Autoreninterviews

Interview mit Jeanine Krock

Liebe Frau Krock, herzlichen Dank das Sie sich die Zeit nehmen für dieses Interview. Vor kurzem ist Ihr neuester Roman „Flügelschlag“ erschienen. Damit begeben Sie sich auf eine neue Ebene der paranormalen Romane.

Liebe Fragende, herzlichen Dank für dieses überwältigende Interesse. Zum Glück habe sich einige Schwerpunkte herauskristallisiert, auf die ich mich konzentrieren werde …

Wie kamen Sie auf die Idee über Engel zu schreiben, was ist so faszinierend an Engeln und Vampiren und was hat sie dazu inspiriert von Vampiren zu Engel als Hauptprotagonisten zu wechseln?

Ich mag das Mysthische und magische Geschöpfe wie Feen, Zauberinnen, Drachen und eben auch Vampire lagen mir schon immer am Herzen.

Die Idee zu Flügelschlag kam mir vor einigen Jahren beim Betrachten einer außergewöhnlichen Luzifer-Statue in Liège (Belgien). Sie verlangte einfach danach, dass ich mich näher mit ihr beschäftigte und irgendwann war die Zeit für meine Geschichte eines gefallenen Engels reif. Also habe ich dem Agenten von der Idee erzählt und wenig später fand das erste Treffen mit meiner Lektorin bei Heyne statt.

Spielt hier womöglich ein gewisser „Glaube“ an solche Wesen eine Rolle?

Ob ich abends unters Bett schaue, um sicher zu gehen, dass dort nichts Unheimliches auf mich lauert? ‚lacht‘

Nein, aber während ich über meine Figuren schreibe, erwachen sie zum Leben und mit ein bisschen Glück geschieht dieses Wunder später auch bei den Leserinnen und Lesern.

Wie lange haben Sie an „Flügelschlag“ geschrieben und gearbeitet?

Das ist schwer zu sagen. Wie erwähnt, gab es die Idee dazu schon länger. Im letzten Jahr war ich in Glasgow (wo ein Großteil der Story angesiedelt ist) und bevor ich mit dem Schreiben begann, habe ich mich – wann immer ein bisschen Zeit dafür war – intensiv mit dem Engelmythos beschäftigt. Insgesamt dürfte ich so etwa zwei Jahre für die Vorbereitung und das Schreiben gebraucht haben.

Für welche Zielgruppe haben Sie dieses Buch konzipiert und wie würden Sie jemanden „Flügelschlag“ empfehlen, warum er dieses Buch lesen sollte?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich schreibe auf, was mir in meinen Fantasiewelten begegnet und sehe mich deshalb mehr als … Wortfinderin. Der Begriff gefällt mir. Sagen wir mal so: Ich finde die hoffentlich passenden Worte für längst vorhandene Geschichten und das Marketing überlasse ich den Verlags-Profis.

Kürzlich hat mich eine Kritikerin gefragt, ob ich rot werden kann. Dies wäre so eine Situation. Ich fände es ein bisschen peinlich, mein Buch anzupreisen wie einen saftigen Apfel auf dem Markt. Wenn es denn sein müsste, dann würde ich womöglich murmeln: ‚Das ist das Beste, was ich bisher geschrieben habe.‘ Das sage ich aber immer. ‚lacht‘

Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt? Wird es eine Fortsetzung der „Licht & Schatten“ Reihe geben? Gibt es schon einen Erscheinungstermin für „Der Blutkristall“ beim Egmont-Lyx Verlag?

Dreimal „Ja“. Ich arbeite derzeit an einer Fortsetzung der „Licht & Schatten“-Reihe, die 2011 erscheinen soll.

Egmont-Lyx wird „Der Blutkristall“ (Teil III der Reihe) im Programm Frühjahr/Sommer 2011 haben und ich darf bereits verraten, dass dass ich den Coverentwurf als Schreibtischhintergrund auf meinem Computer installiert habe, weil er mir so gut gefällt. Im Wechsel übrigens mit dem Flügelschlag-Cover und einem gewissen Julen, dem atemberaubenden Dunkelelf, der es immer wieder darauf anlegt, mich vom Schreiben seiner neuen Story abzulenken.

Könnten Sie sich allgemein vorstellen, ein Buch in einem anderen Genre als Fantasy zu schreiben? Vielleicht irgendwann ein Buch über das Modebusiness?

Aber ja! Ich glaube jeder Autor träumt manchmal von einem Ausflug in andere Gefilde. Ideen habe ich da einige. Mich fasziniert unter anderem die Kostüm- und Kulturgeschichte ungemein und dementsprechend bietet sich natürlich auch historischer Stoff an. Ein Buch ausschließlich über das heutige Mode- und Model-Business plane ich derzeit nicht, lieber nutze ich meine Erfahrungen in diesem Bereich für andere Romane.

Haben Sie auch schon Freunde und Familie als Vorlage mit eingearbeitet?

Um Himmels Willen, nein! Nun ja, vielleicht … ein bisschen. Es bleibt nicht aus, dass Autoren sich an realen Personen orientieren, wenn sie realischtische Charaktere entwerfen wollen. Das Problem ist nur: sobald man zu nahe an der Realität bleibt, dann wird die Figur häufig von den Lesern als unglaubwürdig empfunden.

Ich weiß nicht, was dabei im menschlichen Gehirn geschieht, aber die Dramaturgie in Büchern und auch Filmen folgt eben zumeist anderen Regeln, als die Dramaturgie des Lebens.

Was mögen Sie lieber – Reihen/Serien oder in sich abgeschlossene Romane.

Um diese Frage als Schriftstellerin ordentlich beantworten zu können, müsste ich viel mehr Erfahrung mit beidem haben.

Zum Glück bin ich aber auch Leserin und da mag ich es oft recht gern, auch beim nächsten Buch in eine Welt eintauchen zu können, in der ich mich bereits gut auskenne. Es liest sich dann leichter und die Figuren sind vielleicht sogar alte Bekannte. Ein großer, abgeschlossener Fantasy-Roman erfordert beim Lesen häufig mehr Konzentration. Die fremde, magische Welt, die Helden, die Story … All das kann sich in einer Reihe langsamer entwickeln, als in einem einzigen Buch.

Ich mag im Genre-Bereich beides gern. Die Serien oder Reihen-Romane sind dann oft für unterwegs oder um vor dem Einschlafen im Bett noch ein bisschen zu lesen. Und die anderen hebe ich mir für lange Abende am Kamin auf – oder wohin auch immer man sich mit einem guten Buch zurückziehen mag. Dazu eine gute Tasse Tee oder ein Glas Wein, leise Musik im Hintergrund und dann so richtig abtauchen.

Welches Ihrer Romane liegt Ihnen persönlich am meisten am Herzen und warum?

Immer der Roman, an dem ich gerade schreibe. Darauf konzentriere ich mich, an bereits veröffentlichen Geschichten kann ich ohnehin nichts mehr ändern.

Bisher hat jedes Ihrer Bücher ein wunderschönes und einzigartiges Cover. Welches ist davon ihr Lieblingscover?

Erst einmal herzlichen Dank für das Kompliment! Das Cover von „Der Venuspakt“ bei Ubooks war seinerzeit sicher ein Trendsetter. Die Lyx-Cover der Licht & Schatten-Reihe sind, wenn man sich das Gesamtprogramm ansieht, sehr ungewöhnlich und Heyne hat mit ‚Flügelschlag‘ ebenfalls einen neuen Trend gesetzt, ich finde es wunderschön.

Wie viel Einfluss haben Sie auf die Covergestaltung Ihrer bisher erschienen Bücher? Würden Sie sagen, dass die Covergestaltung einen erheblichen Einfluss auf das spätere Marketing eines Buches hat?

Ich glaube schon, dass ein attraktives Cover viel für ein Buch tun kann. Darum sollte man die Gestaltung ruhig den Designern überlassen. Wenn mir allerdings etwas wirklich nicht gefällt, dann möchte ich schon gehört werden. Zum Glück war dies bisher aber eher die Ausnahme.

Wie und wo schreiben Sie am liebsten? Gibt es einen bestimmten Ort, an dem Sie besonders gut schreiben können?

Ich brauche einen klaren Kopf, eine gute Tasse Tee mit Milch und Zucker sowie einen zufriedenen Hund unter meinem Schreibtisch. Längere Zugfahrten auf bekannten Strecken funktionieren bei mir erstaunlicherweise auch gelegentlich.

Jedes Jahr für einige Wochen im Jahr an einem abgelegenen Ort (irgendwo an der Küste bei mittleren Temperaturen) konzentriert arbeiten zu können, und das im Wechsel mit städtischem Leben, randvoll mit (Sub-)Kultur und guten Freunden, die bereitwillig Ideen oder Texte diskutieren und entwickeln – das ist mein Wunschtraum.

Haben Sie ein Grundkonzept fertig, bevor Sie anfangen, oder lassen Sie sich vom Geschriebenen inspirieren?

Ohne Konzept geht gar nichts. Zuerst einmal lässt sich kaum ein Verlag darauf ein, wenn man ihm eine vage Idee verkaufen will. Das Exposé muss Hand und Fuß haben. Ich sehe es als Gerüst der Story. Dazwischen lasse ich dann allerdings meiner Fantasie freien Lauf.

Wie ist das Gefühl, nach getaner Arbeit das Manuskript beim Verlag einzureichen?

Ich bin natürlich aufgeregt, wie meine Geschichte aufgenommen wird, aber mit der Abgabe beim Verlag ist es nicht getan. Nun beginnt der zweite Teil meiner Arbeit: das Lektorat.

Wenn man lange an einer Geschichte geschrieben hat, wachsen einem da die Protagonisten ans Herz?

Sehr sogar. Es ist ein bisschen, als würde ich in ein fernes Land auswandern. Mein Leben geht weiter, aber einige lieb gewonnene Freunde lasse ich auf unbestimmte Zeit zurück.

Sie haben einen interessanten Lebenslauf. Wie kamen Sie zum schreiben und war es schon länger Ihr Wunsch Schriftstellerin zu werden?

Der Grundstein wurde sicherlich in frühester Kindheit gelegt, als meinen Vorlesern (beide Eltern und meine Großmutter) langsam die geeigneten Geschichten ausgingen. Da habe ich eben begonnen, mir neue Abenteuer meiner Lieblingshelden auszudenken.

Zum Schreiben kam ich aber erst viel später. Ich saß nach einem Sportunfall vorübergehend im Rollstuhl und der Himmel drohte mir auf den Kopf zu fallen. So etwas kann auch bei robusteren Charakteren zu Schwermut führen und weil ich vorher beim Phantom der Oper gearbeitet hatte, war mein Hang zu theatralischen Erzählungen bereits recht ausgeprägt. Also tippte ich meine Erinnerungen in die Schreibmaschine – hey, das war im letzten Jahrhundert! – und steckte das Ergebnis in eine Schublade. Drei Umzüge später fiel mir das Manuskript wieder in die Hände. 2003 erschien mein erster Roman.

Erfolg bringt auch Neid mit sich. Lob und Kritik gehen außerdem Hand in Hand. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Wahrscheinlich normal. Es kommt letztlich darauf an, um welche Art von Kritik es sich handelt und wie sie vorgetragen wird.

Konstruktive Kritik ist eine großartige Sache. Geeignete Testleser und Lektoren sind Meister darin. Auch sie schmerzt natürlich, besonders wenn sie zum Umdenken auffordert. Am Ende ist es jedoch immer ein gutes Gefühl, etwas dazugelernt zu haben.

Haben Sie Tipps für angehende Jungautoren?

Lesen, schreiben, aufmerksam zuhören …Schreibgruppen sind eine tolle Sache, Literaturagenten werden immer einflussreicher und ganz wichtig: Verlage bezahlen ihre Autoren – nicht umgekehrt. Und zur Sicherheit wäre wahrscheinlich ein Deal mit Fortuna nicht verkehrt. Der Markt ist hart umkämpft und es gehört immer auch ein bisschen Glück dazu, um mit der richtigen Geschichte zum richtigen Zeitpunkt einen geeigneten Verlag zu finden.

Was bringt Sie zum lachen?

Situationskomik, manchmal auch ein bisschen Schadenfreude, glückliche Momente, die Freude eines anderen Menschen … Es gibt viele Gründe, um fröhlich zu sein. Finden Sie nicht auch?

Wie gehen Ihre Freunde, Bekannte und Familie mit Ihrerem Erfolg um?

Für Menschen in „ordentlichen Berufen“ kann die Freundschaft zu einer Autorin, glaube ich, ziemlich anstrengend sein. Sie sitzt ständig zu Hause, geht aber trotzdem selten ans Telefon; hockt stundenlang hinter verschlossener Tür und mitten im Gespräch starrt sie plötzlich Löcher in die Luft, murmelt dabei wirres Zeug und kramt anschließend hektisch nach ihrem Notizbuch …

Vom Rest bekommen die meisten Bekannten aber gar nicht so viel mit. Die Menschen in meinem direkten Umfeld natürlich schon, weil sie die Ups and Downs eines Autorenalltags täglich live miterleben. Zum Glück begleiten sie meinen „komischen“ Job mit Langmut und durchaus etwas Stolz.

Haben Sie literarische Vorbilder und was lesen Sie selber am liebsten?

Vorbilder habe ich keine, obwohl es viele Schriftsteller gibt, die ich für ihre Arbeit, ihr Engagement oder auch ihre Disziplin bewundere. Literatur ist Geschmackssache und es gibt so unendliche viele großartige Bücher, dass ich keine Empfehlung geben kann. Mit einem besonderen Buch ist es wie mit der Liebe: Es begleitet uns vielleicht nicht durch das gesamte Leben aber wir werden immer mit einem einzigartigen Gefühl daran zurückdenken.

Vielen Dank für Ihr Interesse und für die inspirierenden Fragen. Es hat mir viel Freude gemacht, sie zu lesen und zu beantworten.

Der Gewinnerin Sandra S. möchte ich ganz herzlich gratulieren!

Herzlichen Grüße

Ihre

Jeanine Krock

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6 Kommentare zu „Interview mit Jeanine Krock

  1. Vielen Dank an euch beide für das tolle Interview! Es haben sich ja wirklich viele Interessante Fragen angesammelt!

    Und was lese ich da? Sandra S.?! Waaah! Ich? Oder hat da noch eine andere Sandra S. mitgemacht?
    Wow, das wär toll und ich würde mich natürlich freuen endlich mal das Buch selbst zu lesen, anstatt nur den Namen des Buches auf meiner Wunschliste!
    Vielen Dank auch hierfür! *freu*

    1. Jetzt habe ich gleich mal nachgeschaut und ja es haben 2 Sandra mitgemacht Sch und st. Und gewonneh at Sch 🙂 na das dürftest du sein. Herzliche Glückwünsche!

      1. Danke für’s nochmal nachschauen! 😀 das mit den Abkürzungen ist immer sehr verwirrend. 🙂

        Na dann freue ich mich jetzt natürlich noch viel, viel mehr! Dankeschön!!! 🙂

  2. Ein wirklich schönes Interview mit einer sehr freundlichen Autorin (wie es scheint).
    Ich habe mich gefreut, die Antworten zu meinen Fragen zu lesen 🙂
    Diese Art von Interview gefällt mir wirklich sehr 🙂 (Möglichkeit, Fragen beizusteuern als Leser/Gast).

    Glückwunsch auch an die Gewinnerin 🙂 (neidisch-blick … *lach*)

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