Autoreninterviews

Interview mit André Marx

 Lieber Herr Marx,

Die Drei ??? sind ja schon fast Klassiker! Haben Sie diese als Kind selber gelesen?

Aber selbstverständlich! Mein erstes Buch war „Der sprechende Totenkopf“ – es folgten viele andere. „Die drei ???“ waren damals Pflichtprogramm!

Wie kam es dazu, dass Sie für diese Reihe geschrieben haben?

In einem Anfall von Nostalgie kramte ich mit Anfang 20 meine alten Bücher und Hörspiele wieder heraus und fragte mich, ob es „Die drei ???“ eigentlich noch gibt. Schnell stellte ich fest, dass nach wie vor neue Bücher herauskamen – geschrieben von einer deutschen Autorin. Das erstaunte mich, da ich die Reihe von früher nur als Übersetzungen aus dem Amerikanischen kannte. Ich fragte beim Kosmos-Verlag nach und erfuhr, dass die Reihe in Amerika eingestellt worden war, der Verlag aber die Erlaubnis bekommen hatte, die Serie in Deutschland weiterführen zu dürfen. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich: Das kann ich auch! Und schrieb relativ schnell und kurzfristig mein erstes drei-???-Manuskript. Der Verlag war interessiert, und als die damals aktuelle Autorin kurz darauf aufhörte, stieg ich ein.

Kennen Sie „Die drei ??? Kids“ und wenn ja, wo sehen Sie die Unterschiede zu den Original „Die drei ???“?

Ich kenne die Reihe passiv sehr gut, weil ich mit einem der beiden Autoren (Boris Pfeiffer) gut befreundet bin. Gelesen habe ich aber noch nicht so viele Bände. Der Hauptunterschied ist natürlich der, dass die „Kids“ für ein jüngeres Lesepublikum konzipiert sind. Das heißt, die drei Hauptfiguren sind jünger, einige der etablierten Dinge, Orte und Figuren aus der Originalreihe existieren noch nicht, die Geschichten sind kürzer, und die Bücher sind illustriert. Inhaltlich lösen Justus, Peter und Bob auch bei den „Kids“ als Detektivteam nach wie vor Fälle. Allerdings sind die etwas verspielter und fantastischer als in den Klassikbänden. Spaß und Spannung stehen hier auf einer Stufe, während bei Ur-Serie die Spannung deutlich Vorrang hatte und hat. Ich finde, der „Kids“-Ableger hat sich im Laufe der Reihe zu einer sehr schönen, eigenständigen Reihe entwickelt, was ich am Anfang nicht vermutet hätte.

Haben Sie die Sprecher der Hörspiele schon selbst getroffen?

Ja, habe ich. Bei der einen oder andere Feierlichkeit rund um die drei ??? sind wir uns schon einige Male über den Weg gelaufen. Am besten kenne ich „Justus“ Oliver Rohrbeck und „Bob“ Andreas Fröhlich. Jens Wawrczeck bin ich noch nicht so oft begegnet, wahrscheinlich, weil der nicht wie Oliver, Andreas und ich in Berlin lebt.

Sind noch mehr dieser drei-???-Bücher von Ihnen geplant?

Mein letztes Buch der Reihe ist 2007 erschienen, seitdem habe ich kein weiteres Buch für die drei ??? mehr geschrieben, weil mir nach 27 Büchern ein wenig die Ideen ausgingen, zumindest die originellen. Aber das kann sich ja noch mal ändern. Derzeit ist allerdings nichts in dieser Richtung geplant.

Warum haben Sie sich gerade auf das Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern spezialisiert?

Das war nichts, was planvoll geschah, es hat sich einfach so ergeben. Mit einem Jugendbuch hatte ich meinen ersten Erfolg, also bin ich erst mal dabei geblieben. Irgendwie hat es sich in den ganzen Jahren nicht ergeben, auch mal was für eine andere Zielgruppe zu schreiben. Auch das kann sich noch mal ändern, aber gleichzeitig macht mir das Schreiben für Kinder und Jugendliche ganz einfach auch großen Spaß.

Ist eine Zusammenarbeit mit einem anderem Autor (Beispiel bei Das wilde Pack) schwieriger, als wenn man eine Geschichte alleine schreibt?

Nein und ja. Zum einen ist es viel leichter, eine Geschichte zu zweit zu schreiben. Man hat ein Gegenüber, das einem sofort sagt, ob eine Idee, eine Figur, ein Kapitel, eine Wendung, ein Spannungsbogen oder ein einzelner Satz etwas taugt oder nicht. Gleichzeitig schreibt derjenige ja auch selbst, die Geschichte wächst also, ohne dass man etwas macht. Man kommt somit viel schneller zu brauchbaren Ergebnissen, als wenn man allein vor sich hinwurschtelt.

Gleichzeitig sind wir uns natürlich nicht immer einig. Und setzen uns wegen einer Idee, einer Figur, eines Kapitels, einer Wendung, eines Spannungsbogens oder eines einzelnen Satzes manchmal sehr lange auseinander.

Insgesamt überwiegen aber die Vorteile. Das Ergebnis ist am Ende besser, weil wir uns ständig gegenseitig lektorieren. Allerdings darf man nicht glauben, dass es schneller geht, ein Buch zu zweit zu schreiben. Das ist ein Trugschluss. Bestimmte Prozesse werden beschleunigt. Andere dafür verlangsamt. Es dauert also etwa genauso lange wie allein zu schreiben.

Haben Sie schon mit den Gedanken gespielt, auch Bücher für „Erwachsene“ zu schreiben?

Sehr schön finde ich die Anführungszeichen in dieser Frage, obwohl das wahrscheinlich gar keine Absicht war. „Erwachsene“ – wer sind eigentlich diese Menschen, von denen immer wieder die Rede ist? 😉

Da es nie mein erklärtes Ziel war, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, kann ich es mir sehr gut vorstellen, für ein erwachsenes Publikum zu schreiben. Aber ich bin bislang noch nicht dazu gekommen, diese Ideen auch umzusetzen. Für Kinder und Jugendliche zu schreiben, macht mir Spaß. Mir würde es vermutlich auch Spaß machen, für Erwachsene zu schreiben. Wahrscheinlich gibt es da sowieso kaum einen Unterschied. Eine Geschichte ist eine Geschichte. Die kann ich mit kindlichen, jugendlichen oder erwachsenen Helden erzählen. Ich kann brutal und ausfallend werden oder mich zurückhalten. Ich kann die Sätze etwas länger und komplizierter machen und Fremdwörter benutzen oder einen einfacheren Stil wählen. Ich finde den Unterschied nicht so riesig.

Manchmal wird die eine oder andere Stimme laut, das Autoren von Kinderbüchern nicht genauso anerkannt sind, wie die von Erwachsenen. Was ist Ihre Meinung hierzu?

Ich höre das auch manchmal von Kollegen, aber mir selbst gegenüber wurde diese Geringschätzung noch nie geäußert. Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Bücher für Kinder und Jugendliche schreibe, ist mein Gegenüber in der Regel sehr angetan. Und was die Anerkennung angeht – die Frage ist doch, von wem man anerkannt wird, von wem man anerkannt werden möchte und ob das alles überhaupt wichtig ist. „Die drei ???“ werden niemals ihren Weg ins Feuilleton der FAZ finden (es sei denn, es wird mal wieder die Nostalgie-Popkultur belächelt). Gleichzeitig findet Günther Grass bei Grundschülern auch keine besondere Anerkennung. Na und? Schwierig finde ich lediglich, dass manche Leute glauben, es sei wichtig, was im Feuilleton der FAZ steht. Andererseits wiederum kann ja jeder glauben, was er will. Mir geht dieses Anerkennungsthema am Allerwertesten vorbei, solange es irgendwelche Menschen gibt, denen meine Bücher Freude bereiten. Denn Bücher zu schreiben so ganz ohne Publikum ergibt ja auch wenig Sinn. Ob dieses Publikum nun allerdings alt oder jung ist, ob es das Feuilleton der FAZ liest oder die Bravo – das ist mir total egal.

Was ist Ihre nächste Planung in punkto Schreiben? Bzw. arbeiten Sie gerade an einem neuen Projekt?

Zurzeit herrscht leider etwas Leere in meinem Kopf. Ich habe mich in den letzten eineinhalb Jahren mit einem größeren Projekt beschäftigt, das ich aber kürzlich schweren Herzens begraben musste. Jetzt suche ich erst mal wieder nach neuen Ideen.

Wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen?

Indem ich geschrieben habe. Es hat mir seit dem Tag, an dem ich alle 26 Buchstaben gelernt hatte, Spaß gemacht. Ich wollte immer Schriftsteller werden. Und ich kann sehr hartnäckig sein, wenn ich etwas will.

Wie lange schreiben Sie an einem Buch?

Das kommt natürlich sehr aufs Buch an. Sowohl auf den Umfang, als auch auf die Geschichte selbst und die Frage, wie kompliziert sie ist bzw. wie gut ich vorbereitet bin. Wenn alles flüssig läuft und ich über keine grundlegenden Probleme stolpere, kann ich ein drei-???-Buch in einem Monat schreiben. Wenn es nicht flüssig läuft und ich auf Seite 100 plötzlich feststelle, dass ich die ganze Zeit meine Augen vor wichtigen Fragen verschlossen habe, können daraus schon mal drei, vier oder fünf Monate werden.

Haben Sie in der Familie auch junge Testleser?

Ja, aber die aktiviere ich nur höchst selten, etwa bei ganz neuen Sachen, die ich so vorher noch nie gemacht habe. Für den ersten Band von „Das Wilde Pack“ hatten wir eine Reihe von Testlesern, weil zumindest ich mich in der angepeilten Alterszielgruppe noch nicht so sicher fühlte. Ansonsten verlasse ich mich weitgehend auf mich selbst.

Lesen Sie auch heute noch gerne Kinderbücher?

Sehr gerne sogar, wobei ich eher Richtung Jugendbuch tendiere.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Damals wie heute und wahrscheinlich bis ans Ende meiner Tage: „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Weil ich jedes Mal etwas Neues darin entdecke.

Bitte ergänzen Sie: Lesen ist…

unerlässlich, bevor ich das Licht ausmache.

Herzlichen Dank, für das Beantworten aller Fragen!

Es war mir eine Freude!

©Tine Schweizer

Ein Kommentar zu „Interview mit André Marx

  1. Vielen Dank für das Interview.
    In der Tat sehr schade, dass André Marx aktuell keine vernünftigen Ideen für DDF hat. Nach wie vor mein deutscher Lieblingsautor bei dieser Serie.

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