkurse erfüllen einen ähnlichen Zweck und sind somit legitim.

In wie fern haben Sie sich im Laufe Ihrer Autorenkarriere entwickelt?

Ich glaube, ich schreibe mittlerweile ein wenig anders als noch zu Anfang, meine Geschichten werden reichhaltiger und runder und ich bin routinierter. Auch bin ich ein wenig ruhiger geworden – meistens, denn einige Sachen entfachen immer noch meine Ungeduld.

An welchem Ort schreiben Sie am liebsten?

Am liebsten in meinem Gartenhaus, aber da hatte ich in diesem Sommer ein wenig Pech. Ich kann eigentlich überall schreiben, in der Küche und in meinem Arbeitszimmer komme ich immer sehr gut voran. Aber das Gartenhaus ist schon etwas Besonderes.

Was ist ihr aktuelles Projekt und welche Bücher können wir noch von Ihnen erwarten? Gibt es hier Pläne?

Oh, es gibt sehr viele Pläne. Im kommenden Jahr wird ein neuer Erwachsenenroman von mir erscheinen, außerdem im Frühjahr ein neuer Jugendroman, im kommenden Sommer Sephira 3. Und der Ideenberg wächst und wächst und wächst … (Und im Geheimen gehen noch weitere tolle Dinge vor sich, zu denen ich jetzt aber noch nichts sagen darf.)

Werden Sie auf der Frankfurter Buchmesse sein?

Ja, in diesem Jahr werde ich am Freitag und Samstag dort anzutreffen sein und mich vorwiegend am Ueberreuter-Stand aufhalten, wo gute Chancen bestehen, mich zu treffen.

Bitte ergänzen Sie: Vergangenheit ist….

… das Lebenselixier der Zukunft.

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben um die Fragen zu beantworten.

Immer gern wieder! Ich danke für diese Möglichkeit.

Die Gewinnerin des signierten Exemplars von Sephira – Ritter der Zeit ~ Das Blut der Ketzer ist Martina W./Köln. Herzliche Glückwünsche!

©Tine Schweizer

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